Planungen für Bahnprojekt Alpha-E / Goebel: „Gespräche auf allen Ebenen“

750 Meter lange Züge

Die Weichen werden bereits gestellt: Die Planungen für die Ertüchtigung der Amerikalinie laufen an. Fotos: Wieters

Visselhövede – Die sogenannte Amerikalinie, die Bahnverbindung zwischen Langwedel und Uelzen, die auch mitten durch das Visselhöveder Stadtgebiet führt, wird ertüchtigt – so viel ist seit dem Aus der umstrittenen Y-Trasse klar. Nur wann, das war bisher die große Frage.

„In etwa zehn Jahren werden wohl die ersten vorbereitenden Arbeiten beginnen“, so Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel. Der war jetzt auf Initiative des SPD-Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil mit Amtskollegen in Hannover, um sich über den Start des Mammutprojekts zu informieren und vor allem, um den „Lärmschutz noch einmal zum Thema zu machen“, wie Goebel berichtet.

Und die Bürgermeister sind demnach mit einem guten Gefühl im Bauch wieder aus Hannover abgereist, denn die neue Konzernbevollmächtigte der Bahn, Manuela Herbort, und ihr Team sei nicht nur „extrem gut auf dieses Treffen vorbereitet“ gewesen, sondern habe auch immer wieder betont, dass der Dialog mit den Anwohnern und den Kommunen entlang der Bahnstrecke von der Bahn großgeschrieben werde.

„Das beinhaltet vor allem, den von uns geforderten übergesetzlichen Lärmschutz“, berichtet Goebel von dem Treffen. Zurzeit werde im Bundestag über einen neuen Standard dieses Schutzes diskutiert, der von der Bahn dann übernommen werden müsse, wie ihm die Bahnbevollmächtigte mitgeteilt habe. „Offenbar hat die Bahn aus der Vergangenheit gelernt und will ähnlich wie bei der Ausbaustrecke Rotenburg-Verden auch bei der Amerikalinie die Maßnahme mit den Anliegern umsetzen und nicht gegen sie.“

Denn man müsse einen Mehrwert für die Bevölkerung schaffen, wenn schon vor ihrer Nase gebaut werde. „Ich denke da an eine Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs mit mehr Haltepunkten an der Strecke in der Region“, so Goebel.

Eine weitere positive Nachricht hat der Bürgermeister ebenfalls mitgebracht, denn es könnte wieder ein wenig Bewegung in die verfahrene Situation hinsichtlich der Barrierefreiheit des Visselhöveder Bahnsteigs kommen. Denn bekanntlich soll zwar die Höhe des Bahnsteigs an die Höhe der Züge angepasst werden, damit auch Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte problemlos einsteigen können, aber die Unterführung von Gleis eins zu Gleis zwei soll zugeschüttet werden. Der Plan der Bahn sieht vor, dass Fahrgäste entlang der Schienen gehen, den Übergang Rosenstraße nutzen und dann auf der anderen Seite der Gleise wieder zurück zum Bahnsteig müssen, um einen Zug in Richtung Soltau zu besteigen.

„Manuela Herbort hat mir zugesagt, dass jetzt noch einmal eine konkrete Bestandsaufnahme der baulichen Möglichkeiten vor Ort gemacht wird“, so Goebel. Ganz wichtig sei ihm auch gewesen, dass die Bahn signalisiert habe, dass die Planungen des barrierefreien Bahnhofs und die Ertüchtigung der Amerikalinie nicht nebeneinander herliefen, sondern, dass sich die Fachleute bei den Entwürfen künftig absprechen würden.

Gespräche müssen laut Goebel sowieso noch reichlich geführt werden, denn es geht auch um die Bahninfrastruktur im Visselhöveder Stadtgebiet. „Die Güterzüge, die irgendwann auf der Strecke fahren, sind bis zu 750 Meter lang. Da muss zum Beispiel der Unterbau des Gleiskörpers auch passen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass unser Bahntunnel an der Süderstraße nicht mehr zeitgemäß ist.“

Die Bahnbeauftragte habe die Bürgermeister auch darüber informiert, dass die europaweite Ausschreibung der Planung für den Ausbau in dem Bereich in Kürze beginne. Dabei gehe es zunächst um eine Analyse des Zustands der Streckenabschnitte und der örtlichen Begebenheiten. Im kommenden Jahr folgten Gespräche mit Bürgermeistern der betroffenen Kommunen.

Schon jetzt in der Planungsphase müssten allerdings die Kommunen mit einbezogen werden, betonte Lars Klingbeil, der das Treffen in Hannover anberaumt hatte. „Wir brauchen für große Infrastrukturprojekte wie Alpha-E die Akzeptanz der Bevölkerung. Mir ist es daher wichtig, dass die Anliegen betroffener Kommunen möglichst frühzeitig bei den Planungen berücksichtigt werden“, wird Klingbeil in einer Mitteilung zitiert.

Nicht nur der Ausbau der Schienen an sich sei wichtig, sondern auch Sanierungsprojekte. Diesbezüglich hätte die Runde laut Klingbeils Bericht auch erste Schritte vereinbart. „Der Ausbau des Schienenverkehrs bei einem gleichzeitigen übergesetzlichen Lärmschutz, Zuverlässigkeit des ÖPNV, barrierefreie Bahnhöfe – das alles steigert die Attraktivität von ländlichen Regionen“, fasst der Bundestagsabgeordnete zusammen. Das sei wichtig, damit die Regionen nicht abgehängt werden.

Amerikalinie

Die Amerikalinie von Langwedel über Visselhövede nach Uelzen soll für den Schienengüterverkehr ausgebaut werden. Sie ist Teil des Projekts Alpha-E, das die Seehäfen in dem Dreieck Bremen-Hannover-Hamburg mit dem Süden und Osten der Republik verbinden soll. An der Amerikalinie ist die Errichtung von insgesamt neun Kreuzungsbahnhöfen geplant. Die Strecke wird elektrifiziert, sodass dort täglich 30 Züge mit einer Länge von 750 Metern dort fahren sollen. Die Planungen sind das Ergebnis des Dialogforums Schiene Nord, bei dem sich 2015 Bürgerinitiativen mit Bahn, Bund, Land, Wirtschaftsvertretern, Kommunen und Landkreisen darauf verständigt haben, statt auf Neubau auf die Ertüchtigung vorhandener Strecken zu setzen. Dazu gehört die Amerikalinie, die so genannt wird, weil sie im 19. Jahrhundert von vielen Auswanderern genutzt worden war, die von Bremerhaven in die Neue Welt aufbrachen.

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