Corona wirbelt den Visselhöveder Rathaus-Alltag durcheinander

Ordnungsamt im Dauerstress

Visselhövedes Ordnungsamtsleiter Mathias Haase hat bereits einen dicken Corona-Ordner angelegt.
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Visselhövedes Ordnungsamtsleiter Mathias Haase hat bereits einen dicken Corona-Ordner angelegt.

Visselhövede – Jeden Morgen um sechs schnappt sich Mathias Haase seine Tasse Kaffee, geht ins Wohnzimmer, schaltet den Fernseher ein und guckt die aktuellen Nachrichten. Schließlich muss der Visselhöveder Ordnungsamtsleiter wissen, wie die Corona-Lage ist, insbesondere was sich in den vergangenen 24 Stunden in Niedersachsen getan hat. „Denn ich muss unseren Bürgern häufig Rede und Antwort stehen“, sagt der Nindorfer, der dann flugs ins Rathaus eilt, um seinen Corona-Ordner nach möglichen überholten Verordnungen durchforstet und gegebenenfalls einige DIN-A4-Blätter ergänzt.

Schon nach wenigen Minuten klingelt das Telefon und ein Gastwirt will wissen, ob er die Feier eines runden Geburtstags annehmen soll und wie die Veranstaltung mit 48 Leuten vonstattengehen darf. „Täglich sind es rund 20 ähnliche Anrufe“, sagt Haase, der dann immer geduldig berät, und die Anrufer sogar in ihren Gaststätten besucht, sich das Hygienekonzept zeigen lässt und hier und da auf Änderungen der Landesverordnung hinweist – den dicken Aktenordner immer unter dem Arm. „Darüber sind alle richtig dankbar.“

Heute will Haase aber nicht lange am Schreibtisch sitzen, sondern gemeinsam mit seinem Kollegen Jonas Hermonies einen Rundgang durch die Stadt machen, ob sich auch alle Leute an die Vorgaben halten. „Ich bin echt positiv überrascht“, freut sich Haase gut zweieinhalb Stunden später.

Auf dem Wochenmarkt hätten sowohl die Kunden als auch die Händler die dort verpflichtenden Masken getragen. „Vor ein paar Wochen gab es immer mal den einen oder anderen, der sich darum drücken wollte. Das ist jetzt anders.“

Auch der eine Händler, den Haase gemeinsam mit der Polizei schon mehrfach maskenlos beim Kundenkontakt ertappt hatte und der jetzt einen im Portemonnaie spürbaren Bußgeldbescheid vom Landkreis bekommt, geht an diesem Markttag ordnungsgemäß mit Mund-Nasen-Schutz seinen Geschäften nach. „Und auch in den beiden Spielhallen, in den Supermärkten und im Fitness-studio war während unseres Rundgangs nichts zu bemängeln.“

Vielleicht liege es ein wenig an der Disziplin der Bevölkerung, dass Corona bis auf ganz wenige Fälle bisher um Visselhövede einen Bogen gemacht hat. „Aber das ist die eine Seite, auf der anderen gehört auch eine große Portion Glück dazu, dass sich bei uns kein Cluster wie zum Beispiel in Gnarrenburg gebildet hat“, sagt der Ordnungsamtsleiter und klopft dreimal auf das Holz seines Schreibtischs.

Überhaupt seien eher die privaten Feiern das Problem. „In den Gaststätten wissen die Inhaber wie Hygiene und Abstand funktioniert, das kann mit Sicherheit kein privater Gastgeber leisten.“ Zumal die auch nicht vergessen dürften, dass eine private Party, die über die erlaubten Grenzen hinaus veranstaltet wird, ebenso wie Feiern in Gaststätten auch zivilrechtliche Folgen haben könnte: „Wenn sich jemand infiziert und Langzeitschäden davonträgt, kann der Gastgeber oder der Wirt belangt werden, wenn er eben nicht die Verordnungen eingehalten hat. Das vergessen sicherlich viele, wenn sie Zuhause feiern.“

Denn dort sei es aktuell nun mal so, dass in geschlossenen privaten Räumen 25 Personen aus verschieden Haushalten zusammen sein dürfen. „Das klingt erst mal viel, aber 25 auch nur, wenn die verschiedenen Haushalte jeweils einen Mindestabstand von 1,5 Meter halten können. Das passt in meinem Wohnzimmer nicht, und ich glaube, dass es bei vielen anderen ebenfalls nicht möglich ist.“

Ganz findige Zeitgenossen hätten nach einer Party im Festzelt gefragt, denn das sei ja schließlich draußen. „Aber ein Zelt wird wie ein geschlossener Raum behandelt.“

Unter wirklich freiem Himmel sehe die aktuelle Landesverordnung eine Ansammlung von maximal 50 Mensch als zulässig an, aber auch dann mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern. Sonst gilt wie immer ohne ausreichenden Abstand: „Maske auf!“, stellt Haase unmissverständlich klar. Für Gaststätten und Restaurants gelte eine Grenze bei Feiern von aktuell 100 Personen, die sich aber ebenfalls an die Haushalts- und Abstandsregeln halten müssten. „Bei bereits mehr als 50 Personen bei solch einer Feier dürfen nach 18 Uhr weder Schnaps noch ähnliche Spirituosen ausgeschenkt werden und nach 22 Uhr gibt es auch kein Bier oder Wein mehr.“

Überhaupt sei die Maskenpflicht beim Besuch von Gaststätten und Co. verschärft worden: „Jetzt müssen nicht nur die Kellner Maske tragen, sondern auch die Gäste wenn sie kommen und gehen oder auf die Toilette müssen. Nur direkt am Tisch dürfen sie sie ablegen.“ Die Maskenpflicht gelte übrigens auch für die Bushaltestellen. „Denn nicht nur während der Fahrt müssen zum Beispiel Schulkinder maskiert sein, sondern auch wenn sie auf den Bus warten“, appelliert Haase eindringlich an Eltern, ihre Kinder darauf hinzuweisen.

Bei all diesen Vorgaben und Verordnungen müsse aber immer die 35/50-Regel im Blick behalten werden. „Denn der Landkreis kann für bestimmte Region des Kreisgebiets Allgemeinverfügungen erlassen, wenn sich die Zahl der Infizierten innerhalb von sieben Tagen auf 35 beziehungsweise 50 pro 100 000 Einwohner erhöht hat.“ In diesem Zusammenhang erwähnt Haase auch, dass die Kreisbehörde in der bald anstehenden Adventszeit zuständig sei für die Genehmigung von Weihnachts- und Kunsthandwerkermärkten. „Und das immer nur unter Vorbehalt.“

Aber jetzt klingelt wieder das Telefon. Ein Verein will wissen, was er wie in der großen Sporthalle Auf der Loge nach dem Training zu desinfizieren hat. Also muss Haase Auskunft geben – wieder einmal. Nur nach Feierabend gibt es eine kleine Pause zum Abschalten. Bis morgen um sechs mit einem Kaffee vor dem Fernseher.  jw

Maskenpflicht und Abstände werden jetzt häufiger kontrolliert und strenger geahndet.

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