Drögenbostels Ortsvorsteher gibt Opfern einen Namen

Mahnung für den Frieden

Ortsvorsteher Michael Meyer möchte mit Findlingen rechts und links des bestehenden Denkmals namentlich an die gefallenen Soldaten und auch an die zivilen Opfer aus dem Dorf während des Zweiten Weltkriegs erinnern. Foto: Wieters

Drögenbostel - Von Jens Wieters. Im nächsten Jahr jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 75. Mal. Und genau aus diesem Grund will Drögenbostels Ortsvorsteher Michael Meyer (CDU) rechts und links neben dem bereits stehenden Gedenkstein an der Hauptstraße zwei weitere, etwa 1,5 Meter hohe Findlinge aufstellen, die an die Gefallenen des Weltkriegs erinnern.

Meyer glaubt, dass dem Ereignis, das „in der deutschen Geschichte wohl die tiefste Zäsur darstellt“, sicherlich durch die staatlichen Institutionen und die Medien besonders gedacht werde.

„Wenn wir heute dieser Opfer gedenken, dann tun wir dies nicht mehr aus Heldenverehrung, sondern als Mahnung für den Frieden und gegen das Vergessen. Denn wer vergisst, läuft Gefahr, Fehler der Vergangenheit zu wiederholen.“

Nun sind Gedenktafeln an sich nichts Besonderes, denn solche Steine gibt es fast in jedem Dorf der Region, aber Meyer will die Thematik anders angehen: „Auf den Steinen sollen nicht nur die Namen gefallener Soldaten verewigt werden, sondern auch die der zivilen Opfer aus dem Ort. Ich habe 14 ermittelt. Darunter ein 15-jähriger Junge, dessen Angehörige nach der Flucht aus Westpreußen hier sesshaft geworden sind.“

Meyer hofft, dass er mit seinem Antrag auf finanzielle Förderung in Höhe von 7 100 Euro während der morgigen Sitzung des Ausschusses für Grünanlagen (ab 16 Uhr im Visselhöveder Rathaus) Zustimmung bekommt, um die Steinmetzarbeiten in Auftrag zu geben. „Denn für diese vielen Namen sind doch einige Buchstaben und Zahlen nötig.“

Die Findlinge bekommt die Ortschaft von Gönnern gesponsort, und das Aufstellen mitsamt Bau des Betonsockels, auf dem später auch Kränze abgelegt werden können ohne die gravierten Namen zu verdecken, werde die Dorfbevölkerung in Eigenregie übernehmen.

Meyer hat nämlich in Gesprächen erfahren, dass 75 Jahre nach dem letzten Krieg auf deutschem Boden ein Abstand zu den Geschehnissen eingetreten ist. „Es gibt immer weniger Zeitzeugen, von denen wir etwas über persönliche Schicksale erfahren können. Und erst anhand eines persönlichen Schicksals kann nachgeborenen Generationen vor Augen geführt werden, welche Schrecken ein Krieg mit sich bringt.“

Es sei von daher wichtig, individuell an die Opfer zu erinnern. „Wenn die Leute Namen lesen, bleiben sie auch mal stehen und denken nach.“ Es habe sich gezeigt, dass die ehemaligen Kriegerdenkmäler heute Mahnmale für den Frieden sein können, wenn diese richtig interpretiert werden.

In Drögenbostel, so Meyer, habe man in den 1950er-Jahren an eine Erweiterung des bestehenden Kriegerdenkmals aus dem Ersten Weltkrieg nachgedacht. Das sei ein paar Jahre so gegangen, als auch ein eigener Friedhof in der Planung war. „Aber im Zuge der Gebietsreform kam es leider nicht mehr dazu. Anlässlich des Gedenktags im kommenden Jahr möchte ich diese Idee aufgreifen und für die Opfer des Zweiten Weltkrieges diese Steine aufstellen lassen.“

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