Deutschunterricht für Flüchtlinge / Vernetzung nötig / Fördertopf beim Landkreis

Den Lehrern fehlen die Schüler

Gustav Stegmann, Vorsitzender des Präventionsrats, und Dörte Erber, Flüchtlingshelferin der ersten Stunde, hoffen auf Kontinuität während des Deutschunterrichts. - Fotos: Wieters

Visselhövede - Knapp 20 engagierte Deutschlehrer, aber immer weniger Schüler. Das ist das Dilemma, in dem sich die Visselhöveder Flüchtlingshelfer derzeit befinden. Um auf die neue Situation zu reagieren, trafen sie sich jetzt in der Oberschule, um die weitere Vorgehenweise zu besprechen. Das Fazit: Trotz sinkender Schülerzahl weiter arbeiten mit viel Engagement und vor allem mit weitesgehend gleichem Unterrichtsmaterial.

Denn die Lose-Blatt-Sammlung in den verschiedenen Unterrichtseinheiten soll bald ein Ende haben. „Wir brauchen einheitliches Material, um auch den gemeinsamen Unterricht abzustimmen“, so Hans Gamperl, ehemaliger Lehrer an der Oberschule.

„Eine echte Steilvorlage für die Volkshochschulen und damit auch für uns Hobbylehrer ist das Programm, das der Landkreis gerade erlassen hat. Aus diesem Topf können Honorare bezahlt und Bücher angeschafft werde“, so Gustav Stegmann, Vorsitzender des Visselhöveder Präventionsrats.

Trotz der dünner werdenden Schülerzahlen unterstrich Gamperl, dass „wir dennoch mit vollem Einsatz weitermachen müssen, auch wenn die Leute wissen, dass sie nicht im Land bleiben dürfen“. Das sei man vor allem den Kindern der betreuten Menschen schuldig.

Dörte Erber berichtete, dass im Camp Lehnsheide zurzeit nur noch knapp 200 Flüchtlinge untergebracht seien. „Niemand weiß, ob und wann wir neue Leute bekommen – auch der Landkreis nicht. Und uns fehlen im Augenblick auch die Übersetzter, auf die wir lange Zeit zählen konnten.“ Das beeinträchtige auch den Deutschunterricht, da die Dolmetscher von heute auf morgen in andere Orte gebracht worden seien. „Dabei waren sie in der Visselhöveder Kaserne doch sicher besser untergebracht als in einer Sporthalle in Hannover-Laatzen“, so Erber.

In einer ähnlichen Situation steckten auch die Hobbylehrer, die den Asylbewerbern Deutsch beibringen wollen, die in den Wohnungen im Stadtgebiet leben würden, betonte Stegmann, der sich seit Beginn des Flüchtlingsstroms für die Belange der Menschen einsetzt.

„Wir haben in der Stadt viele Leute aus den Balkanstaaten, die mittlerweile wissen, dass ihre Heimat als sichere Herkunftsländer eingestuft worden sind. Entsprechend niedrig ist die Motivation, Deutsch zu lernen“, hat der Schwitscher Informationen aus den Volkshochschulkursen mitgebracht.

Dennoch gebe es aber Anlass zur Hoffnung, denn „die anderen haben begriffen, dass es nur eine Chance gibt irgendwann Geld zu verdienen, wenn sie der deutschen Sprache mächtig sind.“ Ihn hätten schon einige Arbeitgeber aus der Region angesprochen, ob nicht bald mal die Möglichkeit bestünde, Flüchtlinge einzustellen.

Einig waren sich die „Lehrkräfte“, dass es grundsätzlich eine Vernetzung des Unterrichts zwischen den verschiedenen Standorten im Camp und in der Stadt geben müsse. „Dann werden wir vielleicht auch am Ende nach dem selben Standard unterrichten“, ist Hans Gamperl für die nächsten Wochen optimistisch.

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