Kuscheliger geht es kaum

Jennifer Copland züchtet seltene Angora-Rassekaninchen

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Jennifer Copland bei der Pflege eines Jungtiers. Die Haare wachsen wie beim Menschen schnell nach.

Visselhövede/Schafwinkel - Von Angela Kirchfeld. Ihr Fell ist so kuschelig weich, dass man sie gar nicht loslassen möchte. Ganz klar, für Jennifer Copland war es Liebe auf den ersten Blick. „Da stimmte einfach alles, das Fell, die langen Haare, die Ohren. Es hat bei mir einfach ,Klick‘ gemacht“, schwärmt die 43-Jährige, die seit drei Jahren die seltenen Angora-Rassekaninchen züchtet.

Bereits zuvor hatte sie sich um einfache Hauskaninchen gekümmert und stieß durch Zufall auf die flauschigen Vierbeiner. Mittlerweile sind es 31 Tiere, die von ihr intensiv betreut werden. „Am Anfang war mir nicht bewusst, dass sie viel Pflege bedürfen. Doch es ist ein Vorurteil, dass man sie ständig striegeln muss. Die älteren Tiere bürste ich fast gar nicht“, berichtet die Schafwinkelerin, die Mitglied im Visselhöveder Kaninchenzuchtverein ist.

Das einzige Manko: „Die Haare der Angorakaninchen wachsen immer weiter, wie beim Menschen. Es findet kein Fellwechsel statt.“ So müssen bereits die Jungtiere mit acht Wochen die erste Nestschur über sich ergehen lassen. Anschließend werden die Langohren alle 84 Tage mit einem speziellen Gerät geschoren. 

Die Angora-Kaninchen sind sehr wertvoll.

Die Rohwolle verkauft die Züchterin über das Internet, hat aber auch private Interessenten, die die Haare abnehmen, die übrigens sechs Zentimeter lang sein müssen. Die werden gesponnen und gegebenenfalls gefärbt. Daraus entsteht eine wunderbar weiche, fast seidige Wolle. Die fertigen Produkte werden teuer verkauft. „Nur leider sind die Preise für das Fell durch den Chinamarkt im Keller“, berichtet Copland, die mit den Eltern und Oma Waltraud auf einem Resthof wohnt.

Besonderes Fell bedarf nicht nur besondere Pflege, sondern auch spezielle Nahrung. Daher füttert die Altenpflegerin ihre wertvollen Tiere mit besonderen Angora-Kräuter-Pellets. „Diese Rasse braucht mehr Aminosäure, da sie mehr Energie als Kurzhaarrassen verbrauchen.“

Die Wolle wird gesponnen.

Die Nachfrage an den Tieren ist bei den Züchtern vorhanden. Ihre wertvollen „Havanna“-Tiere holten schon Landesmeistertitel bei Ausstellungen und ein braunes Tier bringt ihr schon mal rund 70 Euro.

Durch die Mitgliedschaft im Zuchtverein F133 Visselhövede weiß Copland auch, worauf es bei der Züchtung ankommt. „Wichtig ist, dass die Tiere nicht zu sehr miteinander verwandt sind. Daher führe ich einen Stammbaum. Ich achte auch auf Stellung, Fell und Kopfform. Haare auf dem Kopf mögen die Richter nicht und die Ohren müssen spitz sein.“ 

Bei Schnupfen wird geschlachtet

Und wenn ein Wurf mal nicht so gelingt? „Dann ist schlachten manchmal nötig, zum Beispiel, wenn die Zahnstellung fehlerhaft ist oder sie einen Schnupfen haben. Sie müssten ewig Medikamente nehmen und würden in der freien Natur auch nicht überleben!“ Sicherlich, man baut eine Bindung auf und mal gibt die Tierfreundin ihnen Namen, wie „Schnulli“ oder „Pappenheimer“ – was eben so passt. Die geschlachteten Tiere bekommt Mutter Rosemarie als Sonntagsbraten. Jennifer selbst kann ihre Tiere nicht essen. „Da blutet mir das Herz und ich bin auch nicht so der Fleischesser.“

So kuschelig und schön die Tiere sind, als Weihnachtsgeschenk für Kinder empfiehlt die Angora-Expertin die Langohren nicht. „Es ist doch eine Menge Arbeit, die oft an den Eltern hängen bleibt.“

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