Wittorfer Gnadenhof fehlen Besucher und damit auch Einnahmen

Krise erreicht Zwergenland

Jessica Huntemann (mit Sohn Maddox und Kaninchen Lilly) hofft auf die Unterstützung von Tierfreunden.

Wittorf - Von Angela Kirchfeld. Munter baden die Enten im neu angelegten Wasserbecken. Zwerghahn Little Food pickt mit seinen drei Hennen im Freigelände nach Würmern und Lilly, das Löwenkopf-Zwergkaninchen, hoppelt mit seinen Artgenossen um die Wette. Doch das idyllische Bild auf dem Gnadenhof Zwergenland in Wittorf trügt. „Die Spendenbereitschaft hat seit der CoronaKrise sehr stark nachgelassen“, betont Jessica Huntemann, die mit ihrem Ehemann Carsten Wilkens den Gnadenhof betreibt.

Seit Ende Januar 2018 ist das Zwergenland sogar ein Verein mit dem Prädikat der Gemeinnützigkeit. „Das Grünfutter für die Tiere ist durch die Dürreperiode im vergangenen Jahr teurer geworden und unser Sommerfest, das immer in Verbindung mit dem Wittorfer Flohmarkt am Ostermoor steht, fällt in diesem Jahr auch aus“, so Jessica Huntemann verzweifelt, die mit dem Tag der offenen Tür im Rahmen des Flohmarkts das Geld für das Heu für den Winter zusammenbekommen hatte.

„Es bereitet mir Magenschmerzen, dass wir aktuell nicht wissen, wie wir das Geld für das Winterheu zusammenbekommen können.“ Der Erlös aus dem Verkauf der frisch gelegten Eier der 87 Hühner fange die Kosten bei Weitem nicht auf. „Wir sind auf Mitgliedsbeiträge, Spenden und Patenschaften angewiesen. Für zehn Euro im Monat kann man für ein Tier seiner Wahl eine Patenschaft übernehmen und erhält dafür eine Urkunde und ein Foto seines Lieblings.

„Unser Problem ist, dass wir Nutztiere halten, da fehlt oft der Niedlichkeitsfaktor“, weiß Carsten Wilkens. Selbst die Kaninchen sind nicht zahm. „Die müssen bei uns nicht auf den Arm und sich an den Menschen gewöhnen!“ Doch die Betreiber sind sich trotz der Krise einig: „Bei uns wird kein Tier geschlachtet. Alle Tiere, die hierher kommen, haben ein Recht auf eine natürliche und artgerechte Haltung. Nur wenn ein Tier sich quält, wird es erlöst.“

Zu den Mitbewohnern der Familie, die allesamt auf einem Resthof an der Straße In den Ackern 12 leben, zählen mehr als 150 Tiere. „Neben den Hühnern, 16 Hähne, Puten, Ziegen, Schweine, Schafe, Kaninchen und viele Enten, die sich auf einer Weidefläche von 2 000 Quadratmetern und in mehreren Ställen tummeln. Wir lassen nur so viele Tiere auf die Weide, dass für alle immer genug zu Fressen da ist. Das Gras muss noch grün sein, sonst haben sie nicht genug.“

Ziel des gemeinnützigen Vereins ist es, kleinen Weidetieren ein neues Zuhause zu geben, die an anderen Orten einer ungewissen Zukunft entgegenblicken würden. Die Tiere kommen aus den unterschiedlichsten Gründen auf den Gnadenhof. Einige mussten umziehen, weil ihr Besitzer erkrankte, andere weil sie geschlachtet werden sollten und wieder andere, weil ihre Besitzer schlicht und einfach keine Lust mehr hatten, sich um sie zu kümmern. „Im Februar wurde uns einfach ein Zwerghahn über den Zaun geworfen. Den haben wir Little Food getauft“, so Huntemann, die im Moment fürs Futter zubuttern muss. „Allein für die Hühner werden rund 350 Euro im Monat fällig. Hinzu kommen 200 Euro für das Trocken- und Grünfutter für die Kaninchen.“

Sonst war dienstags immer Besuchstag, doch der entfällt nun auch aufgrund der Corona-Krise. Über Fördermitglieder, Patenschaften und finanzielle Unterstützung würde sich der Gnadenhof freuen. Aber auch Futterspenden wie Mais, Futter- und Zuckerrüben sowie Gemüse sind willkommen. Weitere Informationen finden Interessierte auf der Homepage unter www.gnadenhof-zwergenland.jimdo.com oder auch per Telefon unter der Rufnummer 0152 / 59017441.

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