Nur Plattdeutsch kann er immer noch nicht

Pastor Peter Thom verlässt Visselhövede und Wittorf nach 35 Jahren

Pastor Peter Thom mit Familie, seinen Kollegen aus dem Kirchkreis und dem Kirchenvorstand vor der Verabschiedung. - Foto: Leeske
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Pastor Peter Thom mit Familie, seinen Kollegen aus dem Kirchkreis und dem Kirchenvorstand vor der Verabschiedung.

Visselhövede - Von Henning Leeske. „Nicht, dass ihr denkt, dass ich jetzt ganz sachlich erzähle, was ich alles gemacht habe in den 35 Jahren als Pastor in Visselhövede“, erklärte Pastor Peter Thom bei seinem letzten Seniorennachmittag in Schwitschen seinen Zuhörern. Das hatten sie aber auch nicht von dem Gottesmann mit viel Humor erwartet. Thom war in den vergangenen Wochen quasi auf Abschiedstourneen vor dem seinem offiziellen Ausscheiden in der St.-Johannis-Kirche – das am Sonntag im randvoll besetzten Gotteshaus gefeiert wurde.

„Ich habe lieber meine Lieblingsgeschichten und Lieder mitbracht“, erzählte Tom den Schwitschern. Anhand seiner teils selbst komponierten Musikstücke und eigens geschriebenen Texte präsentierte er so manche Anekdote aus seiner 35-jährigen Amtszeit, ohne den beteiligten Personen dabei auf dem Schlips zu treten.

„Ernstes und Heiteres werden sie heute hören“, kündigte Thom an. So schrieb er anlässlich einer Trauungsansprache mal ein Lied vom Ort, wo der Himmel die Erde küsst. Dieser Ort sei dort, wo das frisch vermählte Ehepaar glücklich sei, und das könne auch einfach das gemeinsame Nest in der heimischen Wohnung sein. Vom anderen Ende der Zeitachse berichtete er mit seinem Lied, das er durch die Inspiration bei den unzähligen Besuchen von goldenen, diamantenen und sogar eiserne Hochzeiten komponierte. „Nie aufhören zu fragen: Wo ist eigentlich das Glück?“, empfahl Thom und verlas eine Geschichte von Astrid Lindgren vom Glück in Bullerbü zur Veranschaulichung des Glücksbegriffs.

Aber nicht nur die fiktiven Dörfer bekannter Schriftsteller erwähnte der Pastor in seinem Rückblick, auch hiesige Orte wie Wittorf fanden Beachtung. „Dort beschwerten sich einige Einwohner, dass ich in der Kapelle mal wieder zu leise gepredigt hätte. Aber meine Stimme kann auch nicht so laut sein, dass sie im Gasthaus gegenüber zu verstehen ist...“

Pastor Peter Thom mit seinem Markenzeichen, der Gitarre, beim letzten Seniorennachmittag in Schwitschen.

Wenn man Pastor sei, dann könne man im Laufe der Jahre eine ganze Menge erleben: „Bei einem Hausbesuch grüßte die Oma mit ,Herr Pastor‘, die Tochter mit ,Herr Thom‘ und die Enkeltochter brachte ein lockeres ,Hi, Peter‘ über die Lippen“, erzählte der Pastor, natürlich ohne Namen zu nennen.

„Lieder entstehen, wenn etwas Besonderes passiert“, sagte er und sang ein sehr persönliches Lied von der Taufe des eigenen Enkelkindes und den 35 Jahren Leben in der Visselstadt. „Gott wir spüren an diesem Kind, dass wir behütet sind.“ So lautet ein Vers aus diesem Lied. Außerdem fasste er in einer Geschichte die Hauptthemen einiger Gemeindetreffen zusammen. Häufig ginge es darum, wer das schlimmere körperliche Leiden habe, weshalb er gerne den Vers zitierte: „Brüder und Schwestern lasset uns stöhnen.“ Auch die Qual des Toilettengangs beim Besuch des Stadtzentrums sei oft ein Thema gewesen. Weitere Details folgten. „Das stimmt eh nicht alles, aber Sie wissen ja, ich bin Dichter“, verriet er.

Auch ein Pastor soll nicht alles wissen

„Verstehen sie eigentlich Plattdeutsch?“, sei er oft gefragt worden. Und die Antwort habe immer „Nein“ gelautet. „Und dann haben plötzlich alle Platt gesprochen, weil auch ein Pastor nicht alles wissen soll“, so Thom. Diese Lieder und Geschichten präsentierte er mit seinem Markenzeichen der Gitarre sehr lebendig und zog die Schwitscher in den Bann – wie auch viele andere in den vergangen 35 Jahren.

Am Sonntag im Verabschiedungsgottesdienst erinnerte Thom an seine Anfänge im Studium, als er sich als der kleine David fühlte, aus dem später ein großer David wurde. Seine Predigt bezog er auf den besonderen Stellenwert des Kirchenliedes „Halleluljah“ in seinem langen Dienst in der Kirchengemeinde. Der stellvertretende Superintendent Pastor Matthias Wilke dankte dem dienstältesten Pastor im Kirchenkreis für die Treue und das Mitgefühl in den langen Jahren. Der Wechsel vor langer Zeit von St. Johannis in Hannover zu St. Johannis in Visselhövede sei ein Beleg für die Konstanz in seinem Schaffen. Anschließend feierte die Gemeindemitglieder ihren Pastor noch lange im Gemeindehaus.

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