Anja H. flüchtet mit ihrer achtjährigen Tochter

Mutter sichtet drei Wölfe am Stadtrand von Visselhövede

Diese Wolfsspur fotografierte der benachbarte Pferdehalter von Anja H. vor einem Monat.

Visselhövede - Von Joris Ujen. Der Wolf ist da. Das mussten am Montagnachmittag auch Anja H. und ihre achtjährige Tochter Franziska ungewollt feststellen. Nur 200 Meter entfernt von ihrer Pferdeweide am Rand von Visselhövede, Riepholmer Weg, sahen Mutter und Tochter drei Wölfe. Die 47-Jährige geriet sofort in Panik, erzählt sie.

Nicht nur um ihrer zwei Pferde wegen, sondern vor allem, weil Franziska dabei war. Mit dem Auto ergriffen sie die Flucht. Gut schlafen konnten beide nicht. Auch im Gespräch mit der Kreiszeitung einen Tag danach bricht die Mutter in Tränen aus. Ihre Tochter kann aufgrund des Schocks erstmal nicht zur Schule gehen. „Franzi, da sind Wölfe“, machte Anja H. ihre Tochter auf die drei Wölfe aufmerksam, die auf einer benachbarten Wiese umherliefen, unweit vom Riepholmer Wald, wo ein Rudel von fünf Tieren leben soll. „Wir sind zum Auto gerannt. Wären wir langsamer gewesen, hätten wir es nicht mehr geschafft“, so H..

Wie man sich bei einer Wolfssichtung richtig verhält, sei ihr bewusst – Experten raten, keine hektischen Bewegungen zu machen. „Aber ich habe in dem Moment solch eine Panik bekommen und nur gedacht: Oh Gott, mein Kind“, sagt sie und schluchzt. Trotz der Situation fiel der Visselhövederin ein, dass in der Nähe auch ein Mann mit seinem Hund spazieren war, den sie auf dem Hinweg zur Weide bemerkt hatte. „Ich bin sofort zu ihm hingefahren und habe ihn vor den Wölfen gewarnt.“ 

Ekhard Lomott war der Mann, der die aufgebrachte Frau erstmal beruhigte und seinen Border-Collie in den Kofferraum verfrachtete. „Ich habe zwei Wölfe gesehen, die nur 40 Meter entfernt waren“, erinnert sich der 77-Jährige. H. musste aber noch einmal zurück zum Ort des Geschehens, da sie ihre Futtertröge in all der Aufregung an der Weide vergessen hatte. Lomott begleitete sie und ihre Tochter im Auto – die Wölfe waren nicht mehr zu sehen.

Am Abend fuhr H. mit ihrem Mann und Sohn zurück zur Weide, um nach den beiden Pferden zu schauen. „Wir machten Krach, um die Wölfe zu vertreiben, aber sie waren nicht mehr zu sehen.“ Die Pferde „Max“ und „Classic“ waren wohlauf. Aufgrund der sich häufenden Wolfssichtungen hatten H. und ihr Mann den Stromzaun an der Weide mit Holzpfählen verstärkt. 

Es ist nicht das erste Mal, dass Isegrim am Riepholmer Weg sein Unwesen treibt, berichtet H.. Mitte Dezember 2017 hatten die benachbarten Pferdehalter eindeutige Wolfsspuren entdeckt. Typisch für die Raubtiere ist es nämlich, im Trab zu schnüren. Dabei setzt der Wolf die Hinterpfote in den Abdruck der Vorderpfote derselben Körperhälfte. Auf ihrer früheren Pferdeweide in Wittorf habe sie auch schon einen Wolf gesehen, der jedoch nicht so nah war wie am Montag. 

Für Anja H. ist klar, es muss etwas passieren: „Es kann doch nicht sein, dass wir als Pferdebesitzer Angst haben müssen, wenn wir unsere Tiere füttern wollen. Ich möchte mich in aller Ruhe um meine Pferde kümmern können, mit ihnen reiten und kuscheln. Das kann doch nicht zu viel verlangt sein“, sagt sie und vergießt erneut eine Träne. Lomott möchte Anja H. nun regelmäßig am Nachmittag begleiten, wenn er seinen Hund ausführt und sie ihre Pferde füttern möchte. Die 47-Jährige ist ihm dafür sehr dankbar.

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