Seniorenbeirat arbeitet an Lösung für mehr Mobilität auf dem platten Land

Modernes Trampen

Helmut Sündermann, Vorsitzender des Seniorenbeirats, arbeitet gemeinsam mit seinen Mitstreitern am Projekt Mitfahrerbank, das für mehr Mobilität auf dem Land sorgen soll. - Foto: Wieters

Visselhövede - Von Jens Wieters. Ein leerer Kühlschrank, ein Termin beim Arzt oder ein Besuch bei Freunden: Für Menschen, die in der Stadt wohnen, ist es kein Problem, Lebensmittel zu besorgen, Klönschnack zu halten oder einen Husten zu kurieren. Wer aber auf dem Dorf wohnt, kein Auto und keine Verwandten hat, ist oft aufgeschmissen. „Das soll sich ändern“, sagt Helmut Sündermann und will die Idee einer sogenannten Mitfahrerbank realisieren.

Der Vorsitzende des Visselhöveder Seniorenbeirats hat jetzt einen entsprechenden Antrag bei der Stadt eingereicht und hofft, dass die Kommunalpolitiker das Projekt unterstützen, das bereits in vielen anderen Bundesländern erfolgreich praktiziert werde.

Eine Mitfahrerbank funktioniert laut Sündermann ganz einfach: „Ein Interessent setzt sich auf eine ausgeschilderte Bank, klappt ein Schild mit der Fahrtrichtung oder dem Ziel auf und wartet darauf, mitgenommen zu werden. Mitnehmer und Mitfahrer können selbst entscheiden, ob sie mitnehmen oder mitfahren wollen.“

Mit dem Projekt nach der Art „eines modernen Trampens“ haben Sündermann und seine Mitstreiter aber nicht nur Senioren im Blick, sondern es sei für Leute jeden Alters gedacht: „Für Schüler, die den Bus verpasst haben oder nachmittags zum Fußballtraining müssen, oder für Hausfrauen, die zum Shoppen wollen.“

Nach einer Weile habe sich das Prozedere sicherlich gut eingespielt und die Leute würden sich kennen. Dann fahre der Mitnehmer sicherlich auch mal einen kleinen Umweg. „Denn so idyllisch das Leben bei uns auf dem Lande ist, so einsam kann es werden, wenn man es ohne Auto bestreiten muss. Für alle, die sich kein Auto leisten können, wird selbst ein Einkauf im Nachbarort zur logistischen Herausforderung“, so Sündermann, der selbst im beschaulichen Rosebruch wohnt.

Besonders schlimm seien die Visselhöveder Bürger dran, die in Dörfern lebten, die nicht einmal vom Bürgerbus angesteuert würden. „Sie sind ständig auf fremde Hilfe angewiesen.“

Sündermann will auch Kontakt aufnehmen zu den Seniorenräten in den Nachbarstädten Walsrode, Bad Fallingbostel und Soltau, um sie für das Vorhaben zu gewinnen: „Denn zum Beispiel nach Walsrode gibt es von Visselhövede aus keinen öffentlichen Nahverkehr. Es nützt aber nichts, wenn wir eine Bank aufstellen für die Leute, die in den Heidekreis wollen, sondern sie müssen ja auch wieder zurückkommen. Darum ist eine enge Zusammenarbeit notwendig.“

Weil diese Gespräche erst noch reifen müssten, würde der Seniorenrat auch nur im Visselhöveder Stadtgebiet starten. Denn: „Die Mitfahrerbank kann eine der Lösungen für mehr Mobilität auf dem Lande sein. „Und vor allem eine, die nicht sehr teuer ist, denn „auch bereits vorhandene Bänke können genutzt werden.“

Die Anschaffung weiterer Sitzgelegenheiten an Standorten, die demnächst vorgeschlagen würden, „kostet wenig, hilft aber viel und es gibt keine wiederkehrende Bezuschussungskosten“. Mit diesen Worten will der Vorsitzende des Seniorenrats dem Visselhöveder Stadtrat seine Idee so richtig schmackhaft machen.

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