Eichenfundament ringsrum vergammelt

Neue Beine für den alten Visselhöveder Kirchturm

Zimmermann Frank Weist (l.) und Denkmalpfleger Alexander Reuter.
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Begutachten den Schaden am Visselhöveder Kirchturm: Zimmermann Frank Weist (l.) und Denkmalpfleger Alexander Reuter.

Visselhövede – Gerade erst mit frischer Farbe versehen, müssen die Handwerker schon wieder ran an das Visselhöveder Wahrzeichen, dem jetzt genau 223 Jahre alten Kirchturm. „Denn leider wurde bei den Arbeiten festgestellt, dass die hölzerne Konstruktion im unteren Bereich total verfault ist“, seufzt Hauke Pralle vom Vorstand der St.-Johannis-Kirchengemeinde.

Die Eichenbalken, auf denen der etwa 20 Meter hohe Turm ruht, sind großflächig angegriffen und lassen sich mit der bloßen Hand auseinanderbröseln. „Die Schäden waren zuerst gar nicht so zu sehen, weil die hölzerne Fassadenverkleidung unten als Abschluss ein umlaufendes Kupferblech hatte“, berichtet Pralle.

Allerdings hatten die Handwerker das Metall vor mehreren Jahrzehnten so angebracht, dass das Regenwasser kontinuierlich hinter das Blech gelaufen ist und sich an den Eichenbalken gesammelt hat. Das macht natürlich auch das härteste Holz auf die Dauer nicht mit und fängt zwar langsam, aber stetig an zu vergammeln. Auf der Wetterseite Richtung Westen ein bisschen mehr, auf der anderen Seite etwas weniger.

„Außerdem war der steinerne Treppenaufgang, der dafür genutzt wurde, um ins Innere des Turms zu kommen, leider so konstruiert, dass das Gefälle in Richtung Turm geneigt war. Darum ist auch dort das Wasser immer in Richtung eines massiven Eichenbalkens gelaufen, der sich bereits bis tief ins Mark zersetzt hat“, so Pralle.

Also müssen jetzt versierte Handwerker ran, die das Holz Stück für Stück ersetzen. Einer davon ist Zimmermann Frank Weist. Der hat nun die Aufgabe, aus den befallenen Eichenbalken, die teilweise eine Stärke von 30 mal 30 Zentimetern haben, die schadhaften Stücke herauszusägen. „Gesundschneiden, wie der Fachmann sagt“, berichtet Weist „Denn wir wollen möglichst viel von der alten Holzsubstanz erhalten“, betont Alexander Reuter vom Verdener Amt für Bau- und Kunstpflege, denn der redet ebenso ein gehöriges Wörtchen mit – wie bei der damaligen Gestaltung der Fassade. Darum guckt sich der Bauingenieur regelmäßig den Fortgang der Arbeiten an. „Und die sind dann gut, wenn zwar etwas erneuert wurde, aber man anschließend möglichst gar nicht sieht, das überhaupt etwas gemacht worden ist. Das freut den Denkmalpfleger.“

Neben den umfangreichen Holzarbeiten müssen aber auch noch die Schädlingsbekämpfer in den Turm. „Im unteren Bereich haben wir Schwamm und Bock und alles, was Holz gerne mag“, berichtet Reuter aus dem erstellten Gutachten. So werden die Fachlaute unter anderem mit einer speziellen Mikrowelle anrücken, um die Schädlinge abzutöten.

Frank Weist setzt die Säge an.

Die Kirchengemeinde rechnet natürlich damit, dass die Kosten „halbwegs im Rahmen“ bleiben, wie Hauke Pralle betont. Zuschüsse sollen unter anderem vom Kirchenkreis fließen, da es sich um „eine bausubstanzerhaltene Maßnahme“ handelt. „Denn abreißen wollen wir den Turm sicherlich nicht“, so Pralle.

Insgeheim hoffen die Verantwortlichen der St.-Johannis-Gemeinde, dass die Summe für die umfangreichen Holzarbeiten, die aktuell aber noch nicht genau beziffert werden kann, vielleicht auf ähnliche Weise zusammenkommt, wie das Geld für den neuen Anstrich. Denn vor zwei Jahren brauchte es nur wenige Monate und die Kirchengemeinde hatte die 35 000 Euro für silbergraue Farbe und für den Arbeitslohn zusammen.

„Und wenn wir schon mal dabei sind, dann werden auch noch die an manchen Stellen unterschiedlichen Farbschattierungen an den alten Lärchenbrettern beseitigt“, versichert Denkmalpfleger Reuter, der hofft, Ende des Jahres fertig zu sein.

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