83-jährige Hiddingerin Anni Rosebrock wird auf Instagram zu „Oma Anni“

Plötzlich „Plattfluencerin“

„Traumschiff-Doktor“ Nick Wilder (l.), Anni Rosebrock und Moderator Yared Dibaba.
+
„Traumschiff-Doktor“ Nick Wilder (l.), Anni Rosebrock und Moderator Yared Dibaba.

Hiddingen – „Och, datt lass wo’ mal lieber sein“ – das wäre wohl die zu erwartende Antwort, wenn man die eigene Großmutter fragt, ob sie denn mal Lust hätte, sich mit Facebook, Instagram oder ganz allgemein dem Internet zu beschäftigen. Die 83-jährige Hiddingerin Anni Rosebrock hat im vergangenen Winter jedoch eine andere Antwort auf genau diese Frage gegeben. Und das hatte Folgen, die bis nach Hollywood reichen.

Im Coronawinter 2020/2021 ging es der 83-Jährigen wie den meisten anderen Menschen auch: Keine Treffen mehr mit Freunden, keine Vereinsaktivität und Einkaufen nur noch, wenn es absolut nötig war – Corona-Lockdown eben. „Das Einschränken der Kontakte war zwar notwendig, so richtig schön war das aber nicht“, sagt sie. Während sich die jüngeren Leute noch mit Internetdiensten wie Zoom behelfen konnten, um weiterhin Familie und Freunde zu sehen, war es für Ältere eben oft nicht so einfach.

Genau deswegen hat sich Jessica Hermonies (29) Anfang Januar eine kleine Überraschung für ihre Oma Anni überlegt. Sie sollte, wenn auch nur digital, ihren Lieblingsmoderator treffen: Yared Dibaba. Der 52-jährige Moderator und Entertainer moderiert im NDR-Fernsehen unter anderem die Sendung „Mein Nachmittag“. Was die beiden verbindet: Beide sind leidenschaftliche Plattschnacker. 2017 hatten sie sich schon einmal kurz bei der „Sport und Schau“ in Verden kennengelernt, auch für einen Geburtstagsgruß als Videonachricht war sich der Fernsehmoderator anschließend nicht zu schade.

Also hat Hermonies kurzerhand Dibaba und ihre Oma über die Internetplattform Instagram zusammengeschaltet. Was folgte, war ein langes Gespräch – natürlich auf Plattdeutsch.

„Ick hebt dat gor nich glövt, dat he so gaud platt schnacken kann“, stellte die 83-Jährige begeistert fest. Hochdeutsch spreche sie zwar, das Plattdeutsche sei ihr aber doch irgendwie lieber, sagt sie. Dass das Gespräch im Rahmen von Dibabas wöchentlichem Insta-gramformat „Platter Freedag“ wie eine Livesendung ausgelegt war, an der auch zahlreiche Zuschauer teilnahmen, machte Rosebrock derweil überhaupt nichts aus. Aufregung? Fehlanzeige!

Ick hebt dat gor nich glövt, dat he so gaud platt schnacken kann.

Oma Anni

Für Dibaba war hingegen sofort klar: „Die Anni, die ist so sympathisch, die muss jetzt immer dabei sein.“ Auch weil die Zuschauer des Livestreams im Kommentarfeld immer wieder bekräftigten, wie cool „Oma Anni“ doch sei. Ein passender Name war also schnell gefunden.

Für „Oma Anni“ steht seitdem jede Woche „der platte Freedag“ dick markiert im Kalender. Auch einen eigenen Instagramaccount hat die 83-Jährige mittlerweile. Verwaltet wird der von ihrer Enkelin Jessica, die auch jede Woche tatkräftig mithilft, wenn ihre Oma wieder mit Dibaba und zahlreichen anderen plattdeutschen Influencern, die sich selbst augenzwinkernd „Plattfluencer“ nennen, zu einem geselligen Livegespräch trifft.

Dass aber nur wenige Wochen später dann sogar mit Nick Wilder (68) ein waschechter Hollywood-Star bei ihr im Wohnzimmer sitzen würde, das hätte sich die 83-Jährige nicht träumen lassen.

Der auf Fehmarn geborene Schauspieler, vielen noch aus seiner Rolle als Dr. Sander vom ZDF-Traumschiff bekannt, ist selbst regelmäßiger Gast des Platten Freedags, leidenschaftlicher Plattschnacker und von Oma Anni ebenfalls hellauf begeistert.

Als Wilder im April zu Besuch bei seiner Familie auf Fehmarn war, machte der Schauspieler auch einen kurzen Abstecher zu Oma Anni in Hiddingen. Gemeinsam überraschten die beiden pünktlich um 19 Uhr im Livestream Yared Dibaba, der nicht glauben konnte, wer da plötzlich auf Oma Annis Couch saß. Hungern musste Wilder natürlich auch nicht, es gab frische Schnittchen – plattdeutsches Catering eben.

„Oma Anni“ aus Hiddingen und Moderator Yared Dibaba sind jetzt gute Freunde.

Für die anschließende Vorstellung seiner Autobiografie „Hallo, Herr Kaiser! – Das Leben ist wilder, als man denkt“ lud Wilder Oma Anni und ihre Enkelin kurzerhand nach Fehmarn ein. Dort machte die Hiddingerin dann auch ihre erste Autogramm-Erfahrung. „Vor dem Veranstaltungsort fragte so ein kleiner Junge nach einem Autogramm von Yared. Ich stand dann erst mal daneben, bis der plötzlich auch eins von mir haben wollte“, erzählt die 83-Jährige ein wenig verlegen.

Autogramme geben, das sei irgendwie nicht so ihr Ding, sagt sie. Allgemein könne sie mit dem plötzlichen Interesse an ihrer Person nicht so viel anfangen. Sie mache es ja nicht, um bekannt zu werden oder damit Geld zu verdienen, sondern um ein wenig Beschäftigung zu haben und mit netten Menschen Plattdeutsch sprechen zu können, erzählt sie. Und das solle auch erst einmal noch so weitergehen. An Aufhören denke sie genau so wenig wie Dibaba, der sie inzwischen nur noch „De Baas“ („Der Boss“) nennt.

Warum es auch nach Corona weitergehen solle? „Weil man damit so viele junge Leute erreicht, die sich dann plötzlich auch für die plattdeutsche Sprache interessieren“, sagt sie stolz. Deswegen werde sie sich weiterhin jeden Freitag um 19 Uhr gemeinsam mit ihrer Enkelin Jessica, Yared Dibaba und allen, die sonst noch Lust auf einen kleinen plattdeutschen Klönschnack haben, vor dem Bildschirm treffen. Corona mag uns so langsam verlassen, aber der Platte Freedag auf Instagram, der bleibt!

Von Bo Penzhorn

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Landkreis sucht Fachkraft für den Vertretungsstützpunkt

Landkreis sucht Fachkraft für den Vertretungsstützpunkt

Landkreis sucht Fachkraft für den Vertretungsstützpunkt
Leon Radermacher erlebte die Flut an der Ahr mit und ist in Nindorf zu Gast

Leon Radermacher erlebte die Flut an der Ahr mit und ist in Nindorf zu Gast

Leon Radermacher erlebte die Flut an der Ahr mit und ist in Nindorf zu Gast
Filmdreh mit Heimvorteil – übers Aufwachsen auf dem Land

Filmdreh mit Heimvorteil – übers Aufwachsen auf dem Land

Filmdreh mit Heimvorteil – übers Aufwachsen auf dem Land
Leipzig, München, Rotenburg

Leipzig, München, Rotenburg

Leipzig, München, Rotenburg

Kommentare