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Ottinger Landwirt klärt Eierdiebstahlserie in seinem Hofladen auf

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Von: Judith Tausendfreund

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Die Jugendlichen haben die Scheibe des Verkaufsautomaten zertrümmert.
Die Jugendlichen haben die Scheibe des Verkaufsautomaten zertrümmert. © Tausendfreund

Zuerst dachte Cord Grünhagen an einen Streich. Doch die Täter kamen immer wieder in seinen Hofladen, stahlen hunderte Eier und warfen sie in mehreren Orten an Gebäude. Wer es war, ermittelte der Landwirt selbst.

Ottingen/Visselhövede – Cord Grünhagen ist sauer. Nicht nur sauer, er ist auch enttäuscht und genervt. Wer ihm zuhört, weiß sofort: Man würde genauso fühlen. Immer wieder hat man ihn in seinem Hofladen in Ottingen bestohlen – manche sprechen von einer Serie. Immerhin ist mittlerweile ermittelt, wer den Diebstahl im großen Stil begangen hat: mehrere Jugendliche haben mehrfach Eier mitgehen lassen.

Alles begann in einer Nacht Ende Januar. „Uns wurden 30 Eier im Laden geklaut, auch wurde mit den Eiern herumgeschmissen. Es war einiges echt versaut“, berichtet der Landwirt, der mit seiner Familie den Hof Grünhagen in der sechsten Generation bewirtschaftet. Schon länger hat er Videokameras vor und auch in dem kleinen, 24 Stunden geöffneten Verkaufsraum seines Hofs installiert. „Die Täter waren auf den Aufnahmen zu erkennen, aber wir kannten die nicht“, führt er aus. Diesen ersten Vorfall hatte er nicht bei der Polizei gemeldet. „Wir haben uns geärgert, ja. Aber wir haben auch gedacht, das ist ein Dummer-Jungen-Streich. Schwamm drüber.“

Auch Sabine Hoppe, bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen für die Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte zuständig, kennt das Thema Diebstahl im Zusammenhang mit Hofläden. „Wir sprechen das auch bei der Beratung der Höfe aktiv an, denn es gibt inzwischen einiges, was man im Vorfeld überlegen kann“, erklärt sie mit Blick auf Videoaufzeichnungen und ähnliches. Allerdings sei es ganz schwer festzumachen, wann welche Maßnahme was genau bewirke. „Wir haben Höfe, die ohne jede Art von Absicherung dennoch nie Probleme haben und eben auch andere Fälle.“ Hinzu käme, dass die Höfe unterschiedliche Formen von Hofläden betreiben und je nachdem auch die Absicherung eben sehr unterschiedlich sei.

Cord Grünhagen steht mit einer Eierpalette in seinem Laden
Die Diebstahlserie hat Cord Grünhagen maßlos geärgert. © Tausendfreund

Mitte März kam es in Ottingen dann zu einem zweiten Vorfall. Es waren drei junge Männer, die in den Laden marschierten, dieses Mal waren sie vermummt. „150 Eier haben sie im ersten Anlauf mitgenommen“, schildert der Landwirt, der das Treiben auf der Kamera nachvollziehen konnte. Nach 30 Minuten sei die Gruppe zurückgekommen und hätte noch einmal 100 Eier und zwei Sack Kartoffeln mitgenommen. Dieses Mal ist Grünhagen zur Polizei gegangen. „Es kamen schnell Anrufe von verschiedenen Leuten, die uns berichteten, man habe unsere Eierpappen im ganzen Stadtgebiet gefunden“, so Grünhagen weiter. Daraufhin hat er via Whatsapp-Status alle aufgefordert, Hinweise zu schicken. Die Resonanz war überraschend groß, das Ergebnis aber umso erschütternder: Parkende Autos in einigen Straßenzügen in Visselhövede waren beschädigt worden, auch Geschäftseingänge und Häuserwände waren mit Eiern verschmiert worden. Bis Schwitschen waren die Täter unterwegs gewesen.

