Protest in der Region

Konzern Vermilion vermutet Lagerstätte: Neue Suche nach Gas

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Mit schweren Treckern haben die Bauern die Zufahrten zum potenziellen Bohrplatz versperrt.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Eine Dea-Verpressstelle in Grapenmühlen bei Wittorf, eine geplante Reststoffbehandlungsanlage in Bellen sowie eine Menge Bohrlöcher im Norden und einige im Süden, dazu viele Kilometer Gasleitungen unter der Erde: Visselhövede ist quasi umzingelt von Produktionsstätten der Erdgasindustrie.

Jetzt könnten noch einige Erkundungsbohrungen hinzukommen. Denn das Unternehmen Vermilion Energy Deutschland wird sein Vorhaben in der Region bei einer nichtöffentlichen Informationssitzung des Visselhöveder Stadtrats am Donnerstag, 14. Februar, im Rathaus vortragen. „Wir wissen aktuell nicht, wo und ob Visselhövede überhaupt betroffen ist, darum soll der Konzern Rat und Verwaltung zunächst intern informieren“, so Bürgermeister-Vertreter Mathias Haase. „Wenn wir dann mehr Details haben, werden natürlich mögliche Pläne öffentlich gemacht und in den politischen Gremien behandelt“, so Haase, der aber betont, dass für derartige Vorhaben nicht die Stadt, sondern das Landesbergamt zuständig sei.

Bei Vermilion handelt es sich um einen Konzern mit kanadischen Wurzeln (siehe Infokasten), und der glaubt, dass sich eine große Erdgaslagerstätte unterhalb der Stadt Bad Fallingbostel befinden könnte. Die reiche vielleicht auch bis unter das Visselhöveder Stadtgebiet - zumindest in den Bereichen Bleckwedel, Kettenburg, Wehnsen. „Mit geplanten Erkundungsbohrungen möchten wir herausfinden, ob eine förderbare Erdgaslagerstätte vorhanden ist. Ist dies der Fall, wollen wir sie mithilfe weiterer Bohrungen entwickeln und das Erdgas fördern“, so der Konzern.

Das Plakat sagt aus, was die Anwohner wollen.

Vermilion hatte die Rechte, nach Erdgas zu suchen und zu fördern, nach unseren Recherchen 2016 von „ExxonMobil“ erworben und hatte im Vorfeld bereits Untersuchungen ohne Bohrung vorgenommen. Es wird vermutet, dass das Gas in einer Tiefe von etwa 4 600 Metern liegt. Die Lagerstätte besteht demnach aus Sandsteinen, die der geologischen Zeiteinheit des sogenannten Rotliegenden zuzuordnen sind. Darum werde es auch kein Fracking geben. „Wir setzen bei unserer Arbeit ausschließlich auf sichere Technologien sowie auf die höchsten Sicherheitsstandards. Die geologischen Formationen sind konventionelle Lagerstätten. Das bedeutet, dass die Gesteinsschichten durchlässig sind und Erdgas ohne zusätzliche hydraulische Stimulation freigeben“, so Vermilion.

„Wir planen Anfang dieses Jahres eine Erkundungsbohrung. In der zweiten Jahreshälfte sollen dann der Bohrplatzbau und die Bohrung erfolgen. Der Produktionstest erfolgt nach aktueller Planung schließlich im Jahr 2020.“ Mit der Erprobungsbohrung soll geprüft werden, ob sich die Annahmen zur möglichen Erdgaslagerstätte bestätigen. Bereits im Februar 2018 seien Behörden und Verbände sowie die breite Öffentlichkeit umfassend informiert worden.

Allerdings hat der Konzern mit seinen Plänen nicht alle Menschen in der Region überzeugt. Denn in Dorfmark, ein paar Kilometer südöstlich der Visselhöveder Stadtgrenze, sind Landwirte fest entschlossen, einen potenziellen Erkundungsbohrplatz, von denen es sechs bis acht geben soll, zu verhindern. Eine medienwirksame Blockade der Zuwegungen am Montag war die erste Maßnahme der Anwohner.

„Nase gestrichen voll von den Energiekonzernen“

Und wenn es nach der örtlichen Weggemeinschaft geht, kommen die Fahrzeuge des Energiekonzerns auch nicht zum potenziellen Bohrplatz, wenn keine Trecker im Weg stehen: Die Gemeinschaft hat ihre Satzung bereits so geändert, dass nur noch landwirtschaftliche Fahrzeuge die Wege nutzen dürfen. „Vermilion kann da spontan nicht mehr hin“, berichtete Riepes Ortsvorsteher Hans-Heinrich von Hofe der Walsroder Zeitung.

Und auch in der Region Visselhövede regt sich Widerstand. Die Initiative „Wittorfer für Umwelt und Gesundheit“ (WUG) hat bereits einen Protest angekündigt. „Denn wir haben die Nase gestrichen voll von den Energiekonzernen, wenn man bedenkt, wie viele Tausend Tonnen Rückstände der Erdgasproduktion bei uns vor der Nase in Grapenmühlen in eine geringe Tiefe in die Erde gepresst worden sind“, schimpft Gerd Richter aus Wittorf. Der will mit WuG-Vertretern das nächste „Nachbarschaftsforum“, wie Vermilion die Infoabende nennt, am Dienstag, 29. Januar, im Kurhaus Bad Fallingbostel besuchen.

Vermilion Energy Germany GmbH & Co. KG wurde im Jahr 2014 als deutsche Tochtergesellschaft der Vermilion Energy Inc. gegründet. Dieses börsennotierte Unternehmen mit Hauptsitz in Kanada ist im Bereich der Erdöl- und Erdgasproduktion in Ländern wie Kanada, den USA, Frankreich, den Niederlanden, Deutschland, Irland und Australien tätig. „Wir suchen, entwickeln und produzieren Kohlenwasserstoff-Ressourcen auf eine nachhaltige und sozialverantwortliche Art und Weise.“, heißt es in einer Werbebroschüre. Die Haupttätigkeiten in Deutschland finden in Niedersachsen statt, „dem Herzen der deutschen Öl- und Gasproduktion“.

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