Notunterkunft Visselhövede: Das DRK braucht weitere freiwillige Helfer und Spenden

Der Karton mit Größe S ist leer

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Christina Wachtmann (l.) und ihre Eltern Irene und Thomas Wachtmann helfen ehrenamtlich in der Notunterkunft in Visselhövede. Sie brauchen allerdings noch Mitstreiter.

Visselhövede - Von Inken Quebe. Seit Mitte Oktober bietet die Kaserne Lehnsheide in Visselhövede vielen Flüchtlingen vorübergehend eine Unterkunft. Es gibt eine Kleiderausgabe, Kinderbetreuung und Sprachkurse. Dass alles so reibungslos läuft, ist auch den Ehrenamtlichen zu verdanken. Doch der Schwung der ersten Tage, als sich viele Freiwillige dort eingefunden hatten, ist verpufft. Der DRK-Kreisverband Bremervörde, Betreiber der Notunterkunft, sucht weitere Helfer.

Als Thomas Wachtmann in der Zeitung den Aufruf nach freiwilligen Helfern für die Kleiderausgabe der Notunterkunft gelesen hat, hat er nicht gezögert. Der Nindorfer wollte mit anpacken und fuhr sonntags dorthin. Noch am gleichen Tag rief er seine Frau Irene dazu, und auch Tochter Christina stieg kurze Zeit später mit ein. „Es ist einfach schön, mit den Menschen in Kontakt zu kommen“, berichtet Irene Wachtmann. „Eigentlich immer, wenn wir Freizeit haben, kommen wir her.“ Bei Irene Wachtmann sind das zwei oder drei Mal pro Woche. Die Familie erzählt von der großen Dankbarkeit, die die Bewohner ihnen entgegenbringen. Dabei gibt es jede Menge zu tun. Allein in der Kleiderkammer haben bis jetzt etwa 170 Personen 2100 Arbeitsstunden geleistet.

Die Spenden kommen meist in Säcken und Pappkartons an der Rampe der Ausgabestelle an. Von da aus bringt sie ein Helfer mit dem Lastenaufzug nach oben. In einem Raum sammeln die Helfer die Spenden und sortieren sie später. Es kommt nicht nur Kleidung an. Die Menschen spenden auch Spielzeug, Küchenutensilien oder andere nützliche Artikel. „Die Qualität der Waren ist überragend“, sagt Lars Neugebauer, Leiter der Einrichtung. „Manches hat sogar noch ein Etikett“, so Irene Wachtmann.

In dem Sortierraum stapeln sich die Spenden teilweise mannshoch. Immer wenn die Ausgabestelle geschlossen ist, sortieren die Helfer die Spenden. Alles, was noch zu gebrauchen ist, wird anderen Kisten zugeordnet: Hosen, Pullover, Jacken nach Geschlecht und Größe sortiert.

Der Karton mit der Aufschrift „Herren Jeans S, klein“ ist allerdings leer. Das DRK braucht nicht nur Helfer, sondern auch Herrenkleidung und -schuhe in kleinen Größen, erklärt Valesca Reiber. Sie ist Ansprechpartnerin für die Ehrenamtlichen und für deren Koordination zuständig. Sie berichtet, dass zum Beispiel auch Koffer, Taschen, Kinderwagen, Kleidung für Kinder in den Größen 104 und 110 gebraucht werden.

Was sortiert ist, kommt in den Raum auf der gegenüberliegenden Seite. „Außer das, was unten benötigt wird, zum Beispiel die kleinen Herrengrößen“, erklärt Thomas Wachtmann. Diese Dinge werden mit dem Lastzug direkt in den Keller gebracht. Dort gibt es einen weiteren Lagerraum mit einigen Regalen, mit Kleidung, die vielleicht bald benötigt wird. Auch dort ein ähnliches Bild: Die Stelle, an der eigentlich Herrenpullover in Größe S liegen müssten, ist leer.

Es gibt vier Ausgaberäume, jeweils einen für Damen, Herren, Kinder und einen, in dem es Hygieneartikel gibt. In jeden Raum dürfen zu den Öffnungszeiten nur kleine Gruppen betreten, sonst würde ein zu großes Durcheinander entstehen. „Wir suchen dann etwas in der passenden Größe heraus“, so Thomas Wachtmann weiter.

Alle drei haben in der Kleiderausgabe angefangen. Christina Wachtmann, die im vergangenen Jahr ihr Abitur gemacht hat und studieren möchte, gibt inzwischen auch Deutschunterricht – zehn Kurse bietet das DRK dank der 15 freiwilligen Helfer an. Dadurch besuchen 200 von 370 Bewohnern einmal pro Woche Sprachunterricht. „Wir würden aber gerne noch mehr anbieten“, berichtet Valesca Reiber. Es sei nicht einmal eine bestimmte Qualifikation nötig. „Der Spaß daran ist das Wichtigste“, sagt Neugebauer. Es haben sich aber schon einige pensionierte Lehrer gefunden. Diese leiten den Unterricht, während zwei andere Freiwillige die Flüchtlinge einzeln unterstützen.

Irene Wachtmann hilft inzwischen auch bei der Kinderbetreuung mit. Es gibt eine Gruppe am Vormittag für die Drei- bis Sechsjährigen und eine am Nachmittag für Kinder ab sieben. Zwei ausgebildete Erzieherinnen sind immer vor Ort, ihnen stehen Ehrenamtliche wie Irene Wachtmann zur Seite.

„Wer dort einmal mitgeholfen hat, kommt immer wieder“, berichtet Valesca Reiber. Und das ist verständlich: Bei unserem Besuch kommen einige Kinder ohne Scheu und umarmen die Gäste, ob bekanntes oder unbekanntes Gesicht. Von allen Seiten ist ein freundliches „Hallo“ zu hören. „Die Kinder lernen die Sprache schnell, sind sehr aufnahmefähig“, sagt Lars Neugebauer. Diese Erfahrung hat auch Irene Wachtmann gemacht. „Wir bringen ihnen spielerisch die Grundlagen der Sprache bei.“ Wichtig ist Valesca Reiber, dass die Helfer verlässlich sind, „damit die Kinder nicht jeden Tag ein neues Gesicht kennenlernen“. Deshalb ist es möglich, sich mit Freunden gemeinsam für einen Dienst zu melden.

Von der großen Bereitschaft, zu helfen, ist Lars Neugebauer begeistert: „Ohne das Ehrenamt wäre das alles hier nicht möglich.“ Momentan seien 50 bis 60 Helfer regelmäßig im Einsatz. Das DRK Bremervörde beschäftigt insgesamt 25 Mitarbeiter, hinzukommt Personal des Wachdienstes und vom Caterer.

Er und Valesca Reiber hoffen, dass sich weitere Freiwillige finden. Denn ab dem kommenden Jahr soll es sogar einen Kursplan mit Sportangeboten geben – entstanden aus der Kooperation zwischen den örtlichen Vereinen und dem DRK. Die Mannschaften kommen dann für ihre Trainingseinheit in die Notunterkunft, sodass die Flüchtlinge daran teilnehmen können. Ein Angebot gibt es sogar schon. Der Verein Freilauf Visselhövede geht jeden Samstag gemeinsam mit den Flüchtlingen laufen – initiiert von Christina, Irene und Thomas Wachtmann.

Wer in der Notunterkunft mithelfen möchte, kann sich per E-Mail an ehrenamt@drk-visselhoevede.de melden.

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