Modell-Acker und Lehrpfad / Sponsorensuche

Kooperationsprojekt zur klimaangepassten Landwirtschaft

Morten Wehland (v.l., Bioland), Olaf Wilkens (Hof Wilkens), Nadia Bremer, Dr. Yuki Henselek (Bioland) und Albert Haake (Bioland) bereiten das Projekt in Riepholm vor.
+
Morten Wehland (v.l., Bioland), Olaf Wilkens (Hof Wilkens), Nadia Bremer, Dr. Yuki Henselek (Bioland) und Albert Haake (Bioland) bereiten das Projekt in Riepholm vor.

Um in Zeiten des Klimawandels rechtzeitig zu reagieren und angepasste Landwirtschaft zu betreiben, plant Junglandwirtin Nadia Bremer einen Modellacker mit einem Anbau von Sonderkulturen. Dazu soll es einen landwirtschaftlichen Lehrpfad geben.

Riepholm – „Wir wollen den Menschen unsere Landwirtschaft mit all ihren Problemen näherbringen, aber auch aufklären, was wo und warum dort wächst“, betonte Junglandwirtin Nadia Bremer, die den Hof ihres Onkels in Riepholm übernommen hat, im Visselhöveder Landwirtschaftsausschuss. Denn Bremer plant mithilfe weiteren Experten einen Modellacker und einen landwirtschaftlichen Lehrpfad in der Gemarkung Riepholm in der Nähe der Bahnschienen.

Der Klimawandel sei in Norddeutschland angekommen. Um dennoch erfolgreich zu wirtschaften, müsse sich die Landwirtschaft anpassen. „Ansonsten drohen neue Krankheiten und Schädlinge und der dauerhafte Verlust von Bodenfruchtbarkeit sowie Biodiversität“, erläuterte Bremer dem Ausschuss. Mit dem Riepholmer Modell-Acker sollen Erfahrungen einer klimaangepassten Landwirtschaft gesammelt und allen Interessierten zugänglich gemacht werden.

„Der Anbau neuer Kulturen kann eine Möglichkeit sein, der Klimakrise zu begegnen. So kann Anbau von Sonderkulturen wie Buchweizen, Linsen, Erbsen, Leinöl oder Schwarzkümmel in Norddeutschland schon bald interessant werden“, erklärte Yuki Henselek, Geschäftsführerin des Bioland Landesverbandes Niedersachsen/Bremen aus Visselhövede. Nicht zuletzt wünsche sich auch die Gesellschaft regional angebautes Superfood wie Buchweizen oder Linsen.

Der Verband spüre zudem einen steigenden Beratungsbedarf zur Anbautechnik, Verarbeitung und Vermarktung dieser für Niedersachsen bisher nicht üblichen Kulturen. Doch genau hier liege das Problem: Erfahrungen und Wissen zum biologischen Anbau auf typischen Flächen seien bisher rar.

„Auf meinem Modell-Acker werden im Frühjahr klimaangepasste Sonderkulturen angebaut, die im norddeutschen Raum bisher noch nicht üblich sind. Auf einer Gesamtfläche von 25 Hektar ist eine Schaufläche von fünf Hektar vorgesehen, auf der jährlich mindestens fünf Sonderkulturen angebaut werden“, so Bremer.

In der ersten Saison ist demnach der Anbau von Öl-Lein, grüne Erbsen, Sonnenblumen, Schwarzkümmel und Linsen geplant. Projektpartner sind der Bioland Landesverband sowie der ebenfalls in Riepholm ansässige Bioland-Betrieb Wilkens. Alle Arbeitsschritte werden dokumentiert. Erträge, Humusaufbau, qualitative Parameter erfasst, gemeinsam ausgewertet und veröffentlicht. Auch Fragen zu Unkrautregulierung, Düngung, Aussaat- und Erntetechnik sowie Vermarktung werden in den Fokus genommen.

„Ich bin auf der Suche nach einer wirtschaftlichen und ökologisch nachhaltigen Zukunft meines Betriebes. Der Austausch mit anderen Betrieben und Bioland zeigte, es geht mehreren so. Da reifte die Idee, meine persönliche Suche umfangreicher und strategischer zu gestalten. Ich möchte, dass andere Betriebe von meinen Tätigkeiten profitieren, Fehler vermeiden können und Erfolge kopieren“, informierte Nadia Bremer im Ausschuss.

Den hatte sie besucht, um nicht nur ihre Ackerfläche vorzustellen, sondern auch für einen Lehrpfad zu werben, der vielleicht von der Stadt unterstützt werden könnte. Interessierten Laien soll ab dem Frühjahr mittels Lehrpfad entlang des Modell-Ackers Wissen vermittelt werden. „Dabei möchten die Kooperationspartner neben den Ackerkulturen auch landwirtschaftliche Fachbegriffe und historische Besonderheiten des Ortes aktiv erlebbar machen“, sagte Bremer. Da der Acker direkt an einem Wanderweg der Nordpfade gelegen sei, ist er für Interessierte gut erreichbar.

Im Frühjahr geht‘s los

Das Projekt ist seit Oktober auch unter der Adresse www.modell-acker.de erreichbar. Im vergangenen August wurden Zwischenkulturen ausgebracht, in der Vegetationsperiode 2022 sollen Linsen, Erbsen, Leinöl, Sonnenblumen und Schwarzkümmel angebaut werden.

„Der Modell-Acker ist Teil meines land- und forstwirtschaftlichen Betriebs. Es geht nicht um einen Labor-Versuch, sondern um ein Praxisprojekt unter realen Bedingungen. Die Bestellung des Modell-Ackers mache ich innerhalb der normalen Flächenbewirtschaftung meines Bioland-Betriebes “, sagte Bremer. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf jährlich rund 15 000 Euro und sollen durch Sponsoren gedeckt werden. Für das erste Jahr konnten bereits Zusagen über einen großen Teil der benötigten Finanzmittel generiert werden. „Für den landwirtschaftlichen Lehrpfad werden weitere Mittel benötigt. Interessierte Unternehmen oder Privatpersonen können gerne mit den Kooperationspartnern Kontakt aufnehmen“, so Bremer.

Der Landwirtschaftsausschuss zeigte sich aufgeschlossen gegenüber der Idee, wenn er auch nicht sofort das Portemonnaie gezückt hat. Heiner Gerken (Grüne) gab Bremer den Tipp, einen „entsprechenden Antrag für die Hilfe bei der Errichtung des Lehrpfads bei der Stadt zu stellen“, und Bürgermeister Ralf Goebel will beim EU-Leader-Programm Hohe Heide nachfragen, ob und wie das Projekt gefördert werden könne.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Für Ralf Goebel ist es eine Ehre

Für Ralf Goebel ist es eine Ehre

Für Ralf Goebel ist es eine Ehre
Neubaugebiet „Treiderkamp“ in Lauenbrück: Investor plant klimafreundliches Konzept

Neubaugebiet „Treiderkamp“ in Lauenbrück: Investor plant klimafreundliches Konzept

Neubaugebiet „Treiderkamp“ in Lauenbrück: Investor plant klimafreundliches Konzept
Startschuss für Visselhöveder Bürgermeisterwahl

Startschuss für Visselhöveder Bürgermeisterwahl

Startschuss für Visselhöveder Bürgermeisterwahl
Gemeinde Reeßum kalkuliert für 2022 mit 1,1 Millionen Euro

Gemeinde Reeßum kalkuliert für 2022 mit 1,1 Millionen Euro

Gemeinde Reeßum kalkuliert für 2022 mit 1,1 Millionen Euro

Kommentare