Mieterin beschwert sich über unhaltbare Zustände

Pappelstraße in Visselhövede – Kein Ort zum Wohlfühlen

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An manchen Tagen türmt sich der Müll an der Pappelstraße nicht nur in den Tonnen, sondern auch davor.

Visselhövede - Von Jens Wieters und Joris Ujen. Überfüllte Mülltonnen, ein verwahrloster Spielplatz, überall Sperrmüll, zerrissene gelbe Säcke und halb ausgeschlachtete Autos: Das Umfeld der Häuserblocks an der Pappel- und Buchenstraße ist nicht unbedingt eine Visselhöveder Vorzeigewohngegend.

„Das es hier so aussieht, liegt zu großen Teilen an der Immobilienfirma, der die Häuserblocks gehören. Die kümmert sich nicht richtig“, sagt eine Bewohnerin, die aus Angst um ihre Wohnung anonym bleiben möchte. Birgit Roth von der Firma Immobilien-Schwarz aus Hamburg behauptet das Gegenteil: „Die Anwohner hier sind für die Zustände verantwortlich.“

„Es kommen sogar Schaulustige hierher, um sich den ganzen Dreck anzusehen“, hat die Anwohnerin beobachtet. In ihrer Bleibe gehen die Probleme weiter: „Kaputte oder nur halbfunktionierende Heizungen, undichte Fenster und morsche Holzverkleidungen sind nur einige Beispiele“, sagt sie.

Die Mitarbeiter ihres Vermieters würden die Anwohner immer wieder hinhalten. „Wir werden immer nur vertröstet“, klagt die Mieterin. „Es passiert im Endeffekt nichts, trotz mehrfacher Anrufe bei Schwarz.“

„Das ist totaler Quatsch“, beteuert Birgit Roth. „In unserem Unternehmen sind allein zwei Mitarbeiter damit beschäftigt, die Mängel aufzunehmen und die entsprechenden Handwerker zu beauftragen.“ Aber die Firmen seien aktuell mehr als ausgelastet, sodass es schon einige Zeit dauern könne, bis ein Heizungsbauer oder Klempner vor der Tür stehe. „Aber in der Regel klappt das sehr gut.“

Abgemeldete oder halb ausgeschlachtete Autos gehören in dem Wohnbereich zum Alltagsbild. - Foto: Wieters

Innerhalb der vergangenen zehn Jahre haben die sechs Wohnblocks mehrfach den Eigentümer gewechselt. Nach einigen Wohnungsbaugesellschaften ist jetzt die Firma Schwarz am Ruder. Die Unterstützung sei bei allen gleich schlecht gewesen. „Und bei Firma Schwarz jetzt auch“, sagt die Mieterin.

Das will Birgit Roth so nicht stehen lassen: „Eine von uns beauftragte Firma kommt einmal in der Woche mit einem Lkw vorbei, um Unrat von den Rasenflächen zu sammeln. Wir kommen aber kaum gegen an, so viel Müll wird hier einfach vor die Haustüren gekippt.“

In den gut 100 Wohnungen wohnen übewiegend Menschen, die von Transferleistungen des Staates abhängig sind und die Miete vom Sozialamt bezahlt wird. „Ich schätze den Anteil auf mindestens 75 Prozent“, so Mathias Haase vom städtischen Ordnungsamt, der von Amts wegen häufiger in der Wohngegend zu tun hat.

„Für ein Großteil dieser Mieter ist Mülltrennung oder auch sonstige Sauberkeit ein völliges Fremdwort“, sagt Birgit Roth. Ihre Mitarbeiter hätten beobachtet, dass volle Müllsäcke einfach auf den Boden geworfen würden, obwohl die Mülltonne nur ein paar Schritte weiter bereitstehe. „Also sind diese Zustände hausgemacht und sollten nicht uns zur Last gelegt werden.“

Die Idee von Mieterversammlungen, um den Menschen vielleicht einen kleinen Anstoß hinsichtlich der Situation zu geben, wischt Roth vom Tisch: „Das haben wir versucht, aber niemand ist gekommen.“

In diesem Wohnbereich habe sich nicht erst seit gestern ein sozialer Brennpunkt entwickelt. „Es wird auf offener Straße mit Autos und vielen anderen Dingen gehandelt“, berichtet die Vermietungsbeauftragte der Immobilienfirma.

Wohnung sehr begehrt

Die Wohnungen seien trotz allem sehr begehrt, was wohl an den niedrigen Mieten liege. Roth: „Wo findet man sonst eine Vier-Zimmer-Wohnung für gerade mal 300 Euro Kaltmiete?“ Das spreche sich halt herum und weitere Verwandte der Mieter aus der Region zögen dann nach Visselhövede. „Aber die verhalten sich dann genauso wie alle anderen.“

Auch in Sachen Sauberkeit der Treppenhäuser will sich das Unternehmen nichts vorwerfen lassen: „Alle zwei Wochen kommt eine Reinigungsfirma und macht die Treppenhäuser sauber. Schon nach wenigen Tagen ist alles wieder verdreckt“, sagt Roth resignierend.

Gleiches gelte auch für den Spielplatz zwischen den dreistöckigen Gebäuden. Der sieht aus der Ferne auch recht einladend aus, geht man aber näher ran, erkennt man schnell die Gefahren für die Kinder: Glasscherben und Zigarettenstummel liegen im Sand verteilt. Die Spielgeräte wurden zwar sporadisch repariert, aber „ob sie wirklich sicher sind, bleibt zweifelhaft“, so die Mieterin. „Aber auch dort gucken wir regelmäßig“, beteuert Roth. Nur kaum hätten sich die Mitarbeiter umgedreht, sei wieder vieles kaputt und verdreckt.

„Aber uns sind auch die Hände gebunden“

Ursprünglich wurden die Wohnblocks Ende der 1970er-Jahre für Angehörige der Bundeswehr gebaut und waren in einem guten Zustand. Doch dann ging es stetig abwärts mit dem Wohnambiente.

Die Probleme sind auch der Stadtverwaltung bekannt. „Aber uns sind auch die Hände gebunden“, informiert Mathias Haase. „Das sind privatrechtliche Angelegenheiten, wir können nur im Rahmen der Gefahrenabwehr oder im öffentlichen Straßenraum einschreiten, und das machen wir in dem Bereich zur Genüge“, so Haase. Der hatte auch beim Landkreis nachgefragt, ob ausreichend Müllbehälter für die Wohnungen zur Verfügung stehen, um eine mögliche Unterversorgung auszuschließen. „Aber es gibt dort mehr Tonnen , als eigentlich notwendig.“

Birgit Roth hat für die Mieterin, die sich über die Zustände beschwert und nicht weiter damit leben will, nur einen Tipp parat: „Ich glaube, in ihrem Fall hilft wohl nur ein Auszug.“

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