Hoffnung auf Synergie

Kultur-Stammtisch: Hoher Unterhaltungswert, kaum Inhalt

Martina von Bargen zeigt einer versammelten Runde einen Kochlöffel.
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Martina von Bargen vom Landesverband Freier Theater mahnt die Politiker Eike Holsten (v.l.), Marco Prietz und Ralf Goebel mit dem Kochlöffel: „Spielstättenförderung gehört in jeden Haushalt.“

Einen Diskurs starten über das Überleben der Kultur in der Region hat das Theater Metronom beim ersten Kultur-Stammtisch starten wollen. Dieser stellte sich am Mittwochabend zwar als unterhaltsam heraus, blieb inhaltlich aber hinter den Erwartungen zurück.

Hütthof – Ein Stammtisch für die Kultur, mit kreativen Partyspielchen und Improvisation statt konfrontativer Debatte sowie musikalische Umrahmung von Zsuzsa von Zeddelmann – eine schöne Idee von Karin Schroeder, Kulturschaffende, Politiker, Wirtschafts- und Pressevertreter zum Auftakt des Theaterherbstes im Hütthofer Metronom an einen Tisch – oder vielmehr vier Weinfässer – zu bringen.

CDU-Landespolitiker Eike Holsten, der Unternehmer Joachim Behrens, Kreiszeitungs-Redaktionsleiter Michael Krüger, Anke von Fintel (Wirtschaft und Entwicklung im Heidekreis) und Hans-Eckhard Dannenberg vom Landschaftsverband Stade – die Liste derer, die statt etwaigen „interaktiven Fluchtreflexen“ der Einladung gefolgt waren, um neue Möglichkeiten einer Vernetzung und Kulturformen, aber auch eine stärkere Kooperation zwischen Nord – und Südkreis auszuloten, nahm sich wie ein „Who is Who“ der lokalen Polit- und Kulturfördererszene aus. „Dass Marco Prietz an seinem dritten Arbeitstag als neuer Landrat hierher kommt, nehmen wir als Zeichen“, frohlockte denn auch Gastgeberin Schroeder über die Zusage des CDU-Politikers.

Zeremonienmeister Michael Bandt, Hamburger Regisseur und Spezialist für Betriebstheater, hatte allerlei kreative Aufgaben im Gepäck, um die zehn Teilnehmer von der Vertreterin Freier Theater bis zum Bürgermeister aus der Reserve und den knapp zwei Dutzend Zuschauern das ein oder andere Lachen zu entlocken.

Dabei entpuppte sich so mancher der Teilnehmer als erstaunlich versiertes Improvisationstalent, und auch einige kleine Seitenhiebe wurden zwischen Wirtschaft und Politik ausgeteilt, etwa, als es um die Finanzierung eines fiktiven Mega-Events ging. Indes, viele der Beiträge atmeten die Wertschätzung, die die Anwesenden, darunter alte Metronom-Mitstreiter wie Vissels Bürgermeister Ralf Goebel oder der langjährige Technik-Mitarbeiter und NDR-Azubi Robin Gallo dem freien Theater entgegenbringen.

Bei der ebenfalls fiktiven Preisvergabe sahnte Schroeder reihenweise ab – die Sisyphusmedaille für geplante, aber nicht gezeigte Produktionen, eine Goldene Erika für Resilienz in kargen Zeiten oder den Kooperations-Award. Vernetzung war denn auch das geflügelte Wort der Stunde. Denn dass Kulturschaffende und ihre Förderer in der aktuellen Situation überregionale und branchenübergreifende Synergien schaffen müssen, darin herrschte Konsens.

Allerdings hätte es dazu wohl kaum eines Stammtischs bedurft, waren sich die Gäste in diesem Punkte doch schon vorher einig. So verloren sich die kreativen Impulse allzu oft in kurzweiliger Belanglosigkeit. Schade, hätten die Teilnehmer doch Konkretes zu sagen gehabt. Als Spielleiter Bandt inhaltlich in die Tiefe ging, etwa mit dem Appell, „ein Fass aufzumachen“ und seinen Unmut zu äußern, ließ er alle Protagonisten in einen Rufwettstreit à la Speakers Corner gleichzeitig reden. So waren es am Ende die Politiker, die sich dank Stimmvolumen und Timing durchgesetzt haben.

Kommentar: „Das nächste Mal bitte mit mehr Tiefgang“

Das erklärte Ziel, „etwas Neues entstehen zu lassen“, es blieben beim Metronom-Talk weitestgehend auf der Strecke. Was blieb: Viel guter Wille und „amüsante Bauchpinselei“, wie es eine der anwesenden Kulturschaffenden im Publikum enttäuscht formulierte. Doch auch die Zuschauer haben Chancen verpasst: In der Rückmeldungsrunde nutzte nur Bernd Braumüller die Gelegenheit, sich mehr Vertrauen in die Kulturschaffenden, verbunden mit den entsprechenden Geldern, zu wünschen. Letztlich war es Spielleiter Michael Bandt selbst, der den Wunsch einiger Anwesender vortrug: Er bat Redaktionsleiter Michael Krüger um eine Nachberichterstattung von Theaterpremieren und anderen Kulturereignissen. Alles in allem ein verschenkter Abend? Nicht unbedingt. Die Synergien, sie könnten doch noch entstehen, und sei es langfristig im Zuge der informellen Gespräche beim „Bier danach“. Veranstalterin Karin Schroeder kann sich vorstellen, einmal pro Spielzeit wechselnde Teilnehmer zum Stammtisch an die Fässer des Theater Metronom zu bitten – bei aller Lust am kreativen Geplänkel: Dann aber bitte auch mit etwas mehr Tiefgang!  Ulla Heyne

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