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Ökolandbau in der Ausbildung: KÖN kann bundesweit Erfolge anstoßen

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Von: Stefanie Glaschke

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Menschen stehen vor einer Schautafel.
Wie kann man Ökolandbau besser in der landwirtschaftlichen Ausbildung verankern? Dieser Frage ging das Ökolandbau Niedersachsen in Visselhövede nach. © Schachtschneider

Sechs Jahre lang hat das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) in Visselhövede daran gearbeitet, das Thema Ökolandbau tiefer in der landwirtschaftlichen Ausbildung zu verankern. Nach dem Projektende ziehen die Macher jetzt eine Bilanz.

Visselhövede – Als 2016 das Projekt „Ökolandbau in der Beruflichen Bildung“ (vollständiger Projektname: „Status-quo-Analyse und Erarbeitung von Handlungsoptionen zur stärkeren Integration des ökologischen Landbaus in die berufliche Bildung im Berufsbild Landwirt/-in, Gärtner/-in und Winzer/-in“) auf den Weg gebracht wurde, war weder Projektleiterin Jutta Beringer noch dem Mitarbeiter Jörg John klar, wie viel Arbeit auf sie zukommen würde.

Das Thema sollte mehr Raum in der landwirtschaftlichen Ausbildung einnehmen. In diesen Tagen am Projektende, nach sechs Jahren, können die beiden Experten vom Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) aus Visselhövede eine positive Bilanz ziehen.

Nicht nur die Auswertung von mehr als 200 Interviews, sondern auch von Lehrplänen aus der gesamten Bundesrepublik machten den Anfang. Um zu ermitteln, wie es um die Präsenz von Ökolandbau bei Azubis stand, mussten Daten gesammelt werden. Den Anstoß dafür gab bereits 1994 die Kultusministerkonferenz. Hier wurde die Empfehlung ausgesprochen, 80 Stunden darauf zu verwenden, Fachwissen bezüglich des ökologischen Landbaus zu vermitteln.

Es ist wichtig, dass die jungen Menschen nach ihrer Ausbildung selbstständige Entscheidungen über ihre Arbeit treffen können.
Es ist wichtig, dass die jungen Menschen nach ihrer Ausbildung selbstständige Entscheidungen über ihre Arbeit treffen können. © KÖN

Dabei war die Untersuchung, die unter der Leitung des KÖN durchgeführt wurde, keine Kontrolle. Wie John hervorhebt, sei eine Empfehlung keine bindende Weisung. Die Länder konnten selbst entscheiden, wie sie vorgehen wollten. Im Verlauf der vergangenen Jahre wurden die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern deutlich. Nicht jeder Lehrplan setzte die Empfehlung um. „Es fehlt den Ländern nicht an gutem Willen. Oft sind nicht ausreichend Fortbildungsangebote für die Lehrkräfte vorhanden“, benennt John einen der Gründe.

Auch aktuelles Unterrichtsmaterial soll kaum vorhanden sein. Unter diesen Bedingungen ist es schwierig, Ökolandbau in die Ausbildungen zu integrieren. „Es ist wichtig, dass die jungen Menschen nach ihrer Ausbildung selbstständige Entscheidungen über ihre Arbeit treffen können. Dafür brauchen sie Fachwissen im Ökolandbau.“

Das Projekt entstand aus einer Initiative in Niedersachsen. Hier fanden von 2013 bis 2018 sogenannte Dialogforen statt. Experten aus allen betroffenen Bereichen trafen sich regelmäßig, um die Frage zu diskutieren, wie ökologischer Landbau zum Gegenstand der Ausbildungen in landwirtschaftlichen Berufen gemacht werden konnte. Eine besondere Schwierigkeit liegt in der großen Zahl der Beteiligten. Nicht nur das Kultusministerium, sondern auch das Landwirtschaftsministerium, Bauernverbände und die Landwirtschaftskammern sind an der Umsetzung beteiligt. Die Erfahrungen aus Niedersachsen wurden vom KÖN in alle anderen Bundesländer getragen.

Mit Johns Unterstützung, Moderation und Beratung konnten zahlreiche Dialogforen in den anderen Ländern durchgeführt werden. Auch zwei Fachtagungen zur beruflichen Bildung über Ökolandbau mit mehr als 100 Teilnehmern fanden unter der KÖN-Moderation aus Visselhövede statt.

Rückblickend ist John zufrieden. „Wir konnten Impulse setzen. Unsere Beratungen und unsere Unterstützung haben in vielen Fällen für eine Verbesserung der Situation gesorgt.“ Aktuell hat Sachsen von den 80 empfohlenen Unterrichtsstunden zumindest 72 Stunden Ökolandwirtschaft in seine Lehrpläne aufgenommen. Einige Länder haben das Thema in die Prüfungen aufgenommen, andere noch nicht. In Niedersachsen machen Aufgaben zum ökologischen Landbau zehn Prozent der Prüfungen aus.

Für die Zukunft ist John optimistisch. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die Arbeit nicht abgeschlossen sei. Es brauche viele weitere Akteure mit einem langen Atem, die den Austausch ebenso fördern wie die Zusammenarbeit unter den Ländern. Das betrifft zum Beispiel die Gestaltung von Prüfungsfragen und die Erstellung von Unterrichtsmaterialien.

Es gibt ein bundesweites Netz von Experten und Entscheidern, die auch in Zukunft daran arbeiten, die Empfehlung von 1994 zu realisieren. Hierzu gehört auch, dass die vorhandenen Angebote wie etwa Demobetriebe und Exkursionskarten immer wieder sichtbar gemacht werden. Klar ist, dass bisher noch große Lücken bestehen, wenn Auszubildende im Bereich der ökologischen Landwirtschaft ausreichende Fachkenntnisse erwerben wollen. Ebenso klar ist aber auch, dass das Problem durch das Engagement des KÖN deutlich gemacht wurde und an Lösungen gearbeitet wird.

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