Thomas Hoyer über die Firma, seine Coronainfektion und die Quarantäne

„Im Prinzip läuft alles wie immer“

Das Coronavirus überstanden: Seit gestern ist Thomas Hoyer zurück im Büro.

Visselhövede - Von Vincent Wuttke. Mittlerweile hat Thomas Hoyer sein Büro wieder bezogen. Der geschäftsführende Gesellschafter von Hoyer hatte sich mit dem Coronavirus infiziert und war deshalb am Montag vor zwei Wochen in Quarantäne gegangen. Der Betrieb lief ganz normal ohne ihn weiter. Gestern Morgen hat er offiziell vom Arzt die Erlaubnis erhalten, das Haus wieder verlassen zu dürfen. Zurück im Betrieb erzählt der 35-Jährige im Interview, wie er mit der Krankheit umgegangen ist, welche Folgen seine Infizierung für das Unternehmen hatte und mit welchen wirtschaftlichen Auswirkungen er nach der Krise rechnet.

Wie geht es Ihnen?

Mir geht es bestens, wobei ich sagen muss, dass ich zu keiner Zeit größere Beschwerden verspürt habe. Mich hat allerdings die Sorge um die Menschen in meinem Umfeld und die Kollegen in unserem Unternehmen sehr mitgenommen. Es ist ein unschönes Gefühl, als infizierte Person zu gelten und damit potenziell ansteckend zu sein. Umso mehr freue ich mich, heute zu den ersten 500 Menschen in Deutschland zu zählen, die nach einer Infektion offiziell aus ihrer Quarantäne entlassen wurden und ihre Arbeit wieder voll aufnehmen können.

Wo haben Sie sich angesteckt und wann haben Sie die ersten Symptome bemerkt?

Ich hatte zunächst überhaupt keine Symptome. Ich bekam nur die Info, dass möglicherweise eine Person in dem Lokal, in dem ich mich in Österreich mit Geschäftsfreunden aufgehalten hatte, mit Corona infiziert gewesen sei und dass dort eventuell eine Ansteckungsgefahr bestanden haben könnte. In Abstimmung mit diesen Geschäftspartnern haben wir uns daraufhin sofort alle in freiwillige Quarantäne begeben. Ich bin sofort in meine Wohnung in Hamburg gefahren und dort geblieben. Als ich einige Tage später dann ganz leichtes Fieber bekam und Symptome wie bei einer sehr schwachen Grippe verspürte, bekam ich einen Test und wurde in häusliche Quarantäne versetzt. Wesentliche Symptome waren für mich Geruchs- und Geschmacklosigkeit sowie die Kurzatmigkeit bei Anstrengungen.

Wie haben Sie die eigene Quarantäne erlebt?

14 Tage in häuslicher Quarantäne sind schon hart, zumal ich genau in dieser Phase eigentlich besonders gebraucht wurde. Aus meinem Homeoffice habe ich eigentlich durchgehend telefoniert und sehr effektiv gearbeitet. Ich bin stolz auf meine Familie und unsere Mitarbeiter, dass alle in dieser Zeit an mich gedacht haben und ein höchstes Maß an Leistung erbracht haben.

Welche Maßnahmen haben Sie dann getroffen – privat und in der Firma?

Als ich das positive Ergebnis per Telefon vom Gesundheitsamt erfuhr, befand ich mich ja schon vorsichtshalber seit Tagen in freiwilliger Quarantäne. Wir haben dann aber natürlich weitere umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Alle Personen, mit denen ich in der kurzen Phase bis zur Quarantäne Kontakt hatte, haben wir dann auch ohne Symptome in häusliche Quarantäne beschickt. Meine Familie gehörte übrigens nicht zu den Kontaktpersonen. Bis auf einen Kollegen, mit dem ich wirklich intensiv zusammengearbeitet hatte, erhielten alle ein negatives Ergebnis und haben ihre Arbeit im Büro inzwischen wieder voll aufgenommen. Wir haben sofort eine ganze Reihe an Maßnahmen ergriffen, um unsere Mitarbeiter und damit auch unser Unternehmen zu schützen. Die fallen je nach Arbeitsbereich sehr unterschiedlich aus. Natürlich muss ein Fahrer mit Kundenkontakt anders reagieren als ein Mitarbeiter in der Buchhaltung. Es gab also viel zu tun und wir passen die Maßnahmen täglich an.

Welche Sicherheitsmaßnahmen gibt es konkret?

