Visselhövedes erster Gemeinwesenarbeiter

Christian Oddoy baut soziale Strukturen auf und begeistert für Gemeinsamkeit

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Alle Hände voll zu tun hat Christian Oddoy nicht nur in seinem Büro. 

Visselhövede – Hier mal eine Mail, dort mal ein längeres Gespräch und auf dem Schreibtisch und im Handy jede Menge Telefonnummern sowie Termine für Verabredungen: Christian Oddoy, Visselhövedes erster Gemeinwesenarbeiter, baut sich ein umfangreiches Netzwerk auf, um möglichst viele Einwohner der Stadt für sich, für andere und vor allem für Gemeinsamkeiten zu begeistern.

Den etwas sperrigen Begriff Gemeinwesenarbeit hat sich Oddoy selbst ausgesucht, „weil es sich nämlich nicht um Sozialarbeit im herkömmlichen Sinne handelt, bei der sich jemand gezielt um jemanden über einen längeren Zeitraum kümmert, sondern ich versuche, das Gemeinwesen Visselhövedes zu strukturieren und zu organisieren“, sagt der 35-jährige Kirchwalseder. Er möchte Hilfe zur Selbsthilfe leisten, auch wenn das etwas abgedroschen klingt. „Aber es geht darum, dass die Menschen vor Ort aktiv werden. Einzelne Visselhöveder können zwar nicht die Welt retten, aber vor der eigenen Haustür viel erreichen“, sagt Oddoy, der nach seinem Studium der Philosophie und Religionswissenschaften für das Jugendberufszentrum Pro-Aktiv, dann als Jobcoach für das Bildungswerk der Volkshochschulen und in einer Jugendhilfeeinrichtung in Visselhövede gearbeitet hat.

Seinen Job gab es in dieser Form noch nie in Visselhövede. Bezahlt wird er seit August zu großen Teilen durch ein Landesprogramm, darum ist er offiziell bei der Deutschen-Angestellten-Akademie angestellt, und auch die Stadt Visselhövede ist über den Präventionsrat finanziell mit im Boot. Allerdings ist die Stelle auf Ende 2019 befristet, und darum hat Gustav Stegmann, Vorsitzender des Präventionsrats, bereits einige Landespolitiker animiert, in Hannover für eine Fortsetzung des Programms zu sorgen. „Denn diese Arbeit hat mit Menschen zu tun. Die kann man nicht einfach so stoppen, wenn man zuvor etwas aufgebaut hat“, so Stegmann vor einigen Wochen.

Aber damit beschäftigt sich Christian Oddoy zurzeit nicht, sondern er ist fleißig dabei, möglichst viele Kontakte zu knüpfen. „Rund 50 Netzwerkgespräche habe ich in den vergangenen Wochen geführt. Und überall bin ich mit offenen Armen empfangen worden.“

So hat er bei vielen verschiedenen Institutionen von Kirchen und Verbänden geklingelt, sich bei Vorstandssitzungen der Vereine vorgestellt, war im Kulturzentrum „ArtOutlet“, in Schulen und Kindergärten, der Seniorenbeirat weiß mittlerweile ebenso, dass es ihn gibt wie die politischen Parteien in der Stadt. Demnächst stehen Besuche bei der Suchtberatung, auf der Skaterbahn und dem Verein Simbav an, um auch die Zielgruppe Mutter/Kind abzudecken.

„Denn eines ist klar: Ich bin für alle da. Nicht nur für Jugendliche aus Problemvierteln, sondern für alle Visselhöveder jeden Alters“, betont Oddoy, der sich als eine Art Bindeglied sieht, das dafür sorgt, dass sich die verschiedenen Gruppen finden. So hat er beispielsweise schon in einigen Chef-Büros gesessen und über seine Arbeit berichtet. „Denn viele Firmen suchen dringend Auszubildende, während einige Jugendliche keine Lehrstelle finden. Beide zusammenzubringen ist auch eine meiner Aufgaben.“ Dabei nimmt er aber nicht den Jugendlichen an die Hand und schreibt ihm eine Bewerbung für die Firma XY, sondern Oddoy will beraten und darüber informieren, wo es was gibt und geordnete Strukturen im Miteinander schaffen. Um möglichst viele Altersgruppen zu erreichen, ist er auch auf Facebook und Co. unterwegs, denn „jede Altersgruppe hat ihr Medium“.

Wissen die verschiedenen Gruppen irgendwann voneinander sollen aus diesem Netzwerk zunächst einmal kleinere Projekte angeschoben werden. „So schwebt mir zum Beispiel eine Belebung des Marktplatzes vor“, sagt Oddoy, der bereits mit Künstlern aus der Stadt und der Grundschule lose Gespräche geführt hat, wie man kleinere Veranstaltungen organisieren kann, damit es ein bisschen mehr Leben auf dem portugiesischem Granit gibt. „Es gibt viele Leute mit noch mehr Ideen. Die müssen nur klar formuliert werden, damit sie sich realisieren lassen“, so Oddoy.

Christian Oddoy, der neue Visselhöveder Gemeinwesenarbeiter, ist gesichert jeden Donnerstag in seinem Büro im Haus der Bildung an der Emmy-Krüger-Straße anzutreffen. Sprechstunde ist dann immer von 9 bis 17 Uhr. Telefonisch ist er unter der Rufnummer 04262 / 9198933 zu erreichen. An anderen Tagen ist er unterwegs, schaltet aber den Anrufbeantworter frei. Per Mail kann man Oddoy natürlich ebenfalls kontaktieren: oddoy.praeventionsrat@visselhoevede.de

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