Klimaschutz vor Ort

Plastik kommt nicht in die Tüte - Händler bieten Alternativen

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Tanja Brüns hat zwar Stofftüten, aber viele Kunden nehmen die Ware unverpackt mit.

Visselhövede - Ein Umdenken in Bezug auf Plastiktüten für den Einkauf hat in Visselhövede offenbar schon vor „Fridays for Future“ stattgefunden. „Viele Kunden bringen ihren eigenen Korb oder eine Tragetasche mit“, war von den Geschäftsleuten schon lange zu hören. Wer dennoch Plastiktüten, die oft noch zu Tausenden in den Lagern der Geschäfte schlummern und häufig nur einmal genutzt werden, muss manchmal bezahlen. Wie läuft die aktuell viel diskutierte Thematik tatsächlich im Alltag ab. Wir haben uns in einigen Unternehmen umgehört.

„Als wir am Anfang Geld für die Plastiktüten verlangt haben, gab es einige Kunden, die die Ware stehen gelassen haben und verärgert aus dem Geschäft gegangen sind“, berichtet Tanja Brüns, Angestellte beim Haushaltswarengeschäft Karlstedt. Das sei allerdings noch während ihrer Zeit in der Rotenburger Filiale gewesen.

„Hier in Visselhövede wollen die Kunden meistens die Ware gar nicht mehr so doll verpackt haben, sondern nehmen sie so oder in einem Karton mit.“ Aus ihrer Sicht, muss es kein Plastik mehr geben. „Wir haben feste Stofftaschen als Alternative.“ Überhaupt agiere das Unternehmen sehr nachhaltig und bietet für viele Gerätschaften Ersatzteile, sodass man zum Beispiel nicht gleich die ganze Kaffeemaschine wegwerfen müsse, wenn der Deckel fehle oder die Glaskanne kaputt sei.

Tanja Lüdemann mit Papier-Weihnachtstüte.

Rund 200 Meter weiter, im Modehaus Fedderken, sind noch Restbestände von Plastiktaschen in vier Größen vorrätig. „Die gibt es beim Einkauf kostenlos und sie werden natürlich noch aufgebraucht“, versichert Angestellte Tanja Lüdemann. Doch der Trend gehe eindeutig immer mehr zu Papiertüten und auch Stoffbeutel seien begehrt. Lüdemann hat aber auch festgestellt, dass die Plastiktüten oft auch mehrmals benutzt würden. „Die Kunden bringen sie einfach wieder mit. Da spielt der Umweltgedanke schon eine große Rolle!“

Jörg Heilsberger (l.) und Ekkehard Briesen packen ihr Obst und Gemüse immer in Papiertüten, „doch die könnten größer sein“.

Den wollen auch Jörg Heilsberger und Ekkehard Briesen aufgreifen, wenn sie im Combi-Supermarkt in der Obst- und Gemüseabteilung einkaufen gehen. „Allerdings sind die angebotenen Papiertüten zu klein für größere Mengen“, sagen die beiden übereinstimmend.

Die Visselhöveder packen dennoch Bananen und Äpfel, Gurken und Tomaten in Papier und nehmen halt eine Tüte mehr. „Plastiktüten sind immer weniger in Umlauf. Es gibt immer mehr Baumwolleinkaufstaschen und Papiertüten“, versichert auch Marktleiter Jan Meinke, der „vom Plastikzeug grundsätzlich weg“ möchte. Und auch für die Gemüse- und Obstregale hat der Jeddinger schon eine Idee: „Wir bieten den Kunden besondere Netze, in denen sie das Obst abwiegen können.“ Wer an der Kasse aber dennoch nicht auf eine Tüte aus Kunststoff verzichten will, der muss ab diesem Jahr tiefer in die Tasche greifen.

Birte Winter-Hecht hat Plastik-Tragetaschen komplett aus dem Schuhladen verbannt.

Bei Schuh-Mann gleich gegenüber gibt es gar keine Plastiktüten mehr. „Wir haben nur noch Kartons und Papiertüten. Beim Kauf von drei Paar Schuhen gibt es bei uns sogar eine Stofftasche gratis. Selbst innerhalb der Filialen verschicken wir die Ware in Kartons“, informiert Verkäuferin Birte Winter-Hecht. Lediglich zum Ausstopfen der Handtaschen, Turnbeutel und Rucksäcke werden alte Plastikbestände genutzt, damit die Ware besser zur Geltung kommt. „Doch das Füllmaterial wird immer wieder verwendet. Es ist quasi ein geschlossenes System!“

Die Schuhfachverkäuferin fährt ebenso wie ihre Kollegin Sabine Buchholz vorbildlich jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit und trinkt daheim und auch an ihrem Arbeitsplatz mit Kohlensäure versetztes Leitungswasser. Denn sie hat eine Weisheit verinnerlicht: „Umweltschutz fängt zu Hause an!“

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