„Wirtschaftlich schwierig“

Mito: Ende Juni ist für Thimo Trespe Schluss

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Der alte Lindenhof wurde 2013 modernisiert und startete 2014 mit Mieter Thimo Trespe als Mito eine neue Restaurant-Ära, die aber Ende Juni beendet ist.

Visselhövede - Von Jens Wieters. „Bistecca al pepe verde“ oder auch einfach nur „Spaghetti ai Gamberoni piccanti“: Damit ist Ende Juni Schluss in Visselhövede. Zumindest im Restaurant Mito an der Großen Straße. Denn Inhaber Thimo Trespe wird den am 30. Juni auslaufenden Mietvertrag nicht mehr verlängern. Joachim Hesse, Eigentümer der Immobilie mit langer Gastronomie-Tradition, sucht jetzt einen Nachfolger für Trespe, „weil es richtig gut wäre für das kulinarische Angebot mitten in der Stadt“.

Aber offenbar gestaltet sich die Suche mehr als schwierig, denn bisher hat Hesse nach ersten losen Gesprächen nur Absagen kassiert. „Noch vor einigen Tagen hatten wir einen Nachfolger fast in trockenen Tüchern, aber im letzten Moment hat er doch noch kalte Füße bekommen“, so Hesse.

Der Visselhöveder Unternehmer, der das Haus, das viele Jahre als Lindenhof von der Familie Romotzki betrieben worden war, 2013 gekauft hatte, ist davon überzeugt, dass sich ein Restaurant in der Lage auch in einer kleinen Stadt wie Visselhövede lohne: „Ideal wäre natürlich ein Ehepaar, wo der eine Partner kocht und der andere den Service macht.“

Das hätte sich auch Thimo Trespe gewünscht, aber „wenn man quasi allein dort steht und jeden Mitarbeiter fair bezahlt, lohnt es sich einfach nicht mehr“. Der 37-jährige gelernte Hotelfachmann, der vor seiner Zeit im Nindorfer Hansenhof auch drei Jahre in der Schweiz tätig war, hatte das Mito 2014 mit viel Liebe und teurem Inventar ausgestattet und war voller Vorfreude in das Abenteuer Selbstständigkeit gestartet. 60 Plätze im Lokal und nochmal 40 auf der Terrasse verhießen eine ausreichende wirtschaftliche Basis.

„Es lief auch gut an, die Leute in der Stadt wollten wohl etwas Neues ausprobieren“, so Trespe. Aber es blieb nicht so. Zwar sei 2017 das wirtschaftlich beste Jahr gewesen, aber ab dann sei es nicht mehr möglich gewesen, die Umsätze zu halten. „So habe ich mich bereits Ende 2018 entschlossen, den im Juni auslaufenden Mietvertrag nicht mehr zu verlängern“, sagt der gebürtige Visselhöveder, der bereits einen neuen Job in Aussicht hat, aber noch nicht verraten will, wohin es ihn führt. Nur so viel: „Es wird auf jeden Fall etwas im Angestelltenverhältnis sein, wo ich mit weniger Arbeit am Ende eine ähnliche Summe in der Tasche habe.“

Er befürchtet ein Restaurant- und Kneipensterben in vergleichbar großen Städten wie Visselhövede: „Diese Unternehmen haben keine rosige Zukunft. Denn es gibt keine klassischen Feierabendbesucher mehr und überhaupt wird auch beim Essen nicht mehr so viel verzehrt wie vor Jahren.“ Denn natürlich habe er Spaß am Kochen, aber Geld brächten nun mal die Getränke ein, die ohne viel Aufwand serviert werden könnten. „Aber wir haben nicht jeden Tag einen Sechser-Tisch mit Männern, die 96 Bier konsumieren“, so Trespe. Hinzu kämen noch Personalprobleme, denn es sei äußerst schwierig, geeignete Kräfte zu finden. Und auch Nachwuchskräfte seien mehr als rar gesät, denn kaum ein junger Mensch wolle heute noch Koch werden. „Und ich stehe auf dem Standpunkt, dass die Mitarbeiter fair bezahlt werden müssen, was längst nicht in allen Lokalen so ist. Aber so etwas kostet halt Geld, und wenn dann die Gäste weniger werden, wird es wirtschaftlich schwer“, betont Trespe. Das sei bei seinen ausländischen Mitbewerbern einfacher: „Dort sind die Familien mit eingebunden, und wenn kein Gast kommt, gibt es auch kein Geld.“

Dennoch blickt Trespe aber nicht nur traurig zurück, denn „ich habe mit meinen Stammgästen viele tolle Stunden verbracht, für die ich dankbar bin“.

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