Doch noch sollte es nicht genug sein: Anfang April kamen erneut zwei Personen in den Laden, wieder waren sie vermummt. Die dort festgemachte Kasse wurde geklaut, die Scheibe vom Selbstbedienungsautomaten zertrümmert, weitere Schäden wurden angerichtet. Erneut rief Grünhagen die Polizei. „Da wurde dann eine komplette Spurensicherung durchgeführt“, schildert er den Ernst der Angelegenheit.

Die Sache ließ dem Landwirt keine Ruhe. Mit der Familie schaute er sich die Aufnahmen immer wieder an. „Wir haben irgendwann realisiert, dass die Täter bei allen drei Aktionen immer dieselben Kleider anhatten“, so Grünhagen. Von allen Seiten hatte es weitere Hinweise gegeben. Durch die Aufnahmen gelang es der Familie auch, die Altersklasse der Diebe einzuschätzen. Nach und nach verdichtete sich das Bild: Dem Landwirt wurde klar, wer die Übeltäter sind.

Ebenso klar wurde ihm, dass er die Eltern der jugendlichen Täter kennt. „Wir sind alle ein Jahrgang“ – Grünhagen sagt das mit einem Kopfschütteln und betont, dass er den Eltern keinen Vorwurf macht. Anschließend telefonierte er mit allen und schnell war klar, dass man sich treffen müsse. „Alle waren hier, die Eltern und die Jugendlichen“, berichtet er. Alle Namen wurden der Polizei benannt, alle wurden angezeigt. „Bei der Polizeiinspektion Rotenburg ist das Phänomen ebenfalls bekannt: „So etwas kommt immer mal vor“, bestätigt eine Sprecherin. Wenn es dazu komme, dass man Täter identifizieren könne, hänge die Schwere der Tat auch von der vor Ort vorhandenen Absicherung ab, ergänzt sie einen weiteren Aspekt – im Einzelfall wird jedoch immer individuell geprüft, welche Straftat genau vorliegt.

Der neun Quadratmeter kleine Hofladen hat einige Stammkunden in der Umgebung.
Der neun Quadratmeter kleine Hofladen hat einige Stammkunden in der Umgebung. © Tausendfreund

„Wir sind uns einig, dass die Jugendlichen sich entschuldigen müssen“, betont Grünhagen. Daher wolle man jetzt eine Liste mit den Namen aller Betroffenen zusammenstellen. Die Jugendlichen sollen sich in aller Form entschuldigen, so wurde es verabredet. „Wir hoffen, dass jetzt Ruhe ist. Wir wollen, dass die Täter Verantwortung übernehmen“, so seine Hoffnung. „In dieser Zeit bin ich schon ganz nervös geworden. Manchmal bin ich nachts aufgewacht und schnell die Straße runter, um nach dem Laden zu sehen.“ Die ganze Sache sei absolut kein Spaß: „Auch, dass die sich einfach so an der Masse an Lebensmitteln vergreifen, das hat mich maßlos geärgert.“

Er wolle mit seiner Familie das Angebot vor Ort, vor allem auch mit qualitativ guter Ware, weiter aufrechterhalten. „Viele nutzen das unheimlich gerne und wir machen das auch gerne“, betont er. Allerdings sei auch eine Sieben-Tage-Woche damit verbunden, eben viel Arbeit.

Ganz unabhängig von dem geschilderten Fall komme es immer mal vor, dass die Kasse nicht ganz stimme oder Ware fehlt. „Sowas ist auch ärgerlich, aber dieses Mal hat uns die ganze Sache wirklich enorm beschäftigt. Wir wollten, dass es aufhört, auch weil wir nicht wussten, wie weit die noch gehen werden“, sagt Grünhagen.

Indes bittet er alle Nachbarn, die von den Schmierereien mit den Eiern betroffen waren, sich bei ihm unter der Rufnummer 04262 /  957926 oder mobil unter 0152/ 01673523 zu melden.

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