„Potenzial bündeln“

Viehvermarktung spricht über Konsumverhalten und Zukunft

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Der gewählte Vorstand der Viehvermarktung Walsrode-Visselhövede (v.l.): Vorsitzender Martin Lüking, Lars Nieber, Hinrich Mente, Dirk Zeyn, Sina Severloh, Volker Carstens, Friedhelm Stöckmann und Geschäftsführer Wilhelm Behrens.

Hünzingen/Visselhövede - Von Tobias Woelki. Der Wegfall von Schlachtkapazitäten in der Umgebung hat die Viehvermarktung Walsrode-Visselhövede vor eine große Aufgabe gestellt. Auf der Mitgliederversammlung der Viehvermarktung am Montag erklärte Geschäftsführer Wilhelm Behrens:

„In den vergangenen Jahren gingen wöchentlich 5.500 Schweine zu den Vogler-Schlachthöfen nach Steine, Laatzen und Bremen. Umso härter war der Einschlag, als der fünftgrößte Abnehmer für Schweine in Deutschland zunächst im Oktober Planinsolvenz und Ende Dezember die Insolvenzeröffnung aller Vogler-Schlachthöfe ankündigte.“

Und: „Unsere Disponenten und Fahrer waren stark gefordert. Nichts war planbar. Schlachtschweine konnten nicht mehr pünktlich, wie von den Kunden gewohnt, von uns angenommen werden. Da die Schweine rechtzeitig seitens der Landwirte angemeldet waren, entstand hier für uns ein zusätzlicher Verlust.“ Nachdem Vogler Bremen im Januar den Schlachtbetrieb ganz einstellte, folgten die Standorte Steine und Laatzen im Februar und März. Das Engagement aller Beteiligten konnte die regional sehr günstig gelegenen Standorte nicht retten, so Behrens.

Fleischproduzent Vion gab die Schließung seines Schlachthofes in Zeven Ende April bekannt. „Nochmals 1.700 Schweine mussten an andere Schlachthöfe geliefert werden“, sagte Behrens und schob nach: „Was zunächst wie ein Zusammenbruch erschien, entwickelte sich zum Aufbruch. Bei 13 Prozent höherem Kilometeraufwand konnte die Steigerung der Transportkosten im Rahmen bleiben. Zusätzliche Mautgebühren, weitere Strecken, und längere Wartezeiten auf den Schlachthöfen sorgten für höhere Kosten und weiteren Unmut.“ Für die Zukunft wünschte sich Behrens von den Abnehmern und Lieferanten eine intensivere Zusammenarbeit für den täglichen Ablauf, um besser planen zu können.“ Aktuelle Themen wie die Afrikanische Schweinepest, das Verbot der betäubungslosen Kastration ab 2019 und die Teilnahme an der Initiative Tierwohl werden von der Viehvermarktung auf einzelbetrieblicher Ebene beraten.

Referent Vinzenz Bauer.

Besonders am Herzen liegt Behrens und seinen Mitarbeitern das Roggenprojekt für das Wohlergehen der Schweine, das gemeinsam mit der Saatgutfirma KWS und der Tierärztlichen Hochschule Hannover betreut wird. „Über alle Gattungen hinweg vermarktete die Genossenschaft in 2016 insgesamt rund eine Million Tiere mit einem wertmäßigen Umsatzplus von 11,183 Millionen Euro auf insgesamt 111,542 Millionen Euro“, so Behrens. Zudem wählte die Versammlung in den Vorstand Sina Severloh und Friedhelm Stöckmann und in den Aufsichtsrat Hinrich Mente, Lars Nieber und Dirk Zeyn.

„Märkte bewegen sich“

Über aktuelle Entwicklungen und der Zukunftsperspektiven von Marktstrukturen auf dem Schlachtviehsektor referierte Vinzenz Bauer, dem Fachreferenten Marktberichterstattung bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, auf der Mitgliederversammlung. So sei zu beobachten, dass sich die Essgewohnheiten geändert haben. Es falle bei jungen Menschen der Trend zum Burger auf. Auch das Biosegment wachse im Bereich Schweinefleisch, allerdings auf einem niedrigen Niveau. „Die Märkte bewegen sich. Die Verbraucher verzehren nach wie vor Schweinefleisch auf einem Niveau, aber in den vergangenen Jahren mit leicht sinkender Tendenz, weil mit wandelnden Essgewohnheiten der Verzehr von Rind und Geflügel zunimmt“, so Bauer.

Er riet den Schweinehaltern, ihr Potenzial zu bündeln, „um mit einer Sprache zu sprechen. Im Schlachtsektor gibt es eine starke Konzentration. Wir finden es daher eine tolle Sache, wenn ein italienischer Investor ein Schlachthof bauen will. Aus unserer Sicht ist er herzlich willkommen.“ Besonders betrachtet die Landwirtschaftskammer den Inlandsmarkt, der im Bereich des Schweinefleisches weit über dem Niveau der Europäischen Union liegt. Und noch etwas beobachten die Experten: „Im Bereich der Vermarktung von Innereien und von Knochen wachsen die Märkte.“

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