Aus dem Iran nach Visselhövede

Pedram Khou: „Meine Heimat ist hier“

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Seine gepflanzte Linde hinter dem Vissel-Bad wächst schon über Miad Pedram Khou hinaus. Er selbst will aber auch noch viel in Visselhövede und in seinem Leben erreichen.

Visselhövede - Von Joris Ujen. Miad Pedram Khou ist angekommen. Seit zweieinhalb Jahren wohnt der 31-jährige Iraner in Deutschland, macht aktuell eine Ausbildung als Bauzeichner bei der Unternehmensgruppe Hoyer in Visselhövede und engagiert sich ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt.

Aufgrund seiner Glaubensrichtung, dem Christentum, und damit einhergehenden Problemen in seiner Heimat hatte er 2015 den Iran verlassen und wollte eigentlich nach England. Jetzt kann er sich vorstellen, den Rest seines Lebens in Visselhövede zu verbringen. Durch seinen Ehrgeiz und seine freundliche Art hat es Pedram Khou geschafft, ein neues und glückliches Leben zu führen.

Bevor Miad Pedram Khou zu seiner zweimonatigen Reise aus dem Iran aufbrach, studierte er in seiner Heimatstadt Ahvaz Wirtschaftsingenieurwesen. Den Bachelor bereits in der Tasche, wollte der 31-Jährige auch seinen Master-Abschluss absolvieren. Dann kam es aber anders als gedacht. Pedram Khou hatte in der Universität häufig seine Bibel dabei – den Glauben zum Christentum fand er durch seine Tante. 

Eltern und Geschwister sind Moslems

Pedram Khous Eltern und Geschwister sind Moslems. Ein Angestellter der Fakultät sprach ihn auf sein Buch an, fragte ihn, was das soll, und sagte: „Du darfst nicht mehr wiederkommen“, erinnert sich der Neu-Visselhöveder an den Rauswurf. „Die Polizei kam auch zu uns nach Hause, stellte Fragen über meine Glaubensrichtung. Es war nicht leicht, und ich sah im Iran keine Zukunft mehr für mich.“ Und so machte er sich auf nach Europa.

Über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien und Österreich gelangte er schließlich nach Deutschland. „Ich wollte ursprünglich nach England, da ich damals dachte, dass es in Deutschland viele Nazis und die Pegida gibt“, erzählt der Geflüchtete, der die deutsche Sprache schon beeindruckend fließend beherrscht. Von Bayerns Hauptstadt München ging es mit dem Bus zur Kaserne nach Visselhövede. 

Nach drei Wochen Aufenthalt machte sich Pedram Khou auf zur St.-Johannis-Kirche, um erste Kontakte mit den Einheimischen zu knüpfen. Das gelang ihm auch recht schnell, und er lernte im Gotteshaus „meine deutsche Mutter“ kennen, wie er sagt. Eine Frau, die ihm später auch seine Lebensgefährtin vorstellte. Er erinnert sich auch noch an die erste Reaktion der anderen Kirchengänger, als er dort das erste Mal war: „Alle haben erstmal geguckt und waren verwundert, wer ich bin, auch wegen meiner Hautfarbe.“

Bürgermeister stellt sich vor

Es dauerte nicht lange, bis Pedram Khou Bürgermeister Ralf Goebel kennenlernte, der sich bei den Flüchtlingen vorstellte. „Ich fragte mich nur: Was ist ein ,Bürgermeister‘? Dann erfuhr ich, dass er so eine Art Präsident ist.“

In der Kaserne integrierte sich der Iraner sofort, indem er als Dolmetscher ehrenamtlich aushalf: Auf Englisch, Persisch und Arabisch, Deutsch kam erst später dazu. Er fand dadurch und über die Kirche schon viele Freunde und wollte nicht mehr auf die Insel. „Da war mir klar: Um hier bleiben zu dürfen, muss ich viel lernen!“ Und das tat Pedram Khou.

Nach neun Monaten Kaserne ging es für ihn auf den Campus nach Unterstedt, wo er sechs Monate wohnte. Auch in der Wümmestadt suchte und fand der junge Mann neue Freunde. Beim Straßenzirkus „La Strada“ arbeitete er als Helfer mit, baute Tische auf und ab. Dabei lernte er mit Andreas Weber (SPD) den nächsten „Präsidenten“ kennen, der sich bei Pedram Khou für sein Engagement bedankte. Für den Iraner stand aber fest: „Ich will zurück nach Visselhövede.“

Um diesen Wunsch zu verwirklichen, nahm der 31-Jährige den kürzesten Weg und ging direkt ins Büro von Weber, der zufällig an dem Tag auch Geburtstag hatte. „Er dachte zuerst, dass ich ihm gratulieren möchte“, sagt Pedram Khou und lacht. Er klärte den Verwaltungschef dann über sein tatsächliches Anliegen auf. Weber wollte ihn bei seinem Umzug unterstützen und wendete sich an Superintendentin Susanne Briese, die wiederum Kontakt zu Goebel aufnahm.

Linde ist schon gut gewachsen

Pedram Khou wollte unbedingt ein Zeichen setzen, um zu zeigen, wie ernst er es mit seiner Zukunft in Deutschland meint. Er schlug vor, einen Baum in Visselhövede zu pflanzen, der symbolisch für seine neue Heimat stehen sollte. Goebel fand die Idee klasse und lud zum Pressetermin. 

Visselhövedes Bürgermeister wusste von Pedram Khous akademischer Laufbahn und holte Heinz-Wilhelm Hoyer, Geschäftsführer der gleichnamigen Unternehmensgruppe, zum Termin hinter dem Vissel-Bad hinzu. Dort pflanzte Miad Pedram Khou im November 2016 seine Linde, die jetzt schon größer als er geworden ist.

Angefangen mit einem Praktikum, dauerte es nicht lange, bis der Iraner einen festen Ausbildungsplatz als Bauzeichner bei Hoyer bekam. „Man muss ja auch mal Glück haben“, sagt er. Seit einem halben Jahr geht er nun diesen Karriereweg, will in diesem Monat nach einer bereits erfolgreichen theoretischen Prüfung zudem seinen Führerschein machen. „Ich habe nichts geschenkt bekommen, sondern einfach alles versucht, um hier Fuß zu fassen.“ Das hat er seit Donnerstag auch offiziell und zeigt dem Redakteur stolz seine Aufenthaltserlaubnis.

Miad Pedram Khou hat nun eine eigene Wohnung und ein festes Einkommen. Ein junger Mann, der mit viel Mut und Engagement eine neue Heimat gefunden hat.

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