Ausschuss berät Sanierungsvorschlag / Förderung im Blick / Kirchenvorstand zieht mit

Der nächste Versuch zur Rettung der Visselquelle

Auch bei herbstlicher Stimmung ist das Gelände rings um die Visselquelle ein idyllischer Ort mitten in der Stadt. Jetzt soll eine ehrgeizige Maßnahme dabei helfen, das Gewässer algenfrei zu halten. - Foto: Wieters

Visselhövede - Von Jens Wieters. Sie ist das Herz der Stadt, das sicher meistfotografierte Motiv Visselhövedes – und dennoch fristet die Visselquelle mit dem eigentlich ganz hübschen Teich direkt an der St.-Johannis-Kirche ein trauriges Dasein. Das soll sich nun dank eines umfassenden Sanierungskonzepts ändern.

Das Planungsbüro Polyplan aus Bremen hatte bereits im Sommer 2016 ein Konzept zur Sanierung der Visselquelle und zur teilweisen Umgestaltung des Kirchengrundstückes vorgestellt. Kernstück ist ein etwa 80 Quadratmeter großer Kiesfilter, der das Phosphat binden soll. Denn dieser Stoff ist der eigentliche Grund für das ungehemmte Algenwachstum, der sich immer wieder auf dem Gewässer breitmacht. Der Kiesfilter liegt rund zehn Zentimeter unter der Wasseroberfläche und ist nicht zu sehen. Der Bereich soll durch eine Steinschüttung vom übrigen See getrennt werden, die ebenfalls unter der Oberfläche verschwindet.

Unter dem Kiesfilter werden Dränagerohre verlegt, die in einem Schacht gebündelt werden. Von dort soll eine Pumpe das gereinigte Wasser wieder in den Quellstein fördern. Durch die Dränage wird ein Unterdruck erzeugt, sodass das Wasser des eigentlich strömungsarmen Teichs in den Filterbereich fließt.

Die Fachleute der Bremer Fachfirma gehen davon aus, dass mit dieser Methode am Tag rund 65 Kubikmeter Wasser gereinigt werden können, währenddessen nur 43 Kubikmeter aus dem Grundwasser zufließen.

Dadurch werde der Phosphatanteil erheblich gesenkt, aber ganz werde er nicht verschwinden, da immer nährstoffhaltiges Wasser nachfließe, dämpfen die Spezialisten aber übermäßige Erwartungen. Sie rechnen nach dem Einbau des Filters mit einer Phosphatbelastung von nur noch 0,02 Milligramm pro Liter des 410 Quadratmeter großen Teichs. Aktuell sind es 0,8 Milligramm aus dem normalen Zulauf durch das Grundwasser.

Am Donnerstag (17 Uhr im Rathaus) wird sich der Ausschuss für Landwirtschaft, Umwelt, Energie und Grünanlagen mit dem Thema beschäftigen, denn natürlich ist die geplante Sanierung sehr kostenintensiv. Die Rede war im Sommer vergangenen Jahres von gut 100.000 Euro inklusive der Umgestaltung der Uferbereiche, dem Einbau von weiteren Sitzgelegenheiten und einer Aufweitung des Teichs mit neuen Zugängen.

Aber die Maßnahme muss die Stadt wohl nicht allein wuppen, denn das Projekt soll im Zuge der Leader-Förderung über die Hohe Heide realisiert werden. Dementsprechend ist beabsichtigt, Fördermittel einzuwerben. Eine Förderquote von 55 Prozent wurde seitens des Regionalmanagements Hohe Heide bereits in Aussicht gestellt.

Der Vorstand der Kirchengemeinde hat ebenfalls mitgeteilt, dass ein Betrag von 10 840 Euro zur Verfügung stünde, um sich an der Sanierung der Visselquelle zu beteiligen. Der Kirchenvorstand möchte aber an der genauen Ausgestaltung der Maßnahme beteiligt werden.

Politik und Verwaltung legen jedenfalls viel Hoffnung in das Projekt, um das Idyll mitten in der Stadt wieder ansehnlich zu machen. Denn in den vergangenen Jahren waren einige Maßnahmen sang- und klanglos gescheitert – auch wenn der Einsatz nicht hochgenug bewertet werden kann: Die Ortsgruppe der Johanniter hatte sich mit Schlauchboot und großen Harken bewaffnet, um die „Entengrütze“ abzufischen, der Bauhof hatte durch einen künstlichen erzeugten Stau den Wasserspiegel erhöht, und verschiedenen Pumpen- und Fontänenaktionen sollten für mehr Sauerstoff und damit für eine bessere Wasserqualität sorgen.

Aber alles war nur von kurzer Dauer, schon einige Wochen später hatten die Algen wieder die Überhand gewonnen. „Man war der irrigen Annahme, dass durch die Bewegung mehr Sauerstoff eingeleitet werden würde und damit das Algenwachstum gebremst werde. Aber das Wasser ist mit 1,2 Milligramm Phosphor pro Liter belastet. Das hat also gar nichts gebracht“, hatte ein Polyplan-Experte seinerzeit die gut gemeinten Versuche als vergebens bezeichnet. Jetzt wird es wohl einen neuen Anlauf mit einer umfassenderen Maßnahme geben.

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