Supermarkt an der Worthstraße?

Visselhöveder Stadtbild vor Veränderungen

Das Gebäude, in dem der Kik-Textildiscounter an der Visselhöveder Goethestraße untergebracht ist
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Zurzeit gibt es in dem Gebäude zur Goethestraße hin oben Wohnungen und unten billige Textilien.

Visselhövede – Eigentlich sollte am Donnerstag der Visselhöveder Ausschuss für Finanzen und Wirtschaftsförderung über das von der Stadt in Auftrag gegebene Einzelhandelsgutachten der Gesellschaft für Konsum- und Absatzforschung (GMA) beraten. Das besagt, dass viele Visselhöveder ihr Geld in anderen Kommunen ausgeben, weil im Ort besonders im Bereich Lebensmittel die Qualität des Angebots nicht ausreicht.

Die GMA hatte festgestellt, dass Visselhövede im Discounter-Segment mit Aldi, Lidl und Netto übermäßig ausgestattet, während der Bereich der Vollsortimenter mit dem Combi eher unterrepräsentiert ist. „Darum fließt viel Kaufkraft der Visselhöveder in die Nachbargemeinden Neuenkirchen, Kirchlinteln oder Walsrode.“

Kurzfristig hat die GMA aber die Teilnahme für Donnerstag abgesagt, sodass über eine mögliche Ansiedlung eines weiteren Vollsortimenters wie Edeka, Rewe und Co. also mehr hinter verschlossenen Türen und eher digital beraten und verhandelt wird.

Zum Hintergrund: Im vergangenen September hatte der Ausschuss den zentralen Versorgungsbereich für Supermärkte festgelegt. Damit war zum Beispiel das Gelände ehemals Ford Höhns an der Rotenburger Straße hinten runtergefallen. In den vergangenen Wochen ist aber der westlichste Punkt des durch eine dicke rote Linie markierten Gebiets in den Blickpunkt gerückt.

Eigentümerfamilie hält sich zum Thema Worthstraße bedeckt

Dabei handelt es sich um das Areal rund um den Textil-Discounter Kik. Das Gebäude selbst und der Parkplatz, der von der Worthstraße aus zu erreichen ist, sowie die darauf stehenden Häuser inklusive der ehemaligen Molkerei sind im Besitz einer Familie, die dem Vernehmen nach bereits Gespräche zur Umgestaltung führt. Nach einer ersten Kontaktaufnahme durch unsere Zeitung war die Familie aber für die Redaktion nicht mehr zu erreichen. Aus dem Nordkreis war beim ersten Gespräch nur zu hören: „Wir möchten aktuell nichts zu diesem Thema sagen.“ Dabei sind in der Stadt bereits einige Gerüchte im Umlauf. „Der Kik wird abgerissen, das steht schon fest“, ist nur eines von vielen.

Gerd Karlstedt-Koch, Eigentümer der Immobilie des Haushaltswarengeschäfts Karlstedt und direkter Nachbar, bestätigt die Gespräche, die „auf vielen Ebenen geführt“ würden. Er selber habe dem Nachbarn gesagt, dass er bereit sei, „ein gutes Stück meines Grundstücks abzugeben, wenn es einer positiven Entwicklung Visselhövedes dient.“ Bereits 1995 habe es schon die Planungen gegeben, dort den Discounter Netto anzusiedeln, so Karlstedt-Koch, der noch Planskizzen und Detailzeichnungen aus dem schließlich verworfenen Vorhaben im Haus hat.

Von der Goethestraße aus gesehen links vom Kik steht das Haus, in dem ein Gynäkologe und ein Kosmetikstudio untergebracht sind. Ein Teil dieses Gebäudeensembles, das ebenso wie der verwilderte Garten dahinter einer Bremer Familie gehört, steht aber seit vielen Jahren leer.

