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Bürgermeisterwahl in Visselhövede: Lüdemann setzt sich gegen Dunecke durch

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Von: Jens Wieters

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Mathias Ullrich und Heiner Gerken (r.) gratulieren André Lüdemann digital zum Wahlerfolg.
Mathias Ullrich und Heiner Gerken (r.) gratulieren André Lüdemann digital zum Wahlerfolg. © Wieters

Der Scheeßeler André Lüdemann ist neuer Bürgermeister Visselhövedes. Bei der gestrigen Stichwahl setzte sich der parteilose 42-Jährige mit 66,8 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen den CDU-Kandidaten Jürgen Dunecke durch, der 33,2 Prozent der Stimmen bekam.

Visselhövede – Sozusagen in der Nachspielzeit haben die Visselhöveder ihren neuen Bürgermeister gewählt. Am Sonntag gegen 18.45 Uhr knallten im Haus des Scheeßelers André Lüdemann die Sektkorken und ein großes Bier wurde eingeschenkt, denn der 42-Jährige, der von der SPD, den Grünen und auch der FDP und der WiV im Wahlkampf unterstützt wurde, setzte sich während der Stichwahl mit 66,8 Prozent der Stimmen gegen den CDU-Kandidaten Jürgen Dunecke (59) durch, der 33,2 Prozent der abgegebenen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 46. 67 Prozent auf sich vereinigen konnte.

Lüdemann, selbst parteilos und politischer Newcomer, konnte seinen Sieg nicht wie gedacht mit seinen Unterstützern beim Griechen am Visselhöveder Marktplatz feiern, sondern lediglich mit seiner Familie, da ihn Corona in die häusliche Quarantäne zwingt. Er werde sich jetzt jeden Tag testen lassen, bis das Ergebnis negativ sei, um so schnell wie möglich die Nachfolge des scheidenden Bürgermeisters Ralf Goebel (62) anzutreten, so Lüdemann, der bisher in Visselhövede als Geschäftsführer eines Unternehmens tätig ist, das Ersatzteile für landwirtschaftliche Maschinen vertreibt. „Erst einmal vielen Dank an meine Familie, meine Freunde und alle meine Unterstützer sowie natürlich an alle Visselhöveder, die mir doch ein sehr gutes Ergebnis beschert haben.“ André Lüdemann merkt man an diesem Sonntagabend an, dass er richtig Lust darauf hat, neuer Bürgermeister von Visselhövede zu werden. Er weiß aber auch, dass „man nicht vom Tag eins an Bürgermeister ist, sondern nach und nach Bürgermeister wird“.

Ihm ist auch klar, dass sein Amt schon in der kommenden Woche sehr arbeitsintensiv wird, wenn die „Frauen und Kinder aus der Ukraine“ in der ehemaligen Kaserne untergebracht werden müssen“. Aber zum Glück könne er seine Erfahrung in die Waagschale werfen, die er bereits 2015 bei der Flüchtlingswelle als Liegenschaftsverwalter der Firma JBS auf dem Gelände gesammelt habe.

„Aber auch alle anderen für Visselhövede wichtigen Themen, die auch schwierig werden können, werden wir jetzt Stück für Stück angehen“, so Lüdemann. Ihm sei es jetzt wichtig, erst einmal im Rathaus den erfahrenen Verwaltungsmitarbeitern zuzuhören und mich einzuarbeiten“.

Visselhövedes CDU-Chef Michael Meyer (l.) dankt Jürgen Dunecke für sein Engagement.
Visselhövedes CDU-Chef Michael Meyer (l.) dankt Jürgen Dunecke für sein Engagement. © -

Während Lüdemann nur via Bildschirm seinen Unterstützern zuprosten konnte und per Mikrofon und Lautsprecher die Glückwünsche entgegennahm, saß Jürgen Dunecke mit CDU-Mitgliedern im Café „NebenAn“ und war „vor allem traurig, über die erneute sehr schwache Wahlbeteiligung, die auch vor meinem Heimatort Jeddingen nicht halt gemacht hat“.

Er selber habe sich nichts vorzuwerfen, sondern habe einen „engagierten Wahlkampf gemacht, aus dem ich eine ganze Menge mitnehme“. Auch er dankt seiner Familie, dem Freundeskreis, der „eine Menge auf die Beine gestellt hat“, und auch den CDU-Mitgliedern für die Unterstützung.

„Ich gratuliere André Lüdemann herzlich zu seinem überzeugenden Ergebnis und wünsche ihm viel Glück bei den vielleicht doch kniffeligen Entscheidungen“, so der Jeddinger, der nun weiter Lehrer bleiben will, und den Comic-Helden „Werner“ mit dem Satz zitiert: „Zum Glück, morgen ist Berufsschule.“

André Lüdemann wird in den kommenden Stunden wahrscheinlich noch etwas unruhiger im Scheeßeler Corona-Testcenter sitzen und auf das Ergebnis des Abstrichs hoffen: „Denn ich habe echt richtig Lust, so schnell wie möglich das Amt auszuführen.“

Ein Sieg des Alters

Ein Kommentar von Jens Wieters

Mit knapp einem halben Jahr Verspätung hat jetzt auch die Stadt Visselhövede einen neuen Bürgermeister. Zwar gab es kein Führungsvakuum, da der bisherige Amtsinhaber Ralf Goebel freiwillig einige Monate hinten dran gehängt hat und im Rathaus eine Verwaltung sitzt, die es auch mal sehr gut ohne Chef gewuppt bekommt, aber letztlich hat die kuriose und niedersachsenweit fast einmalige Situation doch ein wenig am Image des Städtchens gekratzt. „Typisch Vissel!“, war immer wieder zu hören, wenn das Gespräch auf die jetzt insgesamt drei Bürgermeisterwahlen kam. Aber damit ist jetzt Schluss, mit dem sicher bald von Corona genesenen André Lüdemann steht jetzt ein Mann an der Spitze, der sicherlich nicht nur, aber auch aufgrund seiner 42 Jahre auf den Bürgermeisterstuhl gewählt wurde. Denn schon in den Wochen vor der entscheidenden Wahl war auf den Straßen, an der Bäckertheke und in Vereinsheimen zu vernehmen, dass sich die Visselhöveder einen Bürgermeister wünschen, der auch mal zwei Wahlperioden durchhält – vielleicht war das das Zünglein an der Waage, weil sich beide Kandidaten zu vielen Themen ähnlich geäußert hatten. Zwei Perioden hatten weder Goebel und Franka Strehse noch Jens Kullik geschafft. Zwar wurde auch der 59-jährige Jürgen Dunecke nicht müde, immer wieder zu betonen, dass er auf jeden Fall zwei Amtszeiten als Rathauschef arbeiten wolle, aber so richtig abgenommen haben ihm das die Visselhöveder wohl nicht, denn immerhin wäre der Jeddinger bei der nächsten Kommunalwahl knapp 65. Aber sei‘s drum, Lüdemann muss jetzt berufliches Neuland entdecken, sich in die doppische Haushaltsführung einlesen, die komplizierte Abwassergebührensatzung verstehen und sachlich Themen moderieren, die schon jetzt Ärger versprechen: Die Diskussion über den Schulstandort Jeddingen, die Auslegung des Feuerwehrbedarfsplans oder die Belebung der Innenstadt. All das wird ihn fordern – trotz seines relativ jungen Alters. Dazu kann man ihm nur Glück wünschen, was auch sein Konkurrent Dunecke getan hat. Das ist dann aber auch „typisch Vissel“.

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