Mira Pape (18) pilgert von Portugal ins spanische Santiago de Compostela

Auf dem Weg zum Moment

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Mira Pape (l.) mit Freunden an einem Etappenziel.

Visselhövede/Santiago De Compostela - Von Jens Wieters. „Keine Zeit zu telefonieren, ich muss meine Füße pflegen und meine Wäsche waschen!“ Am Ende der langen Wanderung hatten ganz profane Dinge Priorität. Und das sicher zu Recht, denn Mira Pape steckten gestern Nachmittag satte 244 Kilometer in den jungen Knochen. Und die hatte sie allesamt zu Fuß auf dem Pilgerweg von der portugiesischen Stadt Porto ins spanische Santiago de Compostela erlaufen.

Vor zehn Tagen hatte die 18-jährige Visselhövederin den schweren Rucksack geschultert und war zunächst allein, später mit Freunden, immer an der Atlantikküste entlang von Portugal ins spanische Galicien gewandert. „Das ist zwar nicht der berühmteste Jakobsweg, aber auch schon eine recht weite Strecke“, berichtet Pape, die gerade ihr Abitur am Rotenburger Ratsgymnasium gemacht hat.

Das war auch ein wenig der Grund, warum eine junge Frau sich überhaupt die täglichen Strapazen eines Fußmarsches in teilweise menschenleeren Gegenden antut. „Die vergangenen Monate waren doch echt stressig und da hatte ich mir gedacht, dass es einmal Zeit wäre, statt an anstehende Klausuren auch mal nur an den Moment zu denken und für ihn zu leben“, berichtet Pape.

Rund 25 Kilometer war sie mit ihrer neuen Freundin, der Österreicherin Jenny, jeden Tag von 6 Uhr morgens bis 15 Uhr am Nachmittag unterwegs. „Die Routen waren vorgeschlagen und als relativ flach ohne großartige Anstiege beschrieben worden. Für uns Norddeutsche bedeutet relativ flach aber immer noch richtig steil“, sagt die Tanz-Trainerin des VfL Visselhövede lachend, die ein Freiwilliges Soziales Jahr beim niedersächsischen Landessportbund beginnt.

Jeden Tag hat sich die kleine Wandergruppe eine Herberge gesucht, „in der auch schon mal bis zu 40 Leute auf einfachen Lagern übernachten“. Irgendwann gewöhne man sich auch an das Schnarchen und falle schon recht früh am Abend in einen erholsamen Schlaf.

„Ich hatte leider keine Gelegenheit, meine Wanderschuhe richtig einzulaufen, so dass Blasen die ersten Tage zur Qual werden ließen. Aber mit viel Tape und guter Pflege haben die Füße mich bis zum Ziel getragen“, erzählt Mira Pape, die mit dem Juli-Wetter auf der iberischen Halbinsel eher weniger zu kämpfen hatte: „Es war zum Glück meistens bedeckt, nur selten richtig heiß und es hat auch mal geregnet.“

Am Ziel in Santiago de Compostela gibt es dann auch endlich wieder eine stabile Internetverbindung, denn trotz aller Wege zur inneren Ruhe und zur Selbsterkenntnis, wollen junge Frauen von heute natürlich nicht wirklich lange auf „WhatsApp“, Facebook und Co. verzichten.

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