Selbst ernannter Arbeitskreis Stadtmarketing zweifelt Gutachten an

Und aufgrund dieser Situation, die eine Ansiedlung von Edeka, Rewe und Co. offenbar nicht unmöglich macht, will der selbst ernannte Arbeitskreis Stadtentwicklung, zu dem Apotheker Matthias Gutermann, Ratsmitglied Eckhard Langanke (WIV), Immobilieneigentümer Jochen Orthmann, Bäcker Heiner Tamke und Architekt Ekkehard Tamm gehören, wissen, warum „die Projektfläche an der Worthstraße, die als Standort vorher allgemein nicht für die Planung vorgesehen war, in das zentrale Versorgungsgebiet neu aufgenommen worden ist.“

Die fünf Visselhöveder zweifeln außerdem das GMA-Gutachten an, das Visselhövede eine Kaufkraftkennziffer von 100,9 attestiert und damit über dem Bundesdurchschnitt und auch deutlich vor Soltau, Walsrode und Rotenburg liegt. „Andere Gutachten geben hier für Visselhövede deutlich niedrigere Werte an: 94,10 und 86,30 Prozent“, heißt es in dem Protokoll aus der Arbeitskreissitzung, das an den Gewerbeverein gesendet wurde und unserer Zeitung vorliegt. Darum müsse noch geprüft werden, wie die unterschiedlichen Beurteilungen zustande gekommen seien, heißt es weiter.

Der Kreis kritisiert aber noch weitere Aspekte der GMA-Analyse an: „Der Getränkemarkt Hol Ab wird am Standort Auf der Loge nicht erwähnt. Auch die Planung, dass der umzieht und sich am neuen Standort an der Süderstraße neben dem Netto-Markt vergrößert aufstellen möchte, bleiben unerwähnt.“

Der hintere Bereich wird aktuell als Parkplatz und für Kleingewerbe genutzt.

Bei der Kaufkraft gebe GMA den Umsatz nur in nackten Zahlen an. Berechnungsansätze für den Umsatz pro Quadratmeter oder ähnliche Angaben fehlten. Außerdem planten Netto, Aldi, Lidl und Combi Erweiterungen. „Wir sind daher davon überzeugt, dass die Kaufkraft für die Ansiedlung eines weiteren Vollsortimenters nicht ausreicht und auch der Einzelhandel durch das erweiterte Angebot besonders im Non-Food-Bereich deutliche Einbußen hinnehmen müsste“, steht in dem Papier. Die extreme Wettbewerbssituation würde dazu führen, dass sich mittelfristig einer der beiden Vollsortimenter zurückziehen müsste, „was wiederum zu Leerstand führt“.

Aus Sicht des Arbeitskreises sei es wichtig, dass die Bestandsobjekte erweitert würden und deren Betreiber modernste Ladenkonzepte mit barrierefreien Laufwegen umsetzten, um Kundenfrequenz nach Visselhövede zu holen und zu binden.

Der für eine Supermarktansiedlung ins Blickfeld geratene Bereich östlich der Worthstraße (l.) könnte auch eine Zuwegung zur Wiesenstraße (r.) bieten, wenn mit Grundstückseigentümern Einigkeit erzielt wird.

Bürgermeister Ralf Goebel weiß von den Grundstücksüberlegungen rund um den Kik, widerspricht aber Tamm und Co., was das zentrale Versorgungsgebiet angeht: „Auch der Bereich war von vornherein in der Karte verzeichnet und ist nicht neu hinzugekommen.“ Grundsätzlich müsse sich eine Stadtverwaltung mit der Thematik befassen, wenn ein Eigentümer derart großer Liegenschaften Veränderungen plane.

Der Bereich war von vornherein in der Karte verzeichnet und ist nicht neu hinzugekommen.

Bürgermeister Ralf Goebel

„Darum habe ich mich auch in die Gespräche mit den Nachbarn eingeschaltet, damit sie nicht aus allen Wolken fallen“, so Goebel. Dabei gehe es nicht nur um einen möglichen Supermarkt, sondern auch um den städtebaulichen Aspekt, um die optischen Bausünden der 70er-Jahre wie beim Kik-Haus zu heilen.

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