Staatssekretär Ferlemann will detaillierte Prüfung entlang der Amerikalinie

Lärmschutz: Jedes Haus wird erfasst

In Jeddingen und Visselhövede fahren der Heidesprinter Erixx und Güterzüge dicht an Häusern vorbei.
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In Jeddingen und Visselhövede fahren der Heidesprinter Erixx und Güterzüge dicht an Häusern vorbei.

Visselhövede – Die Bahnlinie Uelzen-Langwedel, die sogenannte Amerikalinie, verläuft direkt durch Jeddingen und Visselhövede. Sie ist Bestandteil des Bahnprojekts Alpha-E, das als Ersatz für die umstrittene Y-Trasse gelten soll, um Güter möglichst schnell von den Nordseehäfen und Hamburg auf dem Schienenweg weiter zu transportieren. Damit das auch zügig klappt, wird nicht nur die Verbindung Rotenburg-Verden zweigleisig ausgebaut und die Anwohner durch hohe Wände vor Lärm geschützt, sondern auch die Menschen in Jeddingen und Visselhövede werden von der Maßnahme profitieren. „Es wird auf jeden Fall leiser an der Strecke“, sagte der CDU-Politiker Enak Ferlemann, parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, während eins Besuchs in Verden, wo weitere Planungsschritte für Alpha-E besprochen worden sind.

„Auf Strecken mit sowohl Güter- als auch Personenverkehr ist das Ziel, von derzeit 60 Prozent Elektrifizierung auf ungefähr 70 Prozent zu kommen. Deswegen wird auch die Amerikalinie elektrifiziert“, so Ferlemann auf Nachfrage des Kirchlintelner Bürgermeisters Wolfgang Rodewald, dessen Mitbürger von der Maßnahme ebenso betroffen sind wie die Jeddinger und Visselhöveder.

Ferlemann will den Anliegern der Strecke die Angst nehmen, was die Elektrifizierung für sie bedeute. „Neue Achs- und Bremstechnik besonders bei den Güterzügen bringt schon eine ganze Menge, auch wenn mehr Züge als jetzt die Strecke nutzen.“

Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel reagierte am Rande der Jeddinger Ortsratssitzung auf diese Ankündigungen aus dem Verkehrsministerium: „Egal ob die Elektrifizierung als Neubau oder Ausbau gilt, es muss mindestens der gesetzliche Lärmschutz die Folge sein.“ Das würde eine starke Verbesserung für die Anwohner bedeuten.

Aber wie steht es konkret mit der Planung? „Das vierten Investitionsbeschleunigungsgesetz sieht vor, dass nur kurze Streckenelektrifizierungen bis zu 15 Kilometer Länge ohne weitere Ausbauten von der Pflicht zur Planfeststellung freigestellt sind“, heißt es dazu aus dem Bundesverkehrsministerium. Auch bei Nutzung dieser Planungsvereinfachung müsse der gesetzlich vorgeschriebene Lärmschutz unverändert eingehalten werden.

Für eine Elektrifizierung der Amerikalinie könne aufgrund der Länge von rund 100 Kilometer und der umfangreichen weiteren Ausbauten wie zum Beispiel zusätzliche Überholmöglichkeiten diese Erleichterungen aber nicht genutzt werden, sodass das übliche Planfeststellungsverfahren erforderlich werde. „Der Umfang der an der Strecke Langwedel- Uelzen erforderlichen Lärmvorsorgemaßnahmen muss im Rahmen der laufenden Planungen geklärt werden“, teilt Ines Göhler aus dem Büro Ferlemann mit.

Anhand eines Katasters müsse festgestellt werden, wo die gesetzlichen Grenzwerte nur durch zusätzlichen Lärmschutz erreicht werden können. „Es werden alle Wohnhäuser und ihre Lärmbelastung individuell erfasst.“ Das heiße jedoch auch, dass nicht automatisch überall neue Lärmschutzwände gebaut würden, weil zum Beispiel Splittersiedlungen vom gesetzlichen Lärmschutz ausgenommen werden könnten.

Die Verkehrslärmschutzverordnung weise für klassische Wohngebiete einen Grenzwert von 59 Dezibel tagsüber und nachts mit 49 Dezibel aus. Für Schulen und Altenheime gelten die etwas niedrigeren Immissionsgrenzwerte von je zwei Dezibel weniger.

Der zusätzliche Lärmschutz könne aber auch eine passive Maßnahme sein, wie Lärmschutzfenster in den Häusern. Genau das werde im Planfeststellungsverfahren im Detail überplant, heißt es aus Berlin.

Daher ist die Pflicht zur Planfeststellung wegen der langen Strecke für die Anlieger ein Glücksfall, weil die Lärmkarten die genaue Belastung an der Bahnstrecke darstellen und gesetzlicher Lärmschutz daraus abgeleitet werden kann.

Außerdem führte Ferlemann aus, dass die Amerikalinie im Rahmen des Alpha-E nicht zweigleisig ausgebaut werde, sondern auf der Strecke nur Ausweichbereiche eingebaut würden. Auf die Zugfrequenz angesprochen, sagte der Staatssekretär, dass es wohl bei den 40 Zügen am Tag bleibe wie bereits angekündigt.

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