Ausstellung „Farbspiele“ im Wasserturm

Künstlerin Roswitha Wagner: „Am liebsten male ich nachts“

Roswitha Wagner

Visselhövede - Im Visselhöveder Wasserturm auf dem Sonnentaugelände läuft zurzeit die Ausstellung „Farbspiele“ (Sonntag von 15 bis 18 Uhr geöffnet), bei der mehrere Künstlerinnen ihre Werke ausstellen. Unter ihnen auch Roswitha Lange aus Visselhövede, die wir in einem Interview vorstellen.

Frau Lange, wo leben und arbeiten Sie?

Roswitha Lange: Ich lebe und male in Visselhövede und fühle mich in meinem Haus und meinem Garten besonders wohl. Ich stamme aus Niederbayern, meine Tätigkeit als Lehrerin am Ratsgymnasium Rotenburg verschlug mich hierher.

Was bedeutet Ihnen die Malerei? Wie entstehen Ihre Bilder?

Lange: Farben und abstrakte Malerei haben mich schon immer fasziniert. Seit 2004 habe ich verschiedene Malschulen besucht. Meine ersten Bilder waren Aquarelle, sonst male ich nur abstrakt, am liebsten aus dem Bauch heraus. Ich liebe die Freiheit in der modernen Kunst. Sie ist ein Ausgleich zu meiner anderen Seite, der Mathematiklehrerin mit den determinierten Schlussfolgerungen und Lösungen. Das Bild und ich – wir sind in intensiver Kommunikation. 

Am liebsten male ich nachts, wenn ich weiß, jetzt liegt nichts anderes an. Im Malprozess verspüre ich weder Hunger noch Durst und lange keine Müdigkeit. Ich genieße die Stille der Nacht und die Intensität des kreativen Flusses im sich ständig verändernden Bild. Er nährt meine Seele während des Malens und eine Zeit lang danach. Ich kann mich eine Weile kaum von meinem Werk trennen.

Welche Techniken und Hilfsmittel verwenden Sie und wie lange arbeiten Sie in etwa an einem Bild?

Lange: Ein Keilrahmen vor mir gibt dem Malen von Beginn an eine gewisse Wichtigkeit, mehr als ein Papierblock. Meist male ich mit Acrylfarben, es gibt aber auch Aquarelle und Ölbilder von mir. Der Pinsel ist fast bei jedem Bild im Einsatz, oft zuerst oder mehrmals oder generell der Spachtel. Der liefert leichte, lebendige Flächen, der Pinsel leichte, klare Grenzen. Ich habe auch schon mit Holzstückchen, Zahnbürsten, Flaschenbürsten und Kämmen zum Farbe Auftragen oder Strukturieren experimentiert. Manche Bilder werden an einem Tag fertig, manche in einer Woche oder erst in einem Monat. Viele Bilder aber haben auch eine Entstehungsgeschichte von vielen Jahren. Es gibt dann zahlreiche Farbschichten übereinander und eine mehrmalige Veränderung des Bildaufbaus.

Gibt es eine typische Handschrift in Ihrer Malerei?

Lange: Ich habe viele kontrastreiche Bilder mit dem Farbvierklang magenta, grün, ultramarin, orange und Abwandlungen davon gemalt. Er hat mich zum Beispiel bei Paul Gauguin sehr angesprochen. Meine Bilder sind oft dynamisch durch diagonalen Aufbau. Die Flächen sind rhythmisch unterteilt. Ich liebe es, wenn selbst kleine Flächen noch viel Eigenleben zeigen durch Farbvielfalt oder Strukturen. Mein Ziel ist immer der stimmige Gesamtklang meines Bildes. Ich liebe die Formenvielfalt.

Welche Maler oder Künstler inspirieren Sie?

Lange: Inspiriert bin ich von Klee, Marc, Kandinsky, Hundertwasser, Petschat und vielen anderen. Vorbilder habe ich nicht.

Stellen Sie sich ein Leben ohne Malerei vor.

Lange: Das will ich mir gar nicht vorstellen. Ich bin so dankbar für mein Sehen, für mein kleines Malzimmer, für die Zeit, das Geld und nicht zuletzt die Gesundheit, um malen zu können.  

jw

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