Problemlose Nächstenliebe

41 Visselhöveder Feuerwehrleute lassen sich typisieren

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Feuerwehrmann Lars Dammann (l.) hatte sich bereits vor 20 Jahren typisieren lassen. Niels Osmers nahm am Sonnabend das Wattestäbchen in die Hand, um gegebenenfalls mit seinen Stammzellen einem Krebskranken zu helfen.

Jeddingen - Von Angela Kirchfeld. Helfen kann so einfach sein. Einfach drei Wattestäbchen im Mundraum drehen, Karte ausfüllen, unterschreiben und schon ist man bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) typisiert. „Und wenn es ganz gut läuft, kann es passieren, dass nach einer Woche oder 30 Jahren das Telefon klingelt und es gibt jemanden, der Hilfe benötigt“, sagt Betriebsarzt Dr. Klaus Gerrit Gerdts. Der Mediziner wurde vom Stadt-Atemschutzbeauftragten und Nindorfer Ortsbrandmeister Olaf Jungnitz gefragt, ob er bei den fälligen Eignungsuntersuchungen der Atemschutzgeräteträger am Sonnabend bereit wäre, auch die Typisierung durchzuführen.

Durch das simple Prozedere sollen Menschen, wie den an Blutkrebs erkrankten Walsroder Ortsbrandmeister Stephan Wagner, unterstützt werden. Gerdts nahm das Angebot dankend an, mehr noch, es entwickelte sich ein Schneeballeffekt: „Eine tolle Idee. Da wir niedersachsenweit unterwegs sind, um die Eignungsuntersuchungen durchzuführen, werden wir die Typisierung jetzt immer gleich mit anbieten“, so der Mediziner. Völlig unbürokratisch stellte die DKMS für 50 Personen das nötige Material für die Typisierung in Jeddingen zur Verfügung. 41 Personen ließen sich so in der Jeddinger Turnhalle auf Eignung testen.

Lars Dammann, einer der freiwilligen Helfer und Feuerwehrmitglied, hatte sich bereits vor 20 Jahren typisieren lassen und einem Menschen somit das Leben gerettet. „Mein Muster, der genetische Abdruck, passte. Normal hätte der Mann aus Sachsen-Anhalt nicht überlebt. Inzwischen ist er Opa geworden“, berichtete der 49-jährige Jeddinger, der zu seinem Empfänger immer noch Kontakt hat. „Wir telefonieren einmal im Jahr oder treffen uns. Immerhin besteht da eine Beziehung, der Mann hat ja mein Erbgut abgekriegt“, schmunzelt Dammann. Ebenso wurde ein kleines Depot seiner Stammzellen angelegt, auf der der glückliche Empfänger im Notfall zurückgreifen kann.

Krankenkassen bezahlen Typisierung nicht

„Das Spenden ist total problemlos geworden“, informierte Gerdts, „es ist wie beim Blutspenden. Man bekommt vorher fünf Spritzen, um die Stammzellen anzukurbeln. Aber es ist nicht mehr so wie früher, dass es ans eigene Knochenmark geht.“

Der Nachteil: Die Krankenkassen bezahlen die Typisierung nicht – mit der Begründung, sie kann keinem Patienten zugeordnet werden. Selbst die DKMS arbeitet auf Spendenbasis. „Ich lasse mich typisieren, weil es wichtig ist. Ich möchte auch, dass mir geholfen wird, falls es mich oder meine Familie trifft“, machte Niels Osmers bei der Aktion deutlich. Der 44-Jährige ist Fördermitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Nindorf und selbst, wie der Walsroder Ortsbrandmeister, Familienvater. „Wichtig ist der kameradschaftliche Gedanke unserer Feuerwehren und dass dieses Angebot vor Ort ein weiteres Puzzleteil für das Ganze ist und nun allen Wehren bei den G26-Untersuchungen angeboten wird“, verdeutlicht Jungnitz. Somit erhöht sich die Chance, weitere Spender ausfindig zu machen und Nachahmer zu motivieren.

„Es ist reine Nächstenliebe“

„Ich bin schon registriert worden. Es tut nicht weh und es ist reine Nächstenliebe“, begründet Carsten Heins seine Typisierung vor vier Jahren. „Jeder zwischen 17 und 55 Jahren, der keine schwere Erkrankung und keine Infektion hat, darf spenden“, so Gerdts. Mehr als sieben Millionen Spender sind mittlerweile bei der DKMS im weltweiten Verbund registriert. Dennoch warten viele Blutkrebspatienten, die eine Transplantation benötigen, vergeblich auf einen geeigneten Spender. Daher ist es so wichtig, dass sich so viele wie möglich typisieren lassen.

Jede Registrierung koste der DKMS 35 Euro. Jungnitz: „Für unsere 41 neu Registrierten fallen also 1 435 Euro an Kosten an. Hier sei der Aufruf an die örtlichen Betriebe gestattet, eventuell diesen Betrag mit einem Anteil zu finanzieren.“ Bereitwillige Unterstützer können sich bei Olaf Jungnitz unter der Telefonnummer 0170 / 3551156 oder per E-Mail an mail@ff-nindorf.de melden. Spendenquittungen sind über die DKMS auch nachträglich möglich.

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