Kita und Schule unter einem Dach

„Leuchtturm“ Primar Campus - Stadtrat stimmt dafür

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Bereichsleiter Mathias Haase (r.) verteilt die Abstimmungszettel.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Dem Bau eines sogenannten Primar Campus auf der Freifläche zwischen dem städtischen Kindergarten Fabula und der Kastaniengrundschule steht nichts mehr im Weg. Denn der Visselhöveder Stadtrat hat am Donnerstagabend quasi über Umwege grünes Licht für die rund 5,05 Millionen Euro teure Bildungseinrichtung gegeben.

Denn der von der Gruppe CDU/FDP und der WiV eingebrachte Antrag auf Bau einer Kindertagesstätte auf dem Marktplatz am Majorsbruch fand nach geheimer Abstimmung, die von Dagmar Kühnast (SPD) beantragt und mit 15 zu 10 Stimmen angenommen wurde, keine Mehrheit. 

Elf Stimmen für den Majorsbruch, 13 dagegen und eine Enthaltung verkündete Ratsvorsitzender Charly Carstens (CDU) nicht nur dem Rat, sondern auch den rund 50 anwesenden Zuschauern. Durch die Ablehnung des Antrags hat der bereits im Dezember 2017 gefasste Campus-Beschluss Gültigkeit, der im Erdgeschoss des Neubaus an der Kastanienschule Kindergarten- und Krippenräume vorsieht, während im Obergeschoss Grundschüler in vier Klassenräumen unterrichtet werden.

Für die Campus-Befürworter ergeben sich Synergien zum Kindergarten Fabula. Ein weiterer Vorteil des neuen Kindergarten- und Schulkonzeptes als Campus liege in der noch engeren Zusammenarbeit der Erzieher mit den Lehrern der Grundschule. Sie sehen eine gute Chance, die frühkindliche Bildung noch besser zu gestalten. Schulsozialarbeit und Elternarbeit würden hier an einem Ort zusammengeführt. Eine Konzeption, die Kita und Schule miteinander verzahnt, ist seit einigen Jahren der pädagogische empfohlene Entwicklungsweg.

Im Vorfeld der Entscheidung gab es wie nicht anders zu erwarten eine Generaldebatte, bei der Campus-Befürworter und_-gegner ihre Argumente vorbrachten.

So ist für Willi Bargfrede (CDU) der „Majorsbuch der richtige Platz für einen neuen Kindergarten, weil wir uns im Gegenzug Erweiterungsmöglichkeiten an der Schule offen halten. Außerdem ist das die kostengünstige Variante.“

Eckhard Langanke (WiV) steht einer „Massierung von Krippen- und Kindergartenkindern sowie Grundschülern an einem Ort“ skeptisch gegenüber und ist „mehr für eine räumliche Trennung von Kita und Schule“.

Dagmar Kühnast (SPD) sieht in dem Campus ein „zukunftsweisendes Leuchtturmkonzept, das von allen Fachleuten wie der Landesschulbehörde, Erziehern und Lehrern bevorzugt“ werde. Der Bedarf sei da und man müsse darum schnell handeln.

Heiner Gerken (Grüne) findet, dass der „Campus ein tolles Projekt für Visselhövede ist und den Erziehern und Lehrern attraktive Arbeitsplätze bietet“. Er konnte am Donnerstagabend nicht verstehen, dass sich „CDU und WiV wie eine Betonwand“ verhielten, zumal ihre Einwände gegen den CampusBau seit August durch die unabhängigen Gutachter entkräftet worden seien.

Bürgermeister Ralf Goebel betonte, dass beide Varianten nach den neuesten Kostenermittlungen ungefähr gleich viel kosten würden. Für ihn war es darum völlig unverständlich, dass sich CDU und WiV gegen das pädagogische Konzept von Lehrern, Erziehern und Eltern ausgesprochen haben: „Das ist leider eine Gruppe, die heute nicht mit abstimmen darf“, so Goebel, den die vergangenen Monate „total genervt“ haben. „Wenn wir eine Entscheidung getroffen haben, müssen wir uns dringend zusammensetzen, denn unsere Zusammenarbeit hinsichtlich der Erarbeitung von Beschlüssen muss besser werden. So habe ich nämlich keinen Bock mehr, Bürgermeister zu sein.“ Er appellierte an seine Ratskollegen, nur „dann abzustimmen, wenn man sich sicher ist. Wenn man Bauchschmerzen hat, kann man sich auch enthalten“.

Lothar Cordts (SPD) fragte in die Runde, „wo die Prioritäten unserer Entscheidung eigentlich liegen: Bei der pädagogischen Betreuung unserer Kinder oder der Ausweisung von Parkplätzen?“ Ihn mache es ärgerlich, wenn „wie hier im Rat von vorwiegend älteren Vertretern ohne pädagogische Sachkenntnis mit den aktuellen Bedürfnissen ihrer Enkelgeneration und deren junger Eltern an Kita und Schule umgegangen wird“.

Astrid Kirmeß (CDU) hob noch einmal hervor, dass der Majorsbruch sehr gut für eine Kita geeignet sei. „Wir haben uns dieses Sahnestück immer aufgehoben und ich bin der Meinung, dass es für einen Kindergarten genau die richtige Fläche ist.“ Zumal es dort Anbaumöglichkeiten gebe, sollte der Bedarf an Betreuungsplätzen steigen. „Für den Bau des Campus steht einfach zu wenig Fläche zur Verfügung.“ Im Übrigen sei die CDU keine Betonwand, sondern lediglich felsenfest von der Majorsbruch-Variante überzeugt, so Kirmeß in Richtung Heiner Gerken.

Am Schluss der denkwürdigen Debatte stand die geheime Stimmabgabe im benachbarten Trauzimmer, die von den Bereichsleitern Mathias Haase und Gerd Köhnken überwacht wurde. Und dieses Ende ist auch der Beginn der Campus-Planung.

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