Freitag ist Schluss

Dorfschule Wittorf: Das letzte Läuten

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Der Anbau des Wittorfer Schulgebäudes ist aus dem Jahre 1896.

Wittorf - Von Henning Leeske. „Unsere Dorfschule wurde 1837 gebaut und kostete damals 1 200 Taler“, erzählt Ortsbürgermeister Willi Bargfrede bei einem historischen Rückblick im Lehrerzimmer der altehrwürdigen Schule in Wittorf. Mit dabei sind auch der langjährige Schulleiter Erwin Will und die derzeitige Leiterin Sabine Darboven. Wohlwissend, dass in der Dorfschule Wittorf am Freitag die Schulglocke zum letzten Male läuten wird, schwingt bei diesem Treffen viel Wehmut mit.

Allerdings beginnt die Historie der Bildungseinrichtung nicht erst 1837 – Erbauer sei zu seiner Zeit der Zimmermann Heitmann aus Hemsbünde gewesen–, sondern viel früher. Schon seit 1650 sollen die Wittorfer Kinder unterrichtet worden sein. Erwiesen ist der Unterricht seit 1721, da der Schulmeister Christoph Hops in diesem Jahr durch seine Heirat im Kirchenbuch dokumentiert wurde. Das allererste Schulgebäude wurde dann 1785 geschaffen in das 60 Kinder aus Wittorf, Bretel, Rosebruch und Hütthof gingen. Denn die Lüdinger Kinder verliefen sich eines Tages im Wintersturm auf dem schlechten Schulweg und wurden nach langem Suchen in der Düsternheide wiedergefunden. Deswegen gab es dann in Lüdingen eine sogenannte Reih um Schule bei der die Schüler abwechselnd in den Hofstuben unterrichtet wurden.

Das alte Schulhaus, das an der Stelle des jetzigen Dorfgemeinschaftshauses stand, wurde dann 1837 durch den ersten Gebäudeteil des jetzigen Schulhauses ersetzt. Bei der damaligen Kostenaufteilung kam es zum Streit, da für drei Bretler Höfe der Anteil zu hoch schien und erst ein Bretelrabatt ausgehandelt werden musste. Am Giebel der Schule ist das Jahr 1896 vermerkt, da in diesem Jahr das Gebäude um zwei neue Schulklassen und eine Lehrerwohnung erweitert wurde. Im gleichen Jahr raubte das Feuer durch einen Schornsteinbrand diese Erweiterung der Wohnung, die danach gleich durch ein zusätzliches Darlehen bei der Hannoverschen Landeskreditanstalt wiederaufgebaut werden konnte. Um die Schulgeschichte zu bewahren, nutzt Darboven das Treffen, um Bargfrede ein Porträt vom damaligen „Schulmester“ Adolf Ernst zu überreichen.

Sabine Darboven und Erwin Will (r.) übergeben das Porträt vom „Schulmester“ Adolf Ernst an Ortsbürgermeister Willi Bargfrede. 

„Für unsere Kinder ist es sehr faszinierend, in der Schulchronik zu lesen und die Lernbedingungen der damaligen Zeit zu erfahren. Zum Beispiel waren alle sehr überrascht, dass die Schüler damals jeder ein Stück Holz zum Heizen der Schule mitbringen musste“, schildert Darboven. So gebe es noch viele kleine Anekdoten in der Chronik der Bildungseinrichtung zu entdecken.

Will kann sogar noch mehr über die jüngere Geschichte erzählen. Als er 1983 aus Bayern nach Wittorf kam, durfte er gleich seine Erfahrungen im Lehrbetrieb mit einer Fünf-Tage-Woche darlegen, die dann auch in Wittorf umgesetzt wurde. Noch 1951 habe die Schule durch die Verwerfungen des Weltkrieges 270 Schüler gehabt, nachdem das Gebäude 1945 zunächst als Flüchtlingsquartier und Stabsstelle der britischen Armee diente. In den 60er-Jahren war in Wittorf eine Mittelpunktgrundschule mit Klassen von der ersten bis zur achten Klassenstufe, und in den 70er-Jahren verringerte sich die Schülerzahl von 100 Kindern in 1970 auf 75 im Jahr 1979. Auch die Zusammenarbeit mit dem 1989 gegründeten Schulförderverein lobt Will: „Die Identifikation mit unserer Dorfschule ist in Wittorf sehr groß, und die Eltern nebst allen Vereinen engagierten sich vorbildlich für die Schule.“ So gab es 2010 eine Arbeitsgemeinschaft Zukunft mit Lehrern und Eltern, die sich mehr als zehn Mal traf. Gerne erinnerte sich Will an so manchen Schulstreich zurück, wie der riesige Schneeberg vor der Schultür, wodurch die Lehrer durchs Fenster krabbeln mussten. Am Freitag ist aber auch damit Schluss, wenn die Glocke den letzten Schulschluss verkündet.

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