Technik läuft, Menschen fehlen

Lockdown im Visselhöveder Hallenbad: Jeden Tag eine Inspektionsrunde

Betriebsleiterin Gitta Brunkhorst während ihres täglichen Inspektionsrundgangs im Hallenbad.
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Mit Maske im Keller: Betriebsleiterin Gitta Brunkhorst während ihres täglichen Inspektionsrundgangs im Hallenbad.

Gitta Brunkhorst und Anja Runge vom Visselhöveder Hallenbad müssen die Technik der Freizeiteinrichtung regelmäßig kontrollieren - auch wenn es derzeit wegen der Schließung gar keine Nutzer gibt. Bei der Inspektion geht Sicherheit immer vor.

Visselhövede – Mollig warm ist es in der großen Halle. Das sich leicht kräuselnde Wasser in den beiden Becken lädt zum Hineinspringen und Erfrischen ein, aber dennoch müssen sich Gitta Brunkhorst und Anja Runge sperrige Masken über ihre Gesichter ziehen. Denn wenn die Chlorgasanlage des Visselhöveder Hallenbades gescheckt wird, steht die Sicherheit für das Personal ganz oben an.

„Aber es ist alles okay, die Ventile sind dicht und die Förderung arbeitet“, sagen die beiden Fachangestellten für Bädertechnik nach der Überprüfung und verlassen den separaten Raum an der Außenhaut des Gebäudes. Das hochgiftige Chlor muss natürlich so gelagert werden, dass im Falle eines Falles die Feuerwehr direkt Zugriff hat.

Also nehmen Brunkhorst und Runge die schweren Gasmasken wieder ab und tauschen sie gegen die üblichen Corona-Masken, um die Inspektion der Hallenbadtechnik weiter zu führen, denn obwohl das Haus seit vergangenem November geschlossen hat, „ist einer von uns jeden Tag hier“, sagt Badleiterin Brunkhorst, die sich jetzt auf den Weg in den Keller macht, um die riesigen Filter zu spülen.

Viel Wasser rauscht beim Spülen aus den Filtern.

Dort tippt sie ein paar Befehle auf den Bildschirm und schon arbeitet die Anlage vollautomatisch. Dank hydropneumatischer Technik ergießen sich einige tausend Liter Wasser aus den Filtern, fließen zunächst durch den Abscheider und dann in die Visselhöveder Kläranlage. „Wir halten auch jetzt in der Schließzeit alles in Gang, weil die Pumpen, Filter und Ventile arbeiten müssen. Ein Stillstand könnte größere Schäden nach sich ziehen“, erläutert Brunkhorst. Sie schnappt sich einen kleinen Becher und fischt Proben aus den beiden Becken. „Denn auch der Chlorgehalt und natürlich der pH-Wert des Wassers müssen täglich geprüft werden.“

Im Prinzip könnte das Bad binnen 24 Stunden wieder voll betriebsbereit sein. Denn nur die Temperatur in dem 25 mal zehn Meter großen Sportbecken und dem zehn mal sechs Meter großen Lehrbecken wurde ein wenig abgesenkt. „Die lässt sich schnell wieder hochfahren“, so Brunkhorst. Die Wärme kommt seit vielen Jahren größtenteils aus der Nindorfer Biogasanlage der Familie Lüdemann.

Moderne Technik hat analoge Systeme abgelöst.

Aber das Hallenbad-Team entwickelt gerade gemeinsam mit der Verwaltung Pläne, wie und vor allem wann in den kommenden Wochen die jährliche Grundreinigung und die üblichen Instandhaltungsarbeiten gemacht werden können, für die das Wasser raus muss. „Dafür sind eigentlich immer die Wochen in den Sommerferien vorgesehen, aber vielleicht können wir es ja noch in den Zeitraum des Lockdowns legen, dann können wir im Sommer auflassen“, so Brunkhorst, die das Bad seit zwölf Jahren leitet. Denn auch in den warmen Monaten ist das Visselhöveder Hallenbad gut besucht. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sich eine Seite der Halle großflächig öffnen lässt, sodass die Badegäste die hölzerne Terrasse nutzen können oder sich sogar auf der Liegewiese, die das ehemalige Freibad bedeckt, in der Sonne aalen können. „Das war schon eine gute Investition“, freut sich Brunkhorst.

Sie ist allerdings ein bisschen traurig, dass das Hallenbad wegen Corona komplett schließen musste, weil „wir ein Super-Hygienekonzept haben“. So durfte vor dem Lockdown jeweils nur eine Person die Duschräume benutzen, im Wasser konnten sich die Gäste durch die Bahnabtrennungen nicht begegnen und überhaupt waren nur vier Schwimmer zeitgleich möglich. Von montags bis freitags konnten sie die 60 Minuten reservieren. „Das wurde im vergangenen Sommer prima angenommen. Und die Menschen waren so dankbar, dass wir ihnen das Badevergnügen ermöglicht haben“, erinnert sich Brunkhorst.

Die kann jetzt gemeinsam mit ihrem dreiköpfigen Team aber auch „den ganzen Schreibkram erledigen“, der bei normalem Betrieb liegen bleibt. „Dazu gehören auch die Vorbereitungen der Kinderschwimmkurse, die natürlich jetzt auch alle ausfallen müssen.“

Das sei sehr schade vor allem für die Grundschüler, weil eine Schwimmausbildung zum Lehrplan gehört. „Und die Statistiken sagen, dass immer weniger Grundschüler sicher schwimmen können. Das ist auch ein Aspekt, der in der Corona-Krise nicht vergessen werden sollte.“

Der Druck stimmt: Pumpe in Standby-Modus.

Darum haben Brunkhorst und Co. eine Bitte an die Eltern: „Wenn es wieder möglich ist, gewöhnen Sie ihre Kinder so früh wie möglich ans Wasser, damit sie sich auf die eigentlichen Kurse gut vorbereiten können.“

Natürlich stünde auch das Schwimmmeisterteam für Fragen und Tipps kostenlos zur Verfügung, „wenn wir dann endlich wieder aufmachen dürfen“, so Brunkhorst. Aber vorher muss sie sich sicher noch einige Male die Gasmaske überstülpen und im Technikkeller nach dem Rechten sehen.  

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