„Menschenkontakt gibt es nur aus Versehen“

Chef des Wolfscenters Dörverden gibt Tipps zum Umgang mit den Raubtieren

Wolfsexperte Frank Faß.

Visselhövede - Von Henning Leeske. „Wenn Sie einem Wolf begegnen, rennen Sie auf keinen Fall, sonst lösen Sie damit seinen Jagdinstinkt aus. Denn ein gesundes Tier hat es nur aus Versehen zu dem Kontakt kommen lassen.“ Diesen Ratschlag hatte Frank Faß im Gepäck, als er während einer Veranstaltung der Visselhöveder Grünen über seine Lieblingstiere referierte.

Der Mann aus Dörverden (Landkreis Verden) muss es schließlich wissen, denn er leitet das dortige Wolfscenter. „Die Wölfe wittern uns viel, viel früher als wir sie sehen“, sagte Faß. Der Wolf werde beim menschlichen Kontakt sofort das Weite suchen, aber eine Meldung beim Wolfsberater sollte auf jeden Fall erfolgen. Die Rufnummern seien auf den Internetseiten der Landkreise zu finden.

Die Grünen hatten den Experten eingeladen, weil im Bereich Hiddingen/Riepholm mindestens fünf Tiere heimisch sind, die im vergangenen Winter mehrfach in Fotofallen getappt waren. „Das Rudel stammt wohl von einer Wölfin ab, die aus dem Osten bis an das Gebiet der Oder gewandert ist und mit einem Rüden den Ursprung für eine neue isolierte Wolfspopulation gelegt hat“, informierte Faß. Daher seien die westpolnischen Wölfe eindeutig genetisch den deutschen Nachkommen zuzuordnen.

Die Wissenschaft gehe davon aus, dass in ganz Deutschland eine sogenannte Sättigung der Landschaft erst mit insgesamt 440 Rudeln erreicht wäre, was die interessierte Zuhörerschaft aufgrund der hohen Zahl zum Erstaunen brachte.

In diesem Zusammenhang wies Faß auf Richtlinien hin, die den Umgang mit geschützten Tieren wie dem Wolf bei einer genügend großen Population regelt. Aufgrund von vielen Abkommen zähle das Raubtier „zu einer der strengsten geschützten Arten in Europa“.

„Mit Tollwut infizierte Wölfe müssen sofort getötet werden“

Aber klar sei auch, dass es Konflikte vor allem mit Nutztierhaltern und Menschen mit Hunden geben werde. In einer statistischen Erhebung über den Zeitraum von 1950 bis 2000 habe es keine Übergriffe von Wölfen auf Pferde in Niedersachsen gegeben. Aber in Spanien, wo viele Rudel schon lange lebten, habe es in diesem Zeitraum vier Attacken auf Menschen mit tödlichen Folgen gegeben und weitere fünf Angriffe endeten für die Opfer durch die Infizierung mit Tollwut ebenfalls tödlich. „Daher müssen von dieser Krankheit befallene Wölfe sofort getötet werden“, forderte der Fachmann. „Diese Tiere sind nicht zu retten und stellen sonst eine große Gefahr dar.“

Als Problemwölfe bezeichnete Faß Einzelgänger, die immer wieder Schutzzäune überwinden würden und gelernt hätten, die Weidetiere als leichte Beute zu identifizieren. Als Beispiel böte sich der von Amts wegen getötete Wolf „Kurti“ an, weil er durch die Trennung von seinem Rudel auf dem Truppenübungsplatz Munster Wanderungen in bewohnte Gebiete um Walsrode herum machte und dadurch auffällig wurde.

Das Thema interessierte viele Besucher. - Fotos: Leeske

Ein anderer einsamer Wolf aus dem Cuxhavener Rudel sei auf seinem Ausflug bis nach Rheinland-Pfalz gekommen und dann wieder zurückgekehrt. Diese Wanderroute sei durch Sender oder Fotofallen dokumentiert worden. Bei Wanderungen komme es häufiger zu Problemen, darum müsse der Schutz von Weidetieren Priorität haben. „Der Wolf muss lernen, dass Weidezäune, die unter Strom stehen, nicht gut für ihn sind“, so Faß. Daher sollte die Vergrämung schon frühzeitig von Fachleuten betreut werden. Außerdem wäre mehr finanzielle Förderung von Schutzmaßnahmen für die Tierhalter wichtig. Dabei verglich er die Entschädigung für die Wildgänseschäden in Ostfriesland in der Höhe von sieben Millionen Euro jährlich mit den 250 000 Euro Förderung vom Land für Wolfsschutzzäune.

Ideal für die Vergrämung seien Gummigeschosse, „damit der Wolf lernt, dass der Schmerz vom Menschen ausgeht“, so Faß. Genauso werde er sich den Schmerz durch einen Stromschlag am Weidezaun merken und halte künftig Abstand von den Weiden.

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