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Hoyer-Gruppe kündigt Gasverträge mit Großkunden – und rückt Privatkunden in den Fokus

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Von: Jens Wieters

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Das Geschäftsfeld Erdgas der Hoyer-Gruppe muss wegen explodierender Beschaffungskosten Festverträge mit Großkunden kündigen.
Das Geschäftsfeld Erdgas der Hoyer-Gruppe muss wegen explodierender Beschaffungskosten Festverträge mit Großkunden kündigen. © Wieters

Die Hoyer-Gruppe will sich aufgrund der aktuellen Lage mehr um die Belieferung von Privathaushalten mit Öl und Gas kümmern. Gas-Großkunden haben Vertragskündigungen bekommen, weil die Beschaffungskosten explodiert sind.

Visselhövede – Dass der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine auch unmittelbare Auswirkungen auf die Region hat, merken die Menschen aktuell an den Tankstellen, wo die Spritpreise in noch nie da gewesene Höhen klettern. Aber auch Firmen müssen ihre Lieferketten und Verträge anpassen. So hat die Visselhöveder Firmengruppe Hoyer jetzt die Festpreisverträge für Strom- und Gaslieferungen an Großkunden kündigen müssen.

Das Fachinformationsblatt für Energieunternehmen „energate“ hatte Anfang März zuerst berichtet, dass die „außerordentlichen Kündigungen“ am 2. März abgeschickt worden seien. „Wir machen das, um unser Unternehmen zu schützen!“ Mit diesen Worten wird bei „energate“ ein nicht benannter Firmensprecher zitiert.

„Die angesprochenen außerordentlichen Kündigungen können wir bestätigen“, so Hoyer-Sprecher Thomas Hartmann auf Nachfrage unserer Zeitung. Er betont aber auch, dass die „energate“-Mitteilung der vergangenen Woche bereits mehrfach aktualisiert und korrigiert worden sei. „Sie war unsauber recherchiert und auch fehlerhaft verfasst.“

Hartmann stellt klar, dass Hoyer die Kündigungen nicht nur für die durch die Energiebeschaffungsagentur „enPORTAL“ vermittelten, „sondern für alle gewerblichen Großkunden“ aussprechen musste.

Hintergrund sei natürlich der Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Unsicherheiten in der Energiepolitik. „Eine Weiterführung der Belieferungen an die Großkunden war durch die unfassbaren Preissteigerungen auf der Beschaffungsseite für uns absolut nicht mehr wirtschaftlich darstellbar. Wir mussten darum die Notbremse ziehen.“

Die Firmenleitung habe sich deshalb nach gründlicher Überlegung „schweren Herzens dazu durchringen müssen“, sich auf einen Paragrafen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zu berufen und die „Belieferung durch außerordentliche Kündigung der Verträge vor Ablauf der Vertragslaufzeit zu beenden“.

Dieser Schritt sei dem der Region verbundenen Familienunternehmen „unendlich“ schwergefallen: „Wir haben den Anspruch, unsere Kunden zuverlässig zu beliefern“, so Hartmann „Das gilt für uns auch in Krisensituationen wie der aktuellen Lage, die vollkommen unvorhersehbare Preissteigerungen mit sich bringt.“

Deshalb habe die Hoyer Strom- und Erdgassparte allen gekündigten Kunden „selbstverständlich eine befristete Weiterbelieferung zu den für den Kunden bestmöglichen und gleichzeitig wirtschaftlich vertretbaren Konditionen angeboten“. So bekämen sie Zeit, sich entweder auf dem Markt einen neuen Anbieter zu suchen oder mit Hoyer ins Gespräch über neue Belieferungsvereinbarungen zu treten.

„Viele der so angeschriebenen Kunden haben von diesem Angebot schon jetzt Gebrauch gemacht, und wir sind sehr zuversichtlich, dass wir mit diesen Kunden, die viel Verständnis für die herausfordernde Situation gezeigt haben, zu einem guten und partnerschaftlichen Ergebnis kommen werden“, unterstreicht Hartmann.

Dem Unternehmen erscheine dieses Vorgehen „als der vernünftige Weg, den besonderen Herausforderungen der aktuellen Zeit zu begegnen und in beiderseitigem Einvernehmen dauerhafte Zusammenarbeit zu ermöglichen.“ Nicht zuletzt habe Hoyer „diese Entscheidung auch getroffen, um einen Beitrag zur allgemeinen Versorgungssicherheit zu leisten“.

Private Kunden seien von diesen Kündigungen natürlich nicht betroffen, „denn wie auch im Bereich Heizöl ist es aktuell das Hauptziel der Unternehmensgruppe, die Haushaltskunden zu beliefern“.

Dass das gehörig ins Geld geht, weiß auch Hartmann. Der hatte schon zu Beginn der Krise darauf hingewiesen, dass die Privatleute nicht unbedingt jetzt Heizöl bestellen sollten, wenn ihre Tanks noch gut gefüllt seien, denn eine immer stärker werdende Nachfrage verteuere den Brennstoff noch mehr.

„Allerdings sind präzise Preisvorhersagen zurzeit nicht möglich. Das geht innerhalb von Stunden gewaltig rauf und ab und zu auch ein bisschen runter.“ Hoyer-Erdgaskunden müssen sich übrigens telefonisch nach Preisen durchfragen, denn auf der Website der Firma ist nur zu lesen, dass „aufgrund der aktuellen Situation an dieser Stelle kein Angebot zu finden“ sei.

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