Teilweise nur gut 20 Cent pro Kilo

Milchbauern: "Wir gehen mit Ansage in die Pleite"

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Fordern schnelle Lösungen (v.l.): Hermann Rosebrock, Jörg Hüner, Andreas Gerke-Meinert, Thomas Lüdemann, Hans Foldenauer und Dietmar Fritsch.

Hiddingen - Von Jens Wieters. „Nur gut 20 Cent für ein Kilo Milch, die dritte schwere Krise in nur sechs Jahren – und wir können aufgrund von Verträgen noch nicht mal die Molkerei wechseln!“ Jörg Hüner und Thomas Lüdemann bringen es auf den Punkt: Den Milchbauern im Land geht es wirtschaftlich so schlecht wie selten zuvor. „Es liegt vor allem an der Menge, die den Markt überschwemmt“, sagt Hans Foldenauer, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM).

„Dabei gibt es Lösungen, um die Krise zu bewältigen“, so Foldenauer, der am Mittwoch im Rahmen eines Pressegesprächs in Hiddingen weilte. „Wir haben schon lange ein Milchmarkt-Krisenmanagement-Konzept, um frühzeitig und präventiv auf drohende Marktverwerfungen zu reagieren“, betont der Milchbauer aus dem Allgäu. Dazu zähle eine Art Frühwarnsystem. In der ersten Stufe müsste die private Lagerhaltung geöffnet und Anreize zu weiteren mengenreduzierenden Maßnahmen geschaffen werden. „Bei Stufe zwei greift das Marktverantwortungsprogramm mit zeitlich befristeter Deckelung der Anlieferung. Weiten die Bauern trotz Krise ihre Produktion aus, wird eine Abgabe fällig“, erläutert Foldenauer das Konzept. Verschärfe sich die Krise, sollten die Betriebe dazu verpflichtet werden, bis zu drei Prozent weniger zu produzieren, was problemlos durch das Futtermanagement machbar sei. „Auch eine staatliche Intervention ist bei Stufe drei notwendig“, erläutert der BDM-Sprecher, der zwar das Russland-Embargo und den nicht anziehenden chinesischen Markt auch ein Stück weit für die Krise in den deutschen Kuhställen verantwortlich macht, aber „die enorme Menge ist der eigentliche Grund“.

Auf EU-Ebene seien schon einige Beschlüsse da, nur müssten die von den Agrarministern auf Bundes- und Landesebene umgesetzt werden. Foldenauer: „An Bundesminister Schmidt liegt es nun, sich im Sinne einer europäischen Lösung zur Eindämmung der Milchmengen einzusetzen. Viele europäische Länder haben in den vergangenen Monaten einen Vorstoß auf EU-Ebene unternommen und signalisiert, eine freiwillige Mengenreduktion gegen Entschädigung mittragen zu wollen.“

Die Milchbauern sind sich einig, dass sich schleunigst etwas ändern muss. „So gehen wir mit Ansagen in die Pleite“, stellt Thomas Lüdemann klar. Und nicht nur die Bauern seien betroffen, sondern auch der Landhandel, die Maschinenringe, die Tierärzte und einige Branchen mehr. „Viele Berufskollegen können sich nicht mal mehr eine Aufgabe leisten, so sehr sind sie an Kredite gebunden“, klagt Jörg Hüner.

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