Nachhaltige Wärme

Der Schwitscher Ulrich Röhrs heizt mit Hackschnitzeln – für sich und das Dorf

Es herrscht eine angenehme Wärme in dem Raum, in dem die Heizungsanlage untergebracht ist. Fotos: Beims
+
Es herrscht eine angenehme Wärme in dem Raum, in dem die Heizungsanlage untergebracht ist.

Schwitschen - Umweltschutz fängt im Kleinen an und ist nicht schwer. Es gibt viele Möglichkeiten, wie man der Natur und damit auch letztlich sich selber helfen kann. Ein wichtiger Schritt in puncto Nachhaltigkeit ist es natürlich, den eigenen Energieverbrauch zu senken. Und die genutzte Energie aus nachwachsenden Rohstoffen zu beziehen. So wie Heizungsbauer Ulrich Röhrs aus Schwitschen. Er hat auf seinem Hof bereits vor zehn Jahren eine Hackschnitzelheizung installiert. „Angefangen haben wir mit einer Anlage und 100 Kilowatt Leistung und ein kleines Wärmenetz aufgebaut“, erzählt er. Seit 2013 sind es 700 Kilowatt Leistung. Pro Jahr, je nach Witterung, kann er damit mittlerweile zwischen 150 000 und 200 000  Liter Heizöl ersetzen. Das entspricht im Jahr mehr als 500 Tonnen CO2. „Mit der gesamten Energieeinsparung von zehn Jahren könnte man umgerechnet mit einem Auto mehr als 650 Mal die Welt umrunden“, erklärt Röhrs im Gespräch mit der Kreiszeitung.

Angenehm warm ist es in dem Raum, in dem die Heizungsanlage untergebracht ist. Diese verbrennt kleine Holzstücke, auch Hackschnitzel genannt. Davon lagert ein riesiger Haufen draußen hinter dem Gebäude unter einem Vordach, damit die Hackschnitzel vor Regen und anderen Schlechtwetterverhältnissen ein wenig geschützt sind. Für die Hölzer wird dabei kein Holzeinschlag extra betrieben, erklärt der Fachmann. „Das ist alles Restholz aus der Industrie oder was durch Sturmschäden entsteht.“ Für die Schnitzel werden also nicht extra Bäume gefällt. Plus: „Es sind keine wertvollen Hölzer“, so Röhrs.

Der Brennstoff wird aus dem Außenlager direkt in den Kessel transportiert. Die Heizung kümmert sich also quasi selbstständig um Nachschub und ist dauerhaft in Betrieb. Die Asche, die am Ende über bleibt, wird ebenfalls sinnvoll entsorgt: Sie landet bei den umliegenden Landwirten auf den Feldern, kommt damit in den Kreislauf zurück. Denn: „Darin sind Mineralien enthalten, was wieder gut für den Boden ist“, weiß Röhrs.

Bis zu 200 000 Liter Heizöl kann Ulrich Röhrs mit der Heizung im Jahr ersetzen.

Mit der entstehenden Wärme versorgt der Heizungsbauer derzeit 25 Abnehmer in Schwitschen, darunter ein Industrieunternehmen. Diese haben ihre vorherigen Ölheizungen außer Betrieb genommen und durch die Wärme der Hackschnitzel ersetzt. Über eine Wärmeleitung wird ihnen die Energie geliefert für ihre Häuser und Gebäude. Insgesamt wurden dafür bisher etwa 1,5 Kilometer Leitungen verlegt. „Dabei fällt dann auch die Schornsteinfegerwartung weg“, erklärt Röhrs. Ebenso die Wartung der Heizung, denn diese müsse nur noch zentral in seiner Firma regelmäßig geprüft werden.

„Die Holzheizung hat mich schon immer am meisten interessiert, weil es mit heimischen Brennstoffen befeuert wird und nicht mit fossilen Energien irgendwo aus der Welt“, erklärt der Heizungsbauer. Die Hackschnitzel würden zudem mit einem ganz geringen Energieaufwand hergestellt. „Ein Prozent von der entstandenen Energie beim Verbrennen wird für die Herstellung von Hackschnitzeln benötigt. Bei Gas sind es zehn Prozent, bei Öl zwölf Prozent, die für das Fördern, Raffinieren und Transportieren benötigt werden“, erklärt der Fachmann.

Eine Maschine befördert das gehäckselte Holz nach und nach in die Anlage.

Eine komplette Heizungsanlage sei „dort am interessantesten, wo viel Energie verbraucht wird“, meint Röhrs. Zum Beispiel in größeren Bauernhäusern mit anliegenden Gebäuden. In den vergangenen Jahren sei das Thema für viele Hausbauer in den Vordergrund gerückt, da sich die Förderbedingungen verändert haben. War es vor einigen Jahren noch ein Pauschalbetrag, beläuft sich der Zuschuss für alle Anlagenbauer mittlerweile auf 35 Prozent – sowohl im Neu- als auch im Altbau. Wer seine Ölheizung dafür außer Betrieb nimmt, erhält eine Förderung von 45 Prozent. Diese Regelung gilt für alle Holzheizungen, weiß der Schwitscher. Erst sei es das durch den gestiegenen Ölpreis geweckte Interesse gewesen, mitterweile würden die Menschen durch die Zuschüsse darauf aufmerksam.

Die nächste Idee des Schwitschers ist eine Solarthermieanlage mit 100 Quadratmetern Kollektorfläche – „damit wir dann im Sommer kein Holz verbrennen, sondern die Energie daraus gewinnen“, erklärt er. Diese könnte zum Beispiel auf dem Dorfgemeinschaftshaus installiert werden. Dieses sowie das Feuerwehrhaus werden ebenfalls über die Hackschnitzelheizung versorgt. Tiefergehende Gespräche mit der Verwaltung gab es dazu noch nicht, aber „innovative Ideen werden begrüßt“, meint Ortsbürgermeisterin Dagmar Kühnast auf Nachfragen der Kreiszeitung dazu.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Der Blauregen hat viel Kraft

Der Blauregen hat viel Kraft

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Wandern, Waldbaden und Wellness in Bad Steben

Barock und Bio im Bliesgau

Barock und Bio im Bliesgau

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Kampf gegen Corona: Italien verlängert Ausgangsverbote

Meistgelesene Artikel

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Immer wieder freitags

Immer wieder freitags

Hellwege äußert sich

Hellwege äußert sich

Zentrale Frage: Wie lange?

Zentrale Frage: Wie lange?

Kommentare