Kommunalwahl

Imke Bischof aus Visselhövede absolviert Mentoring-Programm und steigt in die lokale Politik ein

Dagmar Kühnast (l.) freut sich, dass Imke Bischof dank des Programms in der Kommunalpolitik mitmacht.
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Dagmar Kühnast (l.) freut sich, dass Imke Bischof dank des Programms in der Kommunalpolitik mitmacht.

Visselhövede – Auch wenn es weh tut und enttäuschend ist: Niederlagen muss man akzeptieren. Das ist im Sport ebenso wie in der Kommunalpolitik. „Ja, ich war schon ein wenig erschüttert, als der Antrag auf Bildung eines Ortsrats für den Kernort Visselhövede keine Mehrheit gefunden hat. Dabei hatte ich so viel Herzblut in das Projekt gelegt“, sagt Imke Bischof.

Jetzt werden sich viele Insider fragen: Imke Bischof, deren Name taucht doch auf keiner Ausschussliste auf. Richtig – noch nicht! Denn die 57-jährige Polizistin wird sich jetzt in der Visselhöveder Kommunalpolitik engagieren und ohne Parteibuch einen Platz auf der SPD-Liste für die Wahl des Stadtrats am 12. September einnehmen.

Bischof und Gaby Stöhr haben nämlich über das von der Niedersächsischen Landesregierung initiierte Mentoring-Programm „Frau. Macht. Demokratie.“ Lust auf die Politik vor Ort bekommen.

„Ich hatte von der Idee in den Visselhöveder Nachrichten gelesen und habe sofort Dagmar Kühnast angerufen, die ja seit zehn Jahren im Stadtrat sitzt“, berichtet Bischof. Sie habe zwar auch schon vorher mit dem Gedanken gespielt, sich politisch zu engagieren, aber der Bericht über das Programm habe ihr den „letzten Schubs“ gegeben – „auch weil ich finde, dass Frauen in der Visselhöveder Politik völlig unterrepräsentiert sind“. Womit sie nicht unrecht hat, denn von den 25 Plätzen im Stadtrat sind vier von Frauen besetzt.

Im Rahmen des Programms hat Dagmar Kühnast die beiden Newcomer in den vergangenen beiden Jahren Stück für Stück an die kommunale Politik herangeführt. „Sie haben an Fraktionssitzungen teilgenommen, haben mitbekommen, wie verschiedene Ideen entwickelt und so vorbereitet werden müssen, dass sie auch mehrheitsfähig sind“, erläutert Mentorin Kühnast den Kursus ihrer Schützlinge.

Ich möchte selber etwas für die Allgemeinheit gestalten, Stadt und Dörfer weiter entwickeln. Nur meckern kann jeder, aber selber aktiv werden, ist wichtig.

Imke Bischof

„Da war das Ortsrat-Thema ein Paradebeispiel“, so Imke Bischof. Aber auch von solch einer Niederlage dürfe man sich nicht unterkriegen lassen. Ganz im Gegenteil: „Ich möchte selber etwas für die Allgemeinheit gestalten, als es nur durch Dritte mitzubekommen. Ich möchte die Stadt und die Dörfer weiter entwickeln. Nur meckern kann jeder, aber selber aktiv werden, ist wichtig.“ Sie sei eh ein Mensch, der sich für andere engagiere. „Im Personalrat bei der Polizei, früher im Elternrat und in der Gewerkschaft. Und in der Kommunalpolitik ist die Arbeit so vielfältig. Das macht richtig Spaß, ich habe echt Lust darauf.“

Klar weiß auch Bischof, dass viele Frauen neben Job und Kindern den zeitlichen Aufwand scheuen, der für die politische Arbeit aufgebracht werden muss, aber „es ist abwechslungsreich und die Zeit hält sich in Grenzen, wenn man sich strukturiert.“

Mittlerweile habe sie durch das Programm einen besseren Einblick in die Visselhöveder Politik bekommen und ist wie Dagmar Kühnast der Meinung, dass „Frauen doch ganz anders an viele Themen herangehen als Männer. Auch unsere Sicht auf bestimmte Dinge ist anders. Und da wir die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, wird es Zeit, dass mehr Frauen in den Parlamenten sitzen. In Visselhövede, in Hannover, in Berlin und in Brüssel.“

Darum gehe es auch gar nicht – um die eine oder die andere Partei, so Kühnast, sondern das Programm sei natürlich für alle Parteien und Wählergemeinschaften gedacht. So hätten alle vier Frauen aus dem Stadtrat, Pamela Helmke und Astrid Kirmeß (beide CDU), Irene Becker (WiV) gemeinsam mit ihr und der Visselhöveder Frauenbeauftragten Jeanine Bröske damals zur Teilnahme am Programm aufgerufen. „Ich hatte das Glück, dass sich vier gemeldet haben, zwei aber wieder absagen mussten“, freut sich Kühnast über die Zusage von Bischof und Stöhr. „So haben wir zur Wahl fünf Frauen auf unserer Liste“, so die Schwitscher Ortsbürgermeisterin.

Gaby Stöhr wird noch nicht dazu zählen. „Leider“, sagt die in Visselhövede vor allem als DLRG-Sprecherin bekannte Frau. Sie muss allerdings noch längere Zeit das Krankenbett hüten. „Wenn ich wieder fit bin, unterstütze ich aber gerne und werde mich politisch engagieren“, so Stöhr. Sie kam über die Kindergarten-Schule-Schiene ihrer Schwiegertochter auf die Idee, nicht nur im Verein, sondern auch in den politischen Gremien ihrer Heimatstadt aktiv mitzumachen. „Das Programm hat mir tiefe Einblicke gegeben, warum manche Entscheidung so getroffen wird, und warum jemand so abstimmt, obwohl seine Redebeiträge ein ganz anderes Abstimmungsverhalten vermuten ließen.“ Das bekomme man als Außenstehender nämlich gar nicht mit und jeder frage sich, warum XY jetzt so abstimme. „Darum kann ich nur appellieren: Frauen aus Vissel, macht mit bei der Politik.“

Das Programm „Frau.Macht.Demokratie.“

Das halbe Dutzend ist voll, denn so lange gibt es in Niedersachsen bereits das Mentoring-Programm „Frau.Macht.Demokratie.“ Damit will die Landesregierung erreichen, dass Sichtweisen und Perspektiven von Frauen in die kleine und große Politik einfließen können, indem einfach mehr Frauen in den entsprechenden Parlamenten sitzen. Denn das ist aktuell verbesserungswürdig. Der Frauenanteil im Europaparlament beträgt 36 Prozent. Im Deutschen sind es 31 Prozent Frauen, im Niedersächsischen Landtag 28 Prozent und in den Kommunalgremien des Landes nur 24. Im Visselhöveder Rat sitzen vier Frauen und 21 Männer.

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