So merkwürdig das klingen mag: Im Prinzip läuft alles wie immer. Alle Betriebszweige funktionieren einwandfrei, allerdings unter deutlich verschärften Sicherheitsbestimmungen. So ist der Zutritt zu unserem Betriebsgelände nur noch für Lieferanten möglich. Am Pförtnerhäuschen gibt es weiterhin Flüssiggas und technische Gase zur Abholung, allerdings haben wir den Werksverkauf von Kleingebinden eingestellt. An unseren Tankstellen haben wir auf Anweisung der Behörden die Gastro-Bereiche geschlossen und die Küchen auf die Zubereitung von Mahlzeiten für den Außer-Haus-Verkauf umgestellt. Das gilt zunächst auch für die Autohöfe, wobei wir einen Antrag auf Sondergenehmigung gestellt haben, um den Lkw-Fahrern, die ja die Versorgung der Bevölkerung garantieren, die Möglichkeit zu geben, ihre Mahlzeiten in vernünftiger Umgebung zu genießen.

Sind nicht gerade die Lkw-Fahrer und die Tankstellenverkäufer einem hohen Risiko ausgesetzt? Wie werden sie geschützt?

Jeder, der angesichts der historisch günstigen Ölpreise Heizöl bestellt hat, wartet auf den Tag, an dem die Ware geliefert wird. Und jeder sagt sich: Bei mir ist das unproblematisch. Ich bin nicht krank. Das sieht aus Sicht des Fahrers anders aus. Deshalb bitten wir um Verständnis, dass unsere Fahrer gehalten sind, zum Schutz die Belieferung mit der nötigen Distanz vorzunehmen. Da wird auf das Händeschütteln ebenso verzichtet wie auf den Klönschnack. Und wenn es länger dauert, bis der Anruf kommt, dass die bestellte Ware geliefert wird, so liegt das nicht daran, dass unsere Fahrer krank wären, sondern an der unglaublich großen Menge, die zu den günstigen Preisen bestellt wurde. Aber wir können beruhigen. Jeder bekommt die bestellte Ware zum vereinbarten Preis. An den Tankstellen gelten die gleichen Abstandsregeln und an den Kassen wurden Plexiglasplatten angebracht, um vor dem unbeabsichtigten Nieser oder der feuchten Aussprache zu schützen. Wer zudem statt mit Bargeld mit Karte zahlt, hilft.

Hoyer ist eine große Firma. Ist es da überhaupt möglich, sich komplett vor dem Coronavirus zu schützen?

Ich glaube, jeder, der die Nachrichten verfolgt, weiß, dass eine Infektion viele von uns treffen wird. Wir sind da mit zwei Infektionen bei fast 1 900 Mitarbeitern offensichtlich bislang den richtigen Weg gegangen. Wir haben den Betrieb weiterhin in vollem Umfang am Laufen: Unsere Lkw-Fahrer sind mit Hochdruck dabei, dafür zu sorgen, dass alle Menschen mit Heizöl, Holzpellets oder Flüssiggas versorgt werden, damit sie nicht im Kalten sitzen müssen. Gleichzeitig ist die Belieferung der Landwirtschaft mit Diesel und Schmierstoffen für die anstehende Frühjahrsbestellung voll angelaufen. Ohne eine Aussaat fehlt uns später die Ernte. Und schließlich halten wir mit unseren Tankstellen und Betriebslieferungen mit Diesel und AdBlue die Logistik in Gang. Ohne sie würde kein neues Klopapier in die Regale kommen.

Haben Sie Sorgen, wie sich die Corona-Krise auf die Firma auswirken könnte?

Wer sich angesichts dieser weltweiten Krise keine Gedanken um die wirtschaftlichen Auswirkungen macht, hat den Ernst der Lage nicht verstanden. Selbstverständlich sind auch wir in Sorge. Wir sind in Sorge um jeden unserer Mitarbeiter und seine Angehörigen. Wir sind in Sorge um die wirtschaftliche Situation unserer Kunden und Partner und uns ist sehr bewusst, dass nicht alle diese ausgesprochen schwierige Situation wirtschaftlich überleben werden. Das wird auch auf unseren Betrieb Auswirkungen haben, auch wenn wir sicher sind, dass wir als starkes Familienunternehmen die nötige Kraft haben, die Krise als zuverlässiger Lieferant, Partner und Arbeitgeber zu überstehen. Wie allerdings die Zeit nach Corona aussehen wird, das bleibt abzuwarten, denn wir sind als Händler und Tankstellenbetreiber vor Ort ebenso mit der Region verbunden, wie wir als weltweit tätiges Handelsunternehmen in globale Beziehungen verflochten sind. Abschließend möchte ich noch sagen, dass sämtliche großen und kleinen Investitionen bei Hoyer in vollem Umfang wie geplant umgesetzt werden, selbst die Installation der Klimaanlage für den gesamten Verwaltungskomplex in Visselhövede werden wir weiterführen.

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