Wolfgang und Traute Dreier aus Schwitschen leben für den Rock ‘n’ Roll

Nimmermüde Tänzer

Sie leben für den Rock ‘n’ Roll: Traute und Wolfgang Dreier zeigen beim Apfelmarkt 2019 ihr Können.

Schwitschen – Der Wohnwagen steht bereit zur Abfahrt und die Sachen sind an diesem Freitag schon gepackt. Das Wochenende steht an. Und das heißt für Wolfgang und Traute Dreier: Tanzvergnügen. Das Ehepaar reist alle vier Wochen nach Wernigerode und Pullmann City, um dort seiner ganz großen Leidenschaft nachzugehen – dem Rock ‘n’ Roll. An einem Tag geht es dann in einem Hotel des einen Ortes rund und am nächsten Tag in der anderen Stadt weiter.

Dabei befinden sich Dreiers in einem Alter, in dem sich viele zur Ruhe setzen und die Tage entspannt angehen. Doch auf dem Sofa hält es die beiden Rentner nicht. „Das Tanzen hält uns fit. Auch für den Kopf ist das super“, sagt Wolfgang Dreier. Er ist 78 Jahre alt und bewegt seine Beine während der Songs immer noch schneller und leichtfüßiger als mancher 30-Jährige. „Unsere Birne wird nicht matschig“, ergänzt er. In der Tat: Beide sind topfit, um keinen Spruch verlegen und erzählen mit großen Augen, wenn es um ihr Hobby geht. Dabei steht der Rock ‘n’ Roll für die Schwitscher an oberster Stelle. Das macht bereits ein Blick in ihre Gartenlaube deutlich. Alte Lautsprecher, viele kleine Oldtimer-Modelle, Ankündigungsbilder von Rock ‘n’ Roll-Künstlern. Alles hat seinen Platz. Natürlich hat das Paar auch unzählige Bilder seiner Auftritte und Erlebnisse gespeichert und in einem Fotoalbum festgehalten. „Es kommt vor, dass wir Einladungen absagen, wenn das Tanzen ansteht“, verrät Traute Dreier. „Aber die Leute, die uns kennen, verstehen das“, fügt die 71-Jährige an.

Für ihren Mann ist Rock ‘n’ Roll seit seiner Jugendzeit das große Thema. Mit 15 fing er an. Damals übte er alleine vor dem Spiegel und sprühte sich vor dem Besuch von Rock ‘n’ Roll-Clubs eine ganze Dose Spray in die Haare, damit die Elvis-Tolle hielt. „Ich komme ja aus dem Kreis Schaumburg-Lippe. Das war damals die Hochburg in Deutschland“, erzählt der Ruheständler. Seine Frau ist seit 15 Jahren infiziert. Damals fiel in der damaligen Tanzgruppe von Wolfgang Dreier jemand aus und sie sprang ein. Sie hat die Schritte schnell verinnerlicht und ist auch auf dem Parkett ein eingespieltes Team mit ihrem Mann. Er gibt mit seinen Händen den Takt vor und sie zieht mit. So können Dreiers auch drei bis vier Stunden am Stück durchhalten bei ihren Tanzwochenenden – ohne Training. Bereits einige Stunden vor dem Start der Veranstaltungen essen sie nichts mehr, damit ihnen nicht übel wird. „Das ist quasi Hochleistungssport“, findet Traute Dreier. Deshalb gibt es an diesem Freitag nach dem Mittagessen auch keine weitere Nahrung mehr. „Auch mit guter Vorbereitung müssen wir die ersten drei Songs immer überstehen. Danach läuft es rund. Wir wärmen uns nicht auf“, so Wolfgang Dreier. Dabei geht es den beiden nur um Spaß. Es sind keine Turniere, an denen sie teilnehmen. Bei privaten Veranstaltungen oder auf Einladung präsentieren sie ihre Künste in Ausnahmen aber – wie beim Apfelmarkt in Visselhövede im vergangenen Jahr.

Freude am Tanz haben Dreiers definitiv. Das zeigt bereits die Detailverliebtheit bei ihren Outfits. Während Traute traditionell einen Petticoat trägt und bei den Auftritten bunt erstrahlt, hat Wolfgang neben seinem Anzug und einer von ihrem großen Vorbild Brenda Lee unterzeichneten Weste auch einzigartige Schuhe an. Es sind rot-weiße Lacktreter. „Die hat sonst keiner“, berichtet er stolz. Für die Kostüme werden die Schwitscher überall gefeiert. So war es auch stets in Las Vegas. Zuletzt waren sie vor drei Jahren beim Rockabilly Festival. Ständig fragten andere Fans in den USA nach Fotos.

Dreiers posierten dann am liebsten vor besonders schönen Oldtimern. Denn die alten, bunten Fahrzeuge und Rock ‘n’ Roll gehören zusammen. Da verwundert es nicht, dass die Schwitscher zwei Oldtimer besitzen. In der Scheune steht ein weißer BMW 700er mit 40 PS. Einen Kratzer findet der Betrachter nicht, obwohl das Auto aus den 60er-Jahren stammt. Der Liebling ist das zweite Modell, was in einem kleinen Schuppen steht: die Isetta. Der Zweisitzer, der die Tür nicht an der Seite, sondern vorne hat, wurde 1960 gebaut. Er ist Wolfgang Dreiers ganzer Stolz. Bis zu 85 Stundenkilometer fährt der Wagen – immer noch und ohne Probleme. Das Gefährt wird aber auch mit viel Liebe gepflegt. Es gehört ja auch zum Rock ‘n’ Roll dazu und genießt damit oberste Priorität.

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