„Hygiene ist wichtig“

Lächeln statt Handschlag: Visselhöveder bleiben trotz Coronavirus gelassen

Melanie Ebeling-Klein und Hanna Grönke (r.) schicken stark erkältete Patienten lieber nach Hause.
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Melanie Ebeling-Klein und Hanna Grönke (r.) schicken stark erkältete Patienten lieber nach Hause.

Visselhövede - Von Angela Kirchfeld und Jens Wieters. Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus und macht auch vor dem Altkreis Rotenburg nicht halt. Überregional werden bereits Großveranstaltungen und Messen abgesagt, in manchen Orten sind Supermarkt-Regale mit haltbaren Lebensmitteln bereits leer gekauft. Wir haben uns mal in Visselhövede umgehört, wie die Einwohner mit der Situation umgehen.

Mira Sandler zum Beispiel zieht „immer Handschuhe über“ wenn sie zum Einkaufen geht. „Denn dann fasse ich den Griff des Einkaufswagens nicht direkt an, der ja vorher bereits durch viele Hände gegangen ist.“ Sandler vermeidet zurzeit auch das Bezahlen mit Bargeld an der Kasse. „Ich zahle lieber mit Karte.“ Die Visselhövederin ist aktuell außerdem ein wenig zurückhaltender, was Freunde und Bekannte betrifft: „Ich nehme sie lieber kurz in den Arm, als ihnen die Hand zu schütteln.“

Oft begleitet sie Ehemann Hans bei der Einkaufstour. Der stellt aber klar: „Hamsterkäufe machen wir nicht, es ist ja schließlich kein Krieg!“ Das Paar hat auch immer genügend Reserven im Haus, hat aber auch schon festgestellt, dass in einigen Regalen der Visselhöveder Supermärkte Lücken klaffen. „Doch das finde ich übertrieben! Das Virus ist doch lediglich eine stärkere Form einer Grippe und wird unnötig hoch gespielt“, so die Sandlers.

Mira und Hans Sandler erledigen keine Hamsterkäufe, tragen aber Handschuhe im Supermarkt.

Jan Meinke, Leiter des Combi-Markts, bleibt ebenfalls entspannt: „Hier läuft eigentlich alles ganz normal ab. Lediglich die Hygieneartikel wie Desinfektionssprays und -tücher sind bereits seit einer Woche vergriffen.“ Bis Ende April gebe es auch keinen Nachschub mehr. „Mein Kollege aus Bremen hat berichtet, dass bei ihm Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Mehl und Konserven zwischendurch mal ausverkauft seien. Doch hier haben wir keine Lieferengpässe und haben auch genug auf Lager“, versichert der Marktleiter. Am Eingang des Markts gebe es übrigens einen Spender mit Desinfektionstüchern, um damit die Griffleiste der Einkaufswagen abzuwischen.

Trixi Rogall, Mutter von drei Kindern im Alter zwischen drei Monaten und sieben Jahren, will ebenfalls keine Panik aufkommen lassen. „Gerade weil sich die Kinder, die im Kindergarten betreut werden, ja permanent die Hände waschen. Ich habe auch kein Desinfektionsmittel im Haus. Wir essen immer ausreichend Obst und Gemüse, um das Immunsystem zu schützen, da immer irgendwelche Krankheiten kursieren.“ Die junge Mutter kann die Panikmache nicht verstehen: „Wenn man gesundheitlich angeschlagen ist, sollte man sich Gedanken machen, aber sonst ...“

Auch Dagmar Kühnast verhält sich im Alltag ganz normal. „Sicherlich, es ist Vorsicht geboten und man sollte sein Handeln überdenken, doch wir sollten es auch nicht übertreiben.“ Auf eines würde die Schwitscherin zurzeit allerdings verzichten: „Urlaub in Italien würde ich jetzt lieber doch nicht machen.“ Die Visselhöveder scheinen das Virus aber dennoch nicht nur auf die leichte Schulter zu nehmen: „Es herrscht zurzeit eine große Nachfrage nach Mundschutz und Desinfektionsmitteln. Diese Artikel waren in kürzester Zeit ausverkauft“, informiert Inga Ladegast von der Neuen Apotheke.

Die junge Mutter Trixi Rogall sorgt für ein starkes Immunsystem ihrer Familie.

„Die Produkte kommen vorerst auch nicht nach. Wir empfehlen, regelmäßig, gründlich und ausreichend lange die Hände zu waschen. Abstand zu anderen Personen zu halten und auf das Händeschütteln zu verzichten, hilft auch.“ Auch Ladegast will sich nicht verrückt machen lassen. „Es ist eigentlich eine stärkere Grippewelle.“

In der Alten Apotheke ein paar hundert Meter weiter wird zurzeit ein Desinfektionsmittel selbst angerührt, weil es mit dem Nachschub auf den üblichen Wegen hakt. „Wir haben einen kleinen Vorrat an selbst gefertigtem Desinfektionsmittel für die Hände zur Verfügung, geben es aber auch nur in kleinen Mengen ab. Aber natürlich nur, solange der Vorrat reicht“, informiert Apotheker Robert Rabe.

Das Präparat basiert auf der Flüssigkeit Isopropanol und muss 72 Stunden nach Fertigung in den Flaschen ruhen. „Wir können leider auch nicht unbegrenzt mehr herstellen, weil die Zutaten nur in gewissen Kontingenten erhältlich sind.“

Inga Ladegast empfiehlt gründliches Händewaschen mit Seife.

Nach Rabes Auffassung sei eine Corona-Angst nicht angebracht, sondern eher Respekt „Ganz normale Hygienemaßnahmen wie ausreichendes Hände waschen sollten reichen.“

„Lächeln statt Handschlag“, rät auch das Team der Zahnarztpraxis Schärfe. „Wir sind damit nicht unhöflich, nur umsichtig und vorsichtig“, so steht es auf dem Infoblatt, das im Wartezimmer ausliegt. „Ein Spender für Desinfektionsmittel steht bei uns schon lange bereit. Und wir arbeiten immer mit Handschuhen und Mundschutz. Ist ein Patient jedoch stark erkältet, schicken wir ihn lieber nach Hause“, so die Sprechstundenhilfen Hanna Grönke und Melanie Ebeling-Klein.

Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel geht gelassen mit dem grassierenden Virus um, auch „wenn ich mittlerweile in einem Alter bin, in dem man angeblich solch eine Krankheit nicht mehr ganz so gut wegstecken kann, wenn sich man infizieren würde.“ Dennoch hat auch Goebel festgestellt, dass seine Mitbürger vorsichtiger geworden sind: „Türklinken im Rathaus werden zum Beispiel von einigen nur mit heruntergezogenen Ärmeln als Schutz geöffnet.“

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