Paulicke-Ausstellung in der Hohe-Heide-Galerie / Kunst als Ventil

„Arbeiten berühren jeden“

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Rüdiger Wollschläger (l.) und Willi Reichert (r.) erinnerten an den Künstler Erich Paulicke.

Visselhövede - Betroffen und nachdenklich zeigten sich die Besucher der Ausstellungseröffnung der künstlerischen Werke von Erich Paulicke in der Visselhöveder Hohe-Heide-Galerie. Turmwächter Willi Reichert begrüßte die zahlreichen Gäste und lud ein, sich auf die Bilder und Skulpturen des ehemaligen Bewohners der Rotenburger Werke einzulassen. „Die Arbeiten berühren jeden. Vor allem, wenn man die Vergangenheit Paulickes kennt.“

Rüdiger Wollschlaeger, der mit seiner Frau Doris das künstlerische Werk Paulickes begleitete, berichtete vom wahrlich „beschissenen“ Leben des Künstlers, der einer der letzten Überlebenden von zirka 800 während der NS-Diktatur deportierten Bewohnern der damaligen Rotenburger Anstalten war.

Mit sehr klaren Worten, wobei die einzelnen Lebensabschnitte Paulickes durch das Akkordeonspiel von Stephan Orth unterbrochen wurden, berichtete Wollschläger: „547 Frauen und Männer aus der Einrichtung wurden in sogenannten Tötungsanstalten, wie zum Beispiel Kaufbeuren und Irsee, ermordet. Dorthin gelangte auch Erich Paulicke im November 1943.“ Die Nazis hätten die Menschen mit Behinderung dort langsam verhungern lassen.

1945 wog Paulicke als 18-Jähriger nur noch 36,5 Kilo. Dennoch überlebte er und kehrte 1945 zurück in die Rotenburger Anstalten. Dort begann er viel später zu malen und Skulpturen herzustellen – seine Art, mit den schrecklichen Erlebnissen umzugehen. Die künstlerische Arbeit in der Bildnerischen Werkstatt der Rotenburger Werke war Anlass für ihn zu erzählen, aber auch Erlebtes in Bildern auszudrücken.

Seit 1990 stieß Paulickes künstlerisches Werk, verbunden mit seiner Biographie in der Wanderausstellung „über leben“, bundesweit auf großes Interesse. 2007 starb er im Alter von 81 Jahren in den Rotenburger Werken.

Die außergewöhnliche Ausstellung ist noch bis zum 4. Oktober zu bewundern. Die Öffnungszeiten: Samstags und sonntags jeweils 15 bis 18 Uhr. Sondertermine und Gruppenführungen können Interessierte unter der Telefonnummer 04262/919646 vereinbaren.

aki

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