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Motorrad-Mord in Visselhövede: Angeklagte schweigen

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Von: Wiebke Bruns

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Die Polizei ist am 9. Januar 2017 wenige Minuten nach den Schüssen vor Ort und sichert Spuren.
Die Polizei ist am 9. Januar 2017 wenige Minuten nach den Schüssen vor Ort und sichert Spuren. © Wieters (Archiv)

In Verden hat am Montag der Prozess gegen zwei mutmaßlich Beteiligte der sogenannten Blutrache begonnen. Er soll zusammen mit einem Komplizen im Januar 2017 einen Albaner vor der Visselhöveder Kastanien-Grundschule erschossen haben.

Verden/Visselhövede – Blutrache soll Ende 2011 eine Familie in Albanien geschworen haben. Sechs Jahre später hat zur Überzeugung der Staatsanwaltschaft Verden ein 35-Jähriger mit Unterstützung seiner Cousins diesen Schwur in Visselhövede erfüllt. Auf dem Fußweg vor der Kastanien-Grundschule wurde ein 46-Jahre alter Mann am 9. Januar 2017 regelrecht hingerichtet. Der 35-Jährige und einer seiner Cousins stehen seit Montag in Verden wegen Mordes vor Gericht.

Am 30. Dezember 2011 soll das spätere Opfer in Albanien einen 17 Jahre alten Bruder des 35-Jährigen getötet haben. In einer „Bedrohungslage“, heißt es in der gestern verlesenen Anklageschrift. Der damalige Todesschütze soll Polizist und Security-Mitarbeiter einer Diskothek gewesen sein. Bis Januar 2016 verbüßte der dreifache Vater laut Anklage eine Haftstrafe in Albanien. Danach sei er aus Angst vor der sogenannten Blutrache nach Deutschland geflüchtet. In Visselhövede wähnte sich die Familie offenbar in Sicherheit. Ihren Racheplan sollen die Täter schließlich umgesetzt haben. Das Opfer sei observiert und ein Ford Focus als Begleit- und Fluchtfahrzeug, ein Motorrad zur Ausführung der Tat und eine Pistole samt Schalldämpfer gekauft worden. Das Ziel der Männer sei gewesen: „Blutrache und Selbstjustiz“.

Ein Angeklagter beim ersten Prozesstag.
Ein Angeklagter beim ersten Prozesstag. © wb

Der 31 Jahre alte Angeklagte habe die Wohnung des Opfers überwacht und um „11.11 Uhr“ dem 35-Jährigen mitgeteilt, dass der 46-Jährige zu Fuß das Haus verlassen habe und sich Richtung Supermarkt bewege. Der 35-Jährige sei dem Opfer daraufhin mit einem weiteren, wegen dieser Tat bereits rechtskräftig verurteilten Cousin auf einem Motorrad entgegen gefahren. „Um die hilflose Situation und Arglosigkeit“ des Mannes auszunutzen, so der Vorwurf. Sie hätten neben dem Opfer gebremst und der 35-Jährige als Sozius „gab aus einem halben Meter Abstand mittels Dauerfeuer zwölf Schüsse ab“, verlas die Staatsanwältin. Das Opfer verstarb vier Tage später.

„Wahlweise“ könne bei dem 35-Jährigen Mord oder Anstiftung zum Mord in Betracht kommen, stellte die Schwurgerichtskammer in einem Eröffnungsbeschluss fest. Die Richter halten es nicht für ausgeschlossen, dass der 35-Jährige einen seiner Cousins als Schützen „bestimmt“ hat. Doch als Anstifter wäre er gleich einem Täter zu bestrafen. Somit droht ihm auch dann bei einer Verurteilung lebenslänglich.

Dazu wurde bereits 2018 der Fahrer des Motorrades verurteilt und im selben Prozess ein damals als Todesschütze angeklagter Mann freigesprochen. In der verlesenen Anklage wird der Freigesprochene wieder als Tatbeteiligter bezeichnet. Nach einer Gesetzesänderung könnte ihm trotz Freispruchs erneut der Prozess gemacht werden.

Kurz nach Auffinden der Tatwaffe im April 2021 war die Festnahme der beiden Angeklagten in den Niederlanden erfolgt. Beide schweigen zu den Vorwürfen. Für den Prozess sind 23 Verhandlungstage eingeplant.

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