Wie ist die Lage im Theater Metronom und im Visseler Artoutlet?

Kunst im Internet

Wenn Karin Schroeder und Andreas Goerth, hier in „Die Odyssee“, momentan auf der Bühne stehen, dann ohne Publikum. Foto: Andreas Hartmann

Hütthof / Visselhövede – Das Theater Metronom ist ein kleines, aber gut ausgestattetes Theater – mit 100 Sitzplätzen in einem Dorf mit knapp 20 Einwohnern. In diesem Theater, das sich in einer umgebauten Halle auf einem Bauernhof, schräg gegenüber einer großen Anzahl von Kühen, befindet, wird ein abwechslungsreiches Programm mit 60 bis 70 Vorstellungen im Jahr geboten. Die Metronom-Betreiber und Schauspieler Karin Schroeder und Andreas Goerth sehen ihr Theater aber nicht nur als Spielstätte, sondern auch als Theaterwerkstatt, in der produziert und experimentiert wird und regelmäßig Projekte mit Jugendlichen, Kindern und Erwachsenen stattfinden. Normalerweise wäre die diesjährige Saison mit dem Theaterfrühling im März gestartet. Nun wurden alle Veranstaltungen aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Was machen die beiden nun während der Vakanzzeit?

„Natürlich läuft unser Theaterfrühling super gut. Es ist nur kein Publikum da! Nein, Spaß bei Seite, natürlich haben wir einen finanzielle Schaden“, stellt Goerth klar und fügt hinzu: „Der finanzielle Schaden ist einmal durch die eigenen Stücke, die wir nicht spielen können, gegeben. Außerdem fällt natürlich auch unsere Gastspieltour nach Ludwigsburg aus. Da geht es uns nicht anders als vielen anderen Bühnen. Wir machen trotzdem das Beste aus der Situation und planen zurzeit, die vorgesehenen Veranstaltungen in den Theaterherbst zu verlegen.“ Dennoch sei das schwer zu planen, weil die beiden nicht wissen, wie lange der Zustand anhält. Die beiden gebuchten Gastspiele konnten bereits verschoben werden. Ebenso der Workshop „Schauspiel Basics“, der soll Stand jetzt am 25. und 26. April nachgeholt werden.

Das Kindertheaterprojekt „Kinder machen Theater“ soll im Sommer wie geplant stattfinden. Das Bürger-Theaterprojekt „Berlin, Berlin“ sollte ursprünglich im April starten. „Da versuchen wir ebenfalls, neue Termine zu finden. Start kann Ende April sein. Da stehen wir mit den Teilnehmern noch im Kontakt“, erklärt Goerth.

Auch im Visselhöveder Art-outlet ist momentan alles ein wenig anders – aber dann wieder doch nicht so viel. Denn eigentlich geht alles ein wenig seinen gewohnten Gang, erklärt Initiator Manfred Willi Reichert. Viele nutzen die Möglichkeit, dort zu arbeiten, um auch einfach mal rauszukommen. Die Stimmung sei gemischt. Einerseits herrsche Freude, dass es diesen Ausweichpunkt gibt. „Der ein oder andere ist vor Ort, arbeitet oder übt entsprechend den Vorgaben – wir sind aber alle ein wenig gefrustet“, gibt er zu. Denn in der vergangenen Woche hätte eigentlich die geplante Ausstellung aufgebaut werden sollen. Das gesamte Outlet nebst Künstlern von außen – darunter Schüler der Eichenschule Scheeßel und der Lebenshilfe Rotenburg-Verden – hätte sich und seine Werke der Öffentlichkeit präsentiert. Das fällt nun Corona-bedingt ins Wasser. „Noch ist offen, ob und in welcher Form wir das umsetzen können“, so Reichert. Auch seien den Musikern im Haus – Muddy Proom und Shotgun – Auftritte weggebrochen. „Die fallen natürlich auch in keinen Rettungsschirm.“

Die Künstler müssen sich selbstverantwortlich organisieren. Darunter fällt auch, die Maßnahmen zu beachten – kein Publikumsverkehr im Artoutlet auf dem ehemaligen Kasernengelände, wer sich im Flur trifft, hält Abstand und vor allem: keine Menschensansammlungen. „Ich will hier keine Party!“ Darauf hat Reichert ein Auge, wie er sagt.

„Mir liegt auch daran, das aufgebaute Image in den vergangenen Jahren aufrechtzuerhalten“, betont er. Der Künstler ist – wie bislang auch – der Ansprechpartner für alle Künstler und Musiker im Haus. Neu hinzugekommen ist, „dass ich jetzt so eine Rolle als Ausheulonkel habe“, merkt Reichert an. Daher hat er sich einen Weg überlegt, wie er die Werke dennoch der Öffentlichkeit präsentieren könnte. „Denn Kunst wirkt nur, wenn sie gesehen werden kann – und das ist ja beschränkt momentan.“ Und da bleibt nur, wie so oft derzeit, der Weg über das Internet. Er hat alle Mieter angeschrieben und auch die Künstler von außen und gebeten, ihm Videos oder Fotos der Werke zukommen zu lassen. Diese hat Reichert auf der Facebook-Seite des Artoutlets hochgeladen. „Das versuche ich, so aktuell wie möglich zu halten“, erklärt er. Denn an der Ausstellung haben die Künstler seit etwa Weihnachten gearbeitet.

Wie es weitergeht, weiß Reichert noch nicht genau. „Ob wir nach der Zeigepause etwas Größeres machen oder in Ruhe die nächste geplante Ausstellung vorbereiten ist noch nicht raus. Wir müssen abwarten, das dauert sich bis zu einem halben Jahr, bis sich alles zurechtruckelt“, meint er. Dennoch sei die Bedeutung des Artoutlets für die Region wichtig, findet er. „Es sind viele Individuen, die sich zusammengefunden haben, die für sich und andere was Gutes machen wollen, aber es ist ein Risiko für jeden, wenn ein solches unplanbares Ereignis kommt“, merkt er an. Wer sparen muss, denke eventuell erstmal an die Miete im Artoutlet. Darauf hofft er aber nicht, denn „das ist den Leuten sehr viel wert hier“. „Man merkt an uns Künstlern, wie wichtig uns das Haus ist und die Möglichkeit, was zu machen – für die Leute und die Region“, sagt Reichert.

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