In vielen Visselhöveder Ortschaften darf Obst gepflückt werden

Mundraub, der keiner ist

Seit 2009 gibt es in Drögenbostel die Obstbaum-Allee, an der jeder Obst sammeln und pflücken darf. Das funktioniert laut Ortsvorsteher Michael Meyer sehr gut.
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Seit 2009 gibt es in Drögenbostel die Obstbaum-Allee, an der jeder Obst sammeln und pflücken darf. Das funktioniert laut Ortsvorsteher Michael Meyer sehr gut.

Visselhövede – Herbstzeit ist auch Erntezeit für Äpfel, Birnen und Zwetschgen. Nicht jeder hat einen Garten, und nicht alle haben die Möglichkeit, Obstbäume in ihren Gärten zu pflanzen. Andernorts fallen die Früchte ungepflückt und überreif auf den Boden. Dabei ist das Obst ungespritzt, sehr gesund und günstig. Damit überschüssige Früchte nicht verderben, nehmen landesweit viele Obstbaumbesitzer an dem Ernteprojekt „Gelbes Band“ von „Zehn“ (Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen) teil. Markiert mit dem Gelben Band stehen Obstbäume allen Selbstpflückern zu Verfügung. Diese dürfen ohne Rücksprache mit Eigentümern geerntet werden. Eine Aktion, die auch hier in Visselhövede und den umliegenden Ortschaften möglich und machbar ist.

„Die Aktion finde ich richtig gut. Das sollte intensiv beworben werden, gerade hier auf dem Land haben wir viele Obstbäume. Und an einigen Stellen liegt offensichtlich ganz viel Fallobst, das nicht aufgesammelt wird. Vielleicht kann so auch eine Patenschaft für einzelne Bäume entstehen“, begrüßt Bürgermeister Ralf Goebel die Initiative. So sieht es auch Gemeinwesenarbeiter Christian Oddoy. „Das Obst ist da. Es wäre schade, wenn es vergammelt.“ Der Kirchwalseder fährt jeden Tag mit dem E-Rad nach Visselhövede zur Arbeit und sammelt auf dem Rückweg selbst häufig in Wittorf an einem Baum Äpfel auf. Für möglich halte er es, die Initiative „Vissel for Future“ mit ins Boot zu holen, gerade weil es um Nachhaltigkeit geht, Pflückstellen sollten auf einer Hinweistafel markiert werden. „Viele haben gar nicht die Kapazitäten, in ihrem Garten einen Obstbaum aufzustellen. Anderen ist das Aufsammeln zu lästig oder sie haben zu viele Früchte übrig. Das wäre doch für alle eine Win-Win-Situation“, freut sich Oddoy über die Anregung.

Der Ort Drögenbostel praktiziert so ein Projekt schon seit Jahren unbürokratisch. „Wir haben 2009 im Rahmen einer Dorfaktion in unserer Obstbaumallee 99 Obstbäume – Zwetschgen, Kirschen, Äpfel und Birnen – gepflanzt, die jeder in haushaltsüblichen Mengen abernten darf“, berichtet Ortsvorsteher Michael Meyer. In der Allee, die erste Straße rechts hinter dem Ortsschild Richtung Höllenberg, sind auch Auswärtige willkommen, um sich für ihren Apfelkuchen leckere Früchte abzuholen. „Wer möchte, kann da ran. Das hat bisher immer gut geklappt“, so Meyers Erfahrung. Nur wenn die Leute „den Hals nicht voll bekommen“ oder für ihre Pferde eimerweise die Äpfel mitnehmen, hätten die Drögenbosteler etwas dagegen.

Nindorfs Ortsvorsteher Charly Carstens möchte keine gelben Bänder um seine 150 Obstbäume in Nindorf sehen, aber auch dort darf grundsätzlich gepflückt werden. „Wir regeln das so: Wer ernten möchte, geht da ran. Manche fragen höflich, andere nicht. Aber das ist völlig in Ordnung“, erklärt er. Die Obstbäume stehen am Mastenweg und an der Straße Alter Schulweg. Auch der Kindergarten Momo darf hier seit Jahren das Obst ernten.

Im Internet hat übrigens jeder unter www.mundraub.org die Möglichkeit, seine Obst- oder Nussbäume, sogar Kräuter einzutragen. Hier sind alle Pflückstationen regional verzeichnet. Damit sich freigegebene Bäume und Sträucher in der eigenen Umgebung leichter finden lassen, listet auch das „Zehn“ alle teilnehmenden Standorte auf der Website www.zehn-niedersachsen.de/gelbesband auf.

In den vergangenen Wochen wurde bereits fleißig geerntet. Mit dem Ernteprojekt leistet das „Zehn“ einen Beitrag zur bundesweiten Aktionswoche „Deutschland rettet Lebensmittel!“. Die Aktionswoche fand vom 22. bis zum 29. September statt. „Natürlich muss sich jeder an ein paar Regeln halten. Das Pflücken erfolgt auf eigene Gefahr und man darf zum Beispiel nicht auf Bäume klettern. Wer diese Regeln beachtet, darf auch ohne Rücksprache ernten“, erläutert „Zehn“-Leiterin Rike Bullwinkel.  aki

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