Nach Prügelei mit verletzter Lehrerin müssen Schüler mit Maßnahmen rechnen

Oberschule will „Konflikten ganz offensiv begegnen“

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An der Oberschule Visselhövede startet wohl bald ein Präventionsprogramm, um Konflikten zwischen Schülern bereits im Vorfeld zu begegnen.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Die acht Schüler der Visselhöveder Oberschule, die an der Prügelei beteiligt waren, bei der eine Lehrerin am vergangenen Mittwoch verletzt wurde, müssen mit drastischen Maßnahmen rechnen. „Über das Strafmaß entscheiden die verschiedenen Klassenkonferenzen noch in dieser Woche“, erläutert Schulleiter Gerard Dyck.

Der Rektor nimmt den Vorfall „keineswegs auf die leichte Schulter“, sondern bezieht erst eine Woche danach gegenüber unserer Zeitung Stellung, „weil zunächst die Eltern per Brief informiert werden müssen“. Dyck schildert den Sachverhalt aus seiner Sicht und bestätigt die von der Polizei gemachten Angaben: „Es hatten sich zwei Gruppen gebildet, die auf dem Schulflur in Streit geraten sind. Die zunächst verbal geführte Auseinandersetzung schlug in körperliche Attacken um.“

Drumherum hätte eine weitere Gruppe „Gaffer“ gestanden, die der Aufforderung der Lehrer, ihre Klassenräume aufzusuchen, nicht nachgekommen sei. „Bei dem Gerangel wurde die Lehrerin am Kopf getroffen, allerdings nicht gezielt“, so Dyck, der froh ist, dass seine Kollegin jetzt wieder im Dienst ist.

Gegen beide Gruppen, sowohl die aktiv an der Auseinandersetzung beteiligte als auch die zuschauende, würden nach den Klassenkonferenzen „empfindliche Disziplinarmaßnahmen“ eingeleitet.

Wie genau die aussehen, will der Schulleiter im Vorfeld nicht verraten, aber „es wird auch vom Zeitrahmen so bemessen sein, dass die 14- bis 16-Jährigen schon deutlich zu verstehen bekommen, dass wir dieses Verhalten nicht dulden.“ Einen Verweis von der Schule für die Hauptakteure sollte nach Dycks Meinung nicht erfolgen, „weil ich sie noch für integrationsfähig halte“ und weil ihm das Lehrerkollegium signalisiert habe, dass man den Fall gemeinsam mit den betroffenen, aber auch mit allen anderen 500 Schülern rigoros aufarbeiten wolle.

Eine Idee sei das Programm „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, dass bereits sehr erfolgreich an verschiedenen Einrichtungen angelaufen sei.

Der Präventionsansatz des bundesweiten Programms wendet sich laut Mitteilung des Trägervereins gegen „alle Ideologien der Ungleichwertigkeit und bewährt sich in der Praxis an vielen der nunmehr mehr als 2000 Courage-Schulen.“ Der Ansatz leiste aktuell einen wichtigen Beitrag, um den Einfluss salafistischer und rechtsextremistischer Gruppen auf Heranwachsende einzugrenzen.

„Wir müssen den Konflikten ganz offensiv begegnen und die Schüler auf der Suche nach Lösungen mitnehmen“, so Dyck, der betont, dass Streitigkeiten unter Schülern ganz oft durch Missverständnisse und Frustration entstünden.

Als Beispiel nennt der Rektor die Sprachlernklasse, in der seit einigen Wochen 22 Flüchtlingskinder unterrichtet werden: „Ziel ist es, diese Jugendlichen in bestehende Klassenverbände zu integrieren. Das geht aber nur mit Sprache, darum werden sie die Hälfte der Wochenstunden separat unterrichtet. Das wiederum verstehen nicht alle anderen Schüler, die dann Sprüche klopfen wie ,die dürfen schwänzen‘.“

Dyck weiß um die schwere der Aufgabe, die vor ihm und seinen Lehrern bei dieser Thematik liegt, „seit Dienstag beschulen wir sechs junge Afghanen, die als unbegleitete Jugendliche in einer privaten Einrichtung in Visselhövede untergebracht sind“. Die würden langfristig in der Stadt bleiben und müssen integriert werden. „Daran wollen wir alle Schüler beteiligen. Durch ,Schule mit Courage’, Podiumsveranstaltungen mit Fachleuten oder vielleicht auch durch die Projektwoche“, so Dyck, der hofft, dass der Vorfall am vergangenen Mittwoch ein Einzelfall bleiben wird.

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