Was ist der Politik Kunst und Kultur auf dem Land wert?

Landtagskandidaten zu Besuch im Theater Metronom

Andreas Goehrt (v.l.), Karin Schroeder sowie Martina van Bargen und Ulrike Seybold vom Landesverband Freier Theater informierten die Landtagskandidaten Eike Holsten, Tobias Koch und Birgit Brennecke über die Situation der Spielstätten vor Ort. - Foto: Wieters

Hütthof - Von Jens Wieters. „Wir arbeiten gerne und gerne auch mehr. Wir haben hier die Möglichkeiten, aber die Rahmenbedingungen müssen eben stimmen!“ Andreas Goehrt, Schauspieler und Betreiber des einzigen Theaters im Landkreis, dem Metronom in Hütthof, hat deutliche Worte während des Besuchs der Landtagskandidaten Eike Holsten (CDU), Tobias Koch (SPD) und Birgit Brennecke (Grüne) gefunden.

Denn auch vor der darstellenden Kunst macht die Frage nach der Finanzierung von verschiedenen Projekten nicht Halt. „Und gerade die Freien Theater müssen in jedem Jahr aufs Neue ums Überleben kämpfen“, gab Ulrike Seybold von der Geschäftsführung des Landesverbands der Freien Theater in Niedersachsen den Kandidaten mit auf den Weg.

Die waren unter dem Titel „Wahlfang 1“ von Goehrt und seiner Partnerin Karin Schroeder eingeladen worden, um ihnen einen Blick hinter die Kulissen des Theaters zu gewähren und über die aktuelle und die zukünftige Kulturpolitik des Landes Niedersachsen zu diskutieren.

Und natürlich geht es dabei auch ums liebe Geld. „Wir bekommen pro Jahr 9000 Euro Zuschuss vom Landkreis und die gleiche Summe von der Stadt Visselhövede“, berichtete Goehrt, wohlwissend, dass ein ähnlich großes Theater in Braunschweig jährlich mit „rund 140.000 Euro von den Kommunen vor Ort gefördert wird“, wie Seybold betonte.

Besucher aus der Nachbarschaft

Rund 5000 Zuschauer besuchen jährlich die Aufführungen des Theaters im beschaulichen Hütthof. „Zu einem Drittel kommen die aus dem Kreis Rotenburg und der Rest gleichermaßen verteilt aus den Landkreisen Verden und Heidekreis“, bilanzierte Goehrt. Das wiederum animierte Birgit Brennecke, doch schon jetzt mal „laut darüber nachzudenken, ob diese Landkreise sich nicht auch finanziell beteiligen können“. Eine These, die Holsten und Koch aber als eher unrealistisch einstuften: „Die Nachbarn würden wohl nicht mitspielen.“

Da der Metronom-Haushalt natürlich nicht durch Zuschüsse und Zuschauereinnahmen gedeckt werden kann, tingeln Goehrt und Schroeder auch durch die Lande, um Gastspiele zu geben. Und das mit großen Erfolg, denn einige Metronom-Produktionen wurden bereits im In- und Ausland prämiert. „Aktuell sind wir mit unserem Stück ,Meeresrauschen‘ für den Monica-Bleibtreu-Preis 2017 bei den Hamburger Privattheatertagen nominiert worden. Allein das ist schon ein Gewinn“, informierte Goehrt.

Neben dem ewig bangen Blick in die Kasse stört die Metronom-Betreiber auch der allgegenwärtige Verwaltungsaufwand bei der Bearbeitung von Anträgen und Formularen. „Leider kann ich nur zu 30 bis 40 Prozent künstlerisch arbeiten, der Rest ist Verwaltungskram“, kritisierte Goehrt.

Viel Verwaltung, wenig künstlerische Arbeit

„Das ist genau einer der Knackpunkte“, so Ulrike Seybold und nannte ein Beispiel: „Da muss sich ein Theater fünf Jahre lang einen Beamer leihen und ihn natürlich in vielfacher Ausfertigung beantragen, weil es die Förderung so vorsieht. Die Kostenerstattung für den Kauf eines eigenen Geräts wäre viel einfacher.“

Grundsätzlich müssten sich die Politiker die Frage stellen, was ihnen die Kunst wert sei, so Schroeder und Goehrt, die bezweifeln, dass „der Wert der kulturellen Arbeit besonders auf dem Land in den Köpfen einiger Politiker überhaupt angekommen ist“.

Von einem Förderverein wie ihn Tobias Koch ins Spiel brachte, halten die Theaterleute, die viele ihrer Stücke selbst entwickeln, nicht so viel. „Das sind dann oft zu viele Leute und die endlosen Diskussionen kosten eine ganze Menge Kraft“, so Schroeder und Goehrt.

Aktiv in Kulturarbeit einbringen 

Die drei Landtagskandidaten Holsten, Brennecke und Koch versprachen, sich aktiv in die Kulturarbeit einzubringen, wenn sie den Sprung nach Hannover schaffen würden. „Auch aus dem Grunde, weil wir einen Bildungsauftrag haben.“

Der vierte Kandidat des hiesigen Wahlkreises, Jan-Christoph Oetjen (FDP,) hatte den Metronom-Besuch wegen eines anderen Termins kurzfristig absagen müssen. Aber vielleicht bekommt er eine weitere Einladung. Denn: „Eventuell gibt es im Herbst eine öffentliche Talkrunde zum Thema Kultur hier bei uns“, stellte Goehrt in Aussicht. Denn grundsätzlich müsse sich in Sachen Kulturförderung im Land eine Menge tun. „Es wird nämlich viel produziert und recht wenig gezeigt.“

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