Visselhöveder Gabentisch besteht zehn Jahre

„Situation ist angespannt“: 35 Kunden pro Ausgabetag

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Edith Schneider (v.l.), Helmut Neiß, Karin Viedt und Erika Schmidt sind seit vielen Jahren beim Visselhöveder Gabentisch tätig und aus dem Team nicht mehr wegzudenken.

Visselhövede - Von Angela Kirchfeld. „Auch direkt bei uns vor der Haustür gibt es Armut“, stellten engagierte Visselhöveder vor genau zehn Jahren fest und riefen mit Pastor Wolfgang Wattjes den Gabentisch ins Leben.

Unter dem Motto „Wie kann ich helfen?“ begann der Trägerkreis, die örtlich ansässigen Lebensmittelmärkte, Bäckereien, Drogerien und landwirtschaftlichen Betriebe auf die Idee eines Gabentisches einzustimmen, der wie eine Tafel arbeitet. Der Zuspruch war groß und motivierte die Mitglieder, mit dem intensiven Aufbau eines solchen Angebots für Bedürftige zu starten. 

Bei der Ware handelt es sich um Lebensmittel, die in den Märkten nicht mehr angeboten werden. „Viele Betroffene leben im Durchschnitt pro Tag von rund 4,50 Euro, die für Lebensmittel ausreichen müssen“, informiert Manfred Seitz, Sprecher des Gabentisches. Auf Fleisch werde zumeist ganz verzichtet. Frisches Obst sei selbst im Sommer noch zu teuer und auch Grundnahrungsmittel wie Milch gehörten oft zu den Luxusgütern. „Viele Sozialhilfeempfänger schaffen es nur durch extremen Verzicht, bis zum Monatsende durchzuhalten. Häufig sind diese Personen auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen“, so Seitz. Andersherum würden innerhalb eines Jahres – nur in Norddeutschland – von nur einem großen Lebensmittelkonzern Waren im Wert von bis zu 600.000 Euro vernichtet.

Die Ausgabe der Nahrungsmittel erfolgt im Visselhöveder Gabentisch jede Woche am Dienstag und Freitag in der Zeit von 14.30 bis 16 Uhr. Die abgeholte Ware wird von zehn Freiwilligen vorher gesichtet, auf Frische und Haltbarkeit geprüft, teilweise geputzt, portioniert und in die Ausgaberegale gepackt.

2012 wurde ein eigener Transporter für den Gabentisch angeschafft. Die Helfer arbeiten im Durchschnitt zwischen drei bis zehn Stunden in der Woche für die Ausgabestelle, die zur Rotenburger Tafel gehört.

Supermärkte geben nicht mehr so großzügig

Im ersten Jahr wurden an 98 Ausgabetagen 3 136 Bedürftige mit den Waren versorgt. „Heute sind es rund 35 Kunden pro Ausgabetag“, berichtet Seitz. „Dahinter stecken bis zu 120 Familienmitglieder, die wir versorgen.“ Der Visselhöveder Gabentisch finanziert sich selbst aus den ihm direkt zugesagten Spenden und dem symbolischen Beitrag der Bedürftigen.

„Auch wenn bei dem einen oder anderen die Schwellenangst vor einem ersten Besuch unserer Ausgabestelle bereits gesunken ist, so gibt es nach unserer Einschätzung noch weitere Bedürftige, die bisher den Weg zu uns noch nicht gefunden haben. Entweder ist immer noch die Scheu des sich Erkennengebens vorhanden oder die Mobilität ist wegen fehlender Fahrmöglichkeiten oder Alter und Krankheit stark eingeschränkt“, glaubt Seitz.

Seit Ende 2014 würden vermehrt Flüchtlinge und Asylsuchende die Einrichtung aufsuchen. „Die Situation durch die gestiegene Zahl der Bedürftigen ist sehr angespannt, was die Versorgung mit Lebensmitteln betrifft.“ Die Märkte geben nicht mehr so großzügig Waren ab, da sie die Produkte zu verbilligten Preisen selber anbieten, muss Seitz immer öfter feststellen.

Seit Beginn des Jahres befindet sich der Gabentisch in den neuen Räumlichkeiten im ehemaligen Bahnhofsgebäude und steht somit auch im engen Kontakt mit dem Präventionsrat der Stadt, der in benachbarte Räume eingezogen ist, so dass ein Austausch gut möglich ist.

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