Marktforscherin stellt Einzelhandelsgutachten vor

Kunden verlangen Qualität

Erläuterte das Einzelhandelsgutachten: Katharina Staiger.
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Erläuterte das Einzelhandelsgutachten: Katharina Staiger.

Wittorf – Eine deutlich gestiegene Kaufkraft bei erheblich geminderter Einwohnerzahl, aber zu viele Discounter und ein Vollsortimenter, dem die Kunden in Sachen Qualität nicht das beste Zeugnis ausstellen. So lassen sich die ersten Ergebnisse des von der Stadt Visselhövede in Auftrag gegebenen Einzelhandelskonzepts grob zusammenfassen, die am Montagabend von Katharina Staiger von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) während der Jahreshauptversammlung des Gewerbevereins im Wittorfer Dorfgemeinschaftshaus vorgestellt wurden.

655 Personen hatten bei einer Online-Umfrage mitgemacht, die von der GMA Anfang des Jahres initiiert worden war. „Damit sind wir auch repräsentativ“, informierte Staiger die rund 20 anwesenden Vereinsmitglieder.

Den Befragten gefallen überwiegend die Einzelhandelsgeschäfte in der Stadt. „Von der Angebotsvielfalt und den verschiedenen Dienstleistern und Handwerkern im Innenstadtbereich sind sie in Relation zur Größe auch richtig gut aufgestellt. Das gibt es nicht so oft“, stellte Staiger klar.

Allerdings lässt die Gestaltung der Geschäfte offenbar zu wünschen übrig, denn nur bei diesem Punkt ��berwiegen in der Befragung die negativen Eindrücke, während bei den Themen Angebot, Auswahl und Sortiment oder Kundenservice und Freundlichkeit die positiven Aspekte mit großem Abstand vorne liegen. „Auffällig ist auch, dass die individuelle Beratung, die früher immer als das Argument für einen Einkauf in den Fachgeschäften gesehen worden ist, für die Menschen vor Ort nicht mehr so wichtig zu sein scheint. Gleiches gilt offenbar auch für Preise, weil beide Fragen nur zurückhaltend beantwortet wurden“, so die Fachfrau.

Die Teilnehmer der Umfrage vermissen in Visselhövede vor allem den Angebotsbereich Bekleidung, Schuhe und Sportartikel. „Aber die Kunden vermissen zu einem Großteil auch Nahrungs- und Genussmittel. Und das ist die eigentliche Überraschung, weil viele glauben, dass mit den Discountern doch genau dieser Bereich bestens abgedeckt sein müsste“, so Staiger, die den Unterschied zwischen Discounter und Vollsortimenter erläuterte: „Bei Aldi, Lidl und Co. gibt es rund 4 000 Artikel, bei Edeka, Rewe oder Combi bis zu 20 000.“

Warum dennoch viele Kunden aus Visselhövede und dem Umland mit den Angebot im Bereich Lebensmittel im Vollsortimentbereich nicht zufrieden sind, „liegt offenbar an der mangelnden Qualität begründet, die es aktuell in Visselhövede gibt“, mutmaßt die Forscherin.

Darum würden nur 60 Prozent der Befragten ihre Lebensmittel und Dinge des sogenannten periodischen Bedarfs in Visselhövede kaufen, 13 Prozent hingegen in Neuenkirchen, wo es einen Edeka-Markt gebe, acht Prozent in Walsrode, sieben und fünf Prozent in Rotenburg und Kirchlinteln und der Rest an anderen Orten. „Die 60 Prozent sind also noch erheblich steigerungsfähig“, betonte Staiger.

Die niedrige Zahl dürfte nicht am Geld liegen, wenn man sich die Kaufkraft in Visselhövede anschaut. Denn die ist in den vergangenen acht Jahren von etwa fünf Prozentpunkten unter dem Bundesdurchschnitt auf 0,9 darüber gestiegen. „Damit steht Visselhövede besser da, als der Rest des Landkreises, wo die Kaufkraft insgesamt mit 99,9 knapp unter dem Durchschnitt liegt. Aber Visselhövede hat sogar Städte wie Soltau mit 93,5, Walsrode mit 96,2 oder auch Rotenburg mit 98,2 abgehängt.“

Um aber eine Kaufkraft im Bereich der Vollsortimenter von mindestens 70 Prozent in der Stadt zu binden, sei ein weiterer Supermarkt nötig. „Es ist aber auch klar, dass das nur mit einem Verdrängungsprozess funktionieren kann“, so Staiger.

Die Kaufkraft hat sich übrigens trotz einer rückläufigen Zahl von Einwohnern so steil nach oben entwickelt. Denn in den vergangenen fünf Jahren haben 328 Personen die Stadt und die Ortschaften verlassen. Am 31. März 2020 hatte die Visselhövede nämlich nur noch 9 597 Einwohner. Aber da die Menschen der Region ausreichend Geld in der Tasche haben würden, verlangten sie auch Qualität, betonte Staiger, die von einer Visselhöveder Pro-Kopf-Ausgabe von 6 264 Euro sprach.

Qualität ist die eine Sache, die Optik eine andere. Denn die Analyse hat auch hervorgebracht, dass sich die Kunden mehr Sauberkeit und Ordnung in der Stadt wünschen. Außerdem muss die Fahrradfreundlichkeit, was vor allem die Abstellmöglichkeiten der Zweiräder betrifft, erheblich gesteigert werden, heißt es. Auch die Fassaden könnten eine Auffrischung vertragen und das Stadtmobiliar aufgewertet werden, lässt sich aus den Zahlen des Gutachtens herauslesen. Die Stadt stellt es demnächst auf die Homepage (visselhoevede.de). Gewerbetreibende bekommen auf Anfrage ihre persönliche Auswertung.  jw

Während der Versammlung des Gewerbevereins wurde Vorsitzender Ulf Timmann (2.v.r) in seinem Amt bestätigt. Die Kasse führt weiterhin Lorena Janßen (2.v.l.). Als Beisitzer des Vorstands fungieren erneut Henning Grünhagen und Sabine Bente.

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