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Botheler starten zur Rallye rund um die Ostsee

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Von: Jens Wieters

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Dirk Precht (oben) und Max Bieber freuen sich auf ein großes Abenteuer, das sie am Steuer des Nissan und in dem Aufbau mit Hotelcharakter erleben werden.
Dirk Precht (oben) und Max Bieber freuen sich auf ein großes Abenteuer, das sie am Steuer des Nissan und in dem Aufbau mit Hotelcharakter erleben werden. © Wieters

Mit einem Nissan Navara samt Wohnkabine starten Dirk Precht und Max Bieber zur Baltic Sea Circle. Drei weitere Rallye-Teams aus der Samtgemeinde Bothel sind ebenfalls dabei.

Hemsbünde – Eines ist sicher: Wenn der Eisbär am Nordkap zu aufdringlich wird, weil er es auf die Königsberger Klopse der beiden Abenteurer abgesehen hat, dann klettern Max Bieber (38) aus Hemsbünde und Dirk Precht (52) aus Bothel lieber ganz schnell in den Aufbau ihres Nissan Navara. Denn der ist 16 Tage lang ihr neues Zuhause, weil die beiden ab dem 19. Februar an der spektakulären Rallye Baltic Sea Circle teilnehmen.

Die Rundreise um die Ostsee inklusive Abstecher ans Nordkap führt rund 200 Teams, darunter auch Sebastian Viol und André Karstens aus Bothel, Burkhard Bolte und Nils Worthmann aus Hemslingen sowie die Familie Rosseau aus Westerwalsede durch neun Länder. Start ist natürlich in Deutschland. Dann geht es über Dänemark und Schweden nach Norwegen und rechts ab nach Finnland. Später gen Südwesten über Estland, Lettland, Litauen und Polen wieder nach Hause. „Eigentlich war auch Russland noch mit dabei auf der Tour, aber wegen Corona und den aktuellen politischen Spannungen wurde das gestrichen“, berichtet Dirk Precht.

„Es gibt zwei Varianten der Rallye: eine im Sommer und eine im Winter. Wir haben uns für den Winter entscheiden, weil Sommer kann ja jeder“, so der Chef des Botheler Kinderheims Wildfang, der auf „knackige 30 Grad minus“ hofft. Dann werden die beiden aber sicherlich die Vorzüge des Campers nutzen und in die warmen Schlafsäcke aus der Mongolei krabbeln.

Obwohl sie das eigentlich gar nicht bräuchten, denn der Aufbau des Nissan-Pick-ups hat schon Hotelzimmercharakter mit Blümchentapete: Ein Bett für zwei mit Schnarchwand dazwischen, eine Toilette samt Dusche, Kühlschrank plus Herd und eine Dieselheizung. Die Tapete ist übrigens ein Test eines Zulieferers. Der lässt von Precht und Bieber checken, ob die echten Blumen und das Gras die Tour mitmachen und damit serienreif sind.

Alles da, was zum Überleben im hohen Norden nötig ist: Bieber und Precht haben sogar eine Schnarchwand.
Alles da, was zum Überleben im hohen Norden nötig ist: Bieber und Precht haben sogar eine Schnarchwand. © -

Die Ausstattung des Rallyeautos ist aber auch kein Wunder, denn Max Bieber, Chef des Unternehmens Bieber-Tec aus Hemsbünde, vertreibt europaweit individuelle Aus- und Aufbauten für Fahrzeuge aller Art. „Und dazu gehört auch die leichte und kompakte Pickup-Wohnkabine, die wir auf dem Nissan von Dirk Precht montieren. Der ist etwas neuer als mein Auto“, erläutert Bieber, für den es ebenso wie für Precht zwar die erste Rallye dieser Art ist, aber Abenteuer auf Rädern haben die beiden schon gemeinsam während ausgedehnter Motorradtouren in Osteuropa erfolgreich gemeistert.

Der Baltic Sea Circle ist laut Veranstalter SAC ein „echtes Abenteuer“ und keine geführte Tour. Bei der Routenwahl sind alle Teilnehmer auf sich allein gestellt. „Beim Start in Hamburg bekommen wir ein Roadbook, das uns dann lediglich die nächsten Treffpunkte mitteilt. Wie wir dahin kommen, bleibt uns überlassen. Navigationsgeräte und Autobahnen sind nicht erlaubt. Es ist zum Beispiel klar vorgegeben, dass die erste Übernachtung in Schweden sein muss“, erläutert Bieber.

Gemeinsam mit den anderen Teams aus der Samtgemeinde Bothel wollen Precht und Bieber an ausgewählten Standorten, „wo es so richtig schön ist“, eine Wagenburg zusammenstellen, um gemeinsam das Nordlicht-Spektakel in den klirrend-kalten Winternächten am Himmel zu genießen. „Natürlich beim Grillen und einem Bierchen“, so Precht schmunzelnd. Der weiß natürlich, dass der Gerstensaft in den nordischen Ländern richtig teuer ist, „darum haben wir für jeden zwei Dosen pro Tag eingeplant.“

Diese nach Heu und Blumen duftende Tapete wird ins Auto eingebaut, um Serienreife zu ermitteln.
Diese nach Heu und Blumen duftende Tapete wird ins Auto eingebaut, um Serienreife zu ermitteln. © -

Vor Pannen oder einem Crash mit Elch und Co. haben die beiden Abenteurer keine Angst. „Wir stehen mit allen Teams ständig in Verbindung. Es ist Pflicht, dass die Rallye stoppt, wenn ein Teilnehmer irgendwo liegen geblieben ist“, beschreibt Max Bieber die ab und an doch strengen Vorgaben. Der hat sich im hohen Norden außerdem mit einem Kumpel zum Grillen verabredet, der mit zwei weiteren Freunden aktuell mit Motorrädern in Finnland unterwegs ist.

Für die Verpflegung des Teams „Bieber aus Wildfang“ sorgt übrigens die Mutter des Tischlers. „Wir haben uns eine Dosenmaschine angeschafft, die zurzeit fast rund um die Uhr läuft, damit die vorgekochten Königsberger Klopse, Rouladen und andere Hausmannskost gut und haltbar verpackt werden.“

Die Teams müssen in den 16 Tagen aber nicht nur die 7 500 Kilometer unter ihre Winterreifen nehmen, sondern auch einige lustige Aufgaben lösen, um Punkte zu sammeln, die am Ende in die Gesamtwertung einfließen. „Bei der vergangenen Tour war zum Beispiel eine Aufgabe, eine Ziege hinters Lenkrad zu setzen. So mussten die Piloten beim Bauern ein Tier leihen und ein entsprechendes Foto schießen“, ist Dirk Precht schon gespannt, was auf die beiden zukommt.

Während der Rallye, die übrigens 1 100 Euro Gebühr kostet, müssen Precht und Bieber auch mindestens 700 Euro an Spenden sammeln, die sie einem gemeinnützigen Zweck spenden. „Wir haben dabei den Männergesangverein Bothel im Auge, dessen Mitglieder mit uns noch schnell ein paar finnische Lieder einüben.